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„Er ist wie ein Räumpanzer“, sagt Trainer Jürgen Klopp über ihn: Virgil van Dijk.

Virgil van Dijk

Geburtshilfe für die Karriere

Der Niederländer Virgil van Dijk ist der vielleicht beste Abwehrspieler der Welt – mit Sicherheit ist er der teuerste. Am Sonntag stellt er sich der DFB-Elf entgegen.

Keine Chance. Wenn der Fußball ruft, ist Virgil van Dijk durch nichts und niemanden mehr aufzuhalten. Selbst von einem Baby nicht. 2014 ließ seine Ehefrau Rike die Geburt der gemeinsamen Tochter früher einleiten, schließlich drohte diese van Dijks Debüt für die niederländische Nationalmannschaft zu gefährden. Die kleine Nila kam perfekt pünktlich, van Dijk hastete zum Flieger – und er saß 90 Minuten lang auf der Bank.

Dumm gelaufen! Der Yellow Press war es verständlicherweise ein einziges Fest. Aber auch: lange her. Längst ist van Dijk beim FC Liverpool zum wahrscheinlich besten und mit Sicherheit teuersten Abwehrspieler der Welt aufgestiegen. Seine Nationalmannschaft führt er robust und ballgewandt als Kapitän an, seine Wucht im Offensivkopfball bekam soeben Bayern München zu spüren – wie die deutsche Mannschaft beim 3:0 im Oktober. „Er ist wie ein Räumpanzer“, sagt sein Teammanager Jürgen Klopp.

Am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) wird sich van Dijk, der 1,93-Meter-Mann mit dem dunklen Haarknoten, wieder den deutschen Stars in den Weg stellen. Vorher geht es am Donnerstag (20.45 Uhr) gegen Weißrussland. Peinlicher als seine jüngste große Herausforderung kann der Auftakt der EM-Qualifikation jedoch kaum werden.

Karriereende drohte bereits

Denn so richtig auf die Probe gestellt wurde Virgil van Dijk in den vergangenen Monaten nur einmal. Zwei Dreikäsehochs der Jugendakademie durften ihr Idol an einem Lügendetektor nach allen Regeln der Kunst „grillen“. Hat er schon mal Popel gegessen? Nein. „Mööööp!“ Lüge! Zupft er seine Augenbrauen? Nein. „Mööööp!“ Lüge! Van Dijk bog sich vor Lachen.

Das klingt nach viel Spaß, doch so war es für den heute 27-Jährigen nicht immer. Im April 2012, er spielte beim FC Groningen, kam er als Notfall ins Krankenhaus, mit einer hochkomplizierten Blinddarm-Geschichte. Seine Gesundheit und seine Karriere standen auf dem Spiel.

„Nach fast zwei Wochen wurde ich endlich operiert, dann wurde es noch schlimmer. Ich stand unter Schock“, berichtete er kürzlich der BBC. Als er entlassen wurde, lief im Radio Viva La Vida von Coldplay. „Noch heute denke ich an diese harte Zeit, wenn das Lied kommt“, sagt er. Fast schon zu kitschig.

Nachher stellte sich heraus: Seine Ernährung war, vorsichtig ausgedrückt, nicht die beste gewesen. Schon mit 15, 16 habe er „als Tellerwäscher nebenher gearbeitet“, erzählt er: „Damit hatte ich Geld und konnte meine Jungs zu McDonald‘s einladen.“ Als er sich umstellte, lief es auch sportlich viel besser: Er schaffte es über Celtic Glasgow zum FC Southampton in die Premier League. Und von dort für 84 Millionen Euro nach Liverpool.

Wenn ihm doch mal ein Patzer unterläuft wie zuletzt gegen den FC Fulham, hat er dafür eine charmante Erklärung. Er habe nur das Selbstvertrauen seines Elftal-Kollegen Ryan Babel aufpäppeln wollen, sagte er – für das wichtige Spiel gegen Deutschland. Er zwinkerte.

Normalerweise verteidigt der Sohn einer surinamesischen Mutter und eines niederländischen Vaters wie die Bank von England. Woran das liegt? Auch dies offenbarte der Lügendetektor. „Ich habe vor niemandem Angst“, sagte Virgil van Dijk. „Bing!“ Grünes Licht. Es war die Wahrheit. (sid)

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