Späßchen aus sicherer Distanz: Gareth Bale (r.) provoziert Madrid.
+
Späßchen aus sicherer Distanz: Gareth Bale (r.) provoziert Madrid.

Real Madrid

Gareth Bale hält Abstand

  • Steffen Herrmann
    vonSteffen Herrmann
    schließen

Der Waliser sitzt bei Real Madrid meistens auf der Bank - und benimmt sich daneben. Mal macht er ein Nickerchen, mal schaut er durch ein imaginäres Fernglas.

Manche Spieler leiden, wenn sie von ihrem Trainer auf die Tribüne verbannt werden. Für die eine Welt zusammenzubrechen scheint, wenn sie keinen Ball mehr am Fuß haben. Mesut Özil zum Beispiel sieht man seit einiger Zeit mit versteinerter Miene in den Zuschauerrängen sitzen, selbst dann betrübt, wenn über England die Sonne scheint.

Andere Spieler blühen auf, wenn sie Abstand vom Geschehen auf dem Platz halten müssen. Ein gutes Zeichen ist das selten. Real Madrid eilt derzeit zur 34. spanischen Meisterschaft, schon am Donnerstag könnte es mit einem Heimsieg gegen den FC Villarreal soweit sein.

Die Kameras der spanischen Journalisten werden allerdings auch auf die Tribüne mit den Ersatzspielern gerichtet sein, wo Angreifer Gareth Bale seit einigen Wochen für Aufregung sorgt.

Beim glanzlosen 2:1-Sieg der Königlichen gegen den FC Granada ließ Real-Trainer Zinedine Zidane den Waliser bereits zum fünften Mal auf der Bank schmoren - eine Demütigung, auf die Bale mit albernen Kindereien reagierte: Anstatt dem Spiel zuzusehen, hielt er sich immer wieder die Hände wie ein Fernglas vors Gesicht. Schon in den Spielen zuvor hatte Bale mal ein Nickerchen gemacht und den Mund-Nase-Schutz über die Augen gezogen oder demonstrativ gelacht, als Trainer Zidane andere Spieler einwechselte und ihn auf der Bank ließ. „Beschämendes Verhalten“, kommentierte die „Marca“ Bales Spielerein.

Die Beziehung zwischen dem einstigen 100-Millionen-Euro-Mann und Real Madrid scheint beschädigt – und Bale nicht gewillt, sie zu reparieren. Der noch immer teuerste Transfer der Klubgeschichte saß seit dem Re-Start meist auf der Bank: Von 810 möglichen Einsatzminuten absolvierte er 100 obwohl er fit ist.

Inzwischen liegt der Marktwert des Walisers laut Transfermarkt.de bei nur noch 32 Millionen Euro. Trainer Zidane plant mit anderen Spieler und legte Bale schon öfters einen Klubwechsel ans Herz. Ein Abnehmer fand sich für den Rechtsaußen bislang allerdings nicht. Was wohl vor allem an den Gehaltsvorstellungen Bales liegt: Laut Medienberichten ist der Waliser ein Spitzenverdiener bei den Königlichen mit rund 675.000 Euro pro Woche.

2018 hatte Bale Madrid im Champions-League-Finale mit seinen Jokertoren gegen Jürgen Klopps Liverpool noch zum Titel geschossen. Danach forderte er: „Wenn ich keinen Stammplatz habe, gehe ich.“ Er blieb, aber forcierte im Vorjahr mit Interviews und Tweets erneut einen Wechsel. „Irgendwann muss man sich ändern, und es ist gut für alle, wenn er geht“, hatte Zidane dem Waliser schon mit auf den Weg gegeben. Doch das üppige Gehalt, kolportierte 30 Millionen Euro im Jahr, ließ einen Transfer nach China platzen.

Am Donnerstag feiert Gareth Bale Geburtstag, er wird 31. Jahre alt. Sein Millionenvertrag bei Real Madrid läuft noch bis 2022. Viel Zeit für Spielchen auf der Tribüne.

Kommentare