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Gedränge im Hoheitsgebiet von Thomas Müller

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Von: Frank Hellmann

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Der Ball gehorcht ihm: Jamal Musiala.
Der Ball gehorcht ihm: Jamal Musiala. © Avanti/Imago

Die aufstrebenden Jamal Musiala und Kai Havertz überzeugen dort, wo am liebsten der Altmeister Thomas Müller spielt.

Es sind einige Flügeltüren aufzustoßen, um in die Interviewzone des Wembleystadions vorzudringen. Nur erlauben es die baulichen Gegebenheiten eben auch, kommentarlos zum Mannschaftsbus zu gelangen. Von dieser Möglichkeit machten Jamal Musiala und Kai Havertz Gebrauch, als die beiden auffälligsten deutschen Fußballer aus dem torreichen Klassiker mit großen Plastiktüten davon stapften. Vorbei am Reporterpulk.

Mit ihrer früheren und aktuellen Verbindung zum Hauptstadtklub FC Chelsea hätten sich der an der Entstehung zweier Tore beteiligte Musiala und der als Doppeltorschütze auffällig gewordene Havertz als Gesprächspartner angeboten, aber ihnen schienen die Taten auf dem Rasen zu genügen. Zumal der Bundestrainer kurz zuvor die passenden Worte gefunden hatte. „Kai und Jamal haben es richtig gut gemacht“, konstatierte Hansi Flick, der nicht die erste Eloge auf das „außergewöhnliche Talent“ des erst 19-jährigen Musiala kredenzte: „Er hilft uns defensiv wie offensiv“.

Der Freigeist vom FC Bayern übertölpelte gleich zweimal den Unsicherheitsfaktor Harry Maguire, von dem niemand weiß, warum er bei Manchester United so unfassbar viel Geld verdient und bei den „Three Lions“ noch aufgeboten wird. Vor dem Elfmetertor von Ilkay Gündogan schob ihm der Jungspund den Ball durch die Beine, woraufhin ihn Maguire umtrat. Vor dem 2:0 von Havertz luchste er dem englischen Abwehrchef die Kugel ab. Gerne hätte Gareth Southgate diesen Hochbegabten in seinen Reihen gehabt: „Eine Schande“ nannte es der englische Teammanager, weil angeblich deutsche Nationalspieler den auf der Insel ausgebildeten Bewegungskünstler überredet hätten.

Auch Kai Havertz vereint besondere Fähigkeiten, mit die der deutsche Fußball große Hoffnungen verknüpft. Immer wieder wird die Heim-EM 2024 genannt, aber müsste der 23-Jährige nicht schon bei der WM in Katar Stammspieler sein? Schließlich hat der Edeltechniker in der Premier League an Robustheit zugelegt. Wenn er diesen Behauptungswillen durchgängig ins DFB-Team überführt, kommt der Bundestrainer gar nicht an ihm vorbei. Diesmal war sein Doppelpack das beste Argument für mehr Vertrauen. „Der Kai“, hielt Flick denn auch fest, habe „einfach toll, mutig, klasse“ gespielt. Wobei das erst galt, als er den Ex-Leverkusener von der Angriffsmitte durch die Hereinnahme von Timo Werner auf eine Halbposition dahinter verschob.

Müllers Wahrheiten

Musiala und Havertz bespielten kreativ das Hoheitsgebiet, das für gewöhnlich Thomas Müller beansprucht. Doch der zuletzt blasse 33-Jährige saß bis zu 79. Minute auf der Bank – und trat eigentlich erst in Erscheinung, als es vor die Medien ging. Müller verbrachte viel Zeit damit, zu erklären, was dieses 3:3 wirklich bedeute. Die Gefühle heute, erklärte der Wortführer im durchaus bestimmenden Duktus, „werden nicht entscheiden, wie wir in das erste WM-Spiel gehen.“

Ungefragt benannte der Routinier den einst beim FC Bayern arbeitenden Trainer Carlo Ancelotti für die deutsche WM-Mission als Orientierungspunkt, der es bei Real Madrid schaffe, die richtigen Ergebnisse einzufahren: „Sie behalten den Kopf oben und den Glauben an sich selbst.“ Müller findet Ancelotti vielleicht auch deshalb gerade so gut, weil der Italiener beharrlich seinen Führungsspielern vertraut. Das aber hat auch der frühere Bayern-Trainer Flick vor, der die Frage umschiffte, ob es in Katar bereits zu einer Grundsatzentscheidung zwischen den Münchner Klubkollegen Musiala oder Müller kommen könnte. Ausweichende Antwort: „Es kann noch so viel passieren.“ Bloß nicht zu früh festlegen, wer durch die Flügeltüren passt.

Linker Zuaberfuß: Kai Havertz.
Linker Zuaberfuß: Kai Havertz. © Nick Potts/dpa

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