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Reden auf Augenhöhe: Ex-Nationalstürmerin Celia Sasic und Ex-Nationaltorhüter Tim Wiese.

Celia Sasic

„Ganz viele Frauen, die Ahnung haben“

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Die ehemalige Nationalspielerin Celia Sasic erklärt, warum die Fußball-Talkrunden dringend weiblicher werden sollten.

Frau Sasic, der Sender Sport1 hat Sie zu Saisonbeginn als Novum der deutschen TV-Geschichte vorgestellt. Wie kam es dazu, dass Sie zur festen Fernsehexpertin geworden sind?
Mich hat der Chefredakteur Dirc Seemann angerufen und gefragt, ob ich mir das grundsätzlich vorstellen könne, weil sie gerne eine Frau dabei hätten. Ich habe dann noch vor der WM als Gast den „Doppelpass“ besucht, und so sind wir zusammengekommen und haben gesagt, wir gehen das an.

Man musste Sie nicht groß überreden?
Der Fußball war nun mal ein riesiger Teil meines Lebens, den ich aber bis dahin fast nur als Spielerin erlebt habe. Mir war es wichtig, nach der aktiven Karriere die anderen Felder kennenzulernen. Das ist jetzt eine Möglichkeit, um von es außen zu betrachten: Wie schauen die Medien drauf? Wie funktioniert das alles? Insofern musste man mich gar nicht überreden, denn ich kann meine eigene Meinung vertreten und muss nicht irgendetwas sagen, was mir vorgegeben wird.

Es nehmen Mario Basler, Tim Wiese, Peter Neururer oder Oliver Pocher, also durchaus eigenwillige Persönlichkeiten teil. Ist das kein Problem für Sie, sich da zu behaupten?
Ich habe absolut kein Problem, mich durchzusetzen. Mit allen Genannten saß ich schon zusammen. Man unterhält sich hinter den Kulissen ja auch mal über Dinge, die nichts mit dem Fußball zu tun haben. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich fehl am Platze oder nicht erwünscht bin. Vielleicht ist meine Meinung nicht so polarisierend und provozierend wie die mancher Herren (lacht).

Beschreiben Sie mal Ihre Rolle!
Ich bin sicher nicht diejenige, die emotional draufhaut. Ich sehe mich eher als die sachliche Person, die ihre Sicht einbringt. Ich kann sagen: ‚Denkt doch mal daran, als Spielerin fühlst du dich in einer Situation so und so.‘ Ich versuche, mehrere Seiten zu beleuchten. Damit verfeinere ich die Runde sicher auf meine Weise.

Die Expertin als der ausgleichende Faktor …
… ja vielleicht.

Ein Komödiant wie Oliver Pocher teilt auch gerne mal aus: Gab es eine Situation, in der Sie ein derber Spruch mal persönlich getroffen hat?
Bis jetzt ehrlich gesagt noch nicht. Aber ich hätte auch kein Problem mit blöden Sprüchen – das könnte ich gut wegstecken und parieren (lacht).

Über die Diskussion muss den Zuschauern etwas vermittelt werden, was diese nicht sehen. War das anfangs schwierig?
Am Anfang schon, zumal die Sendung ja teilweise bis zu vier Stunden live läuft. Und da muss man sich schon reinarbeiten: Wie verkauft man das nach außen, dass es für den Zuschauer interessant ist. Gerade wenn in der Gruppenphase mehrere Spiele auf den Bildschirmen gleichzeitig laufen. Von allen Plätzen etwas mitzubekommen und der Diskussion zu folgen, dabei muss man sich wirklich konzentrieren: Ein Auge muss da, das andere dort sein.

Die Fähigkeit zum Multitasking soll doch eine Domäne der Frauen sein.
(lacht). Deswegen sitzen wir auch mit mehreren da, so dass der eine seinen Standpunkt erläutern kann, während die anderen die Szenen verfolgen …

Mancher Kollege trinkt dabei sogar noch ein Bier …
Ich trinke grundsätzlich sehr wenig Alkohol, deswegen kommt das für mich nicht infrage.

Im Fußball sind Frauen in vielen Bereichen immer noch unterrepräsentiert. Auch die meisten Expertenrunden sind oft reine Männerrunden. Würden mehr Frauen im Fernsehen gut tun?
Grundsätzlich ja, weil damit neue Denkansätze und andere Perspektiven einfließen. Ich habe bei den Frauen auf höchstem Niveau ja auch viel erlebt, trotzdem ist eine Männer-Kabine im Profifußball sicher noch etwas anderes. Aber wir sollten daran denken, dass es ganz viele Frauen gibt, die Fußball schauen, die Fußball spielen und die Ahnung vom Fußball haben!

Viele ihrer ehemaligen Mitspielerinnen bei der Frauen-Nationalmannschaft arbeiten nach der Karriere in ihren erlernten Berufen abseits des Fußballs.
Ich finde es schade, dass nur wenige von meinen Mitspielerinnen im Fußball weitermachen. Für mich war es einfach ein Wunsch, weil der Fußball mein Leben bestimmt hat und ich dafür die größte Leidenschaft aufbringe. Man kann nur in jenen Sachen richtig gut sein, für die man wirklich auch brennt.

Sie sind seit 2016 auch Mutter. Ist ihre TV-Tätigkeit mit dem Privatleben gut vereinbar?
Heutzutage ist man doch überall schnell. Ich habe da volle Rückendeckung und bin für eine Sendung keine 24 Stunden von zu Hause weg.

Was sagt eigentlich die Familie? Ihr Mann Marko hat selbst Fußball gespielt, ihr Schwiegervater Milan Sasic war als Trainer im Profigeschäft.
Das ist lustig: Mein Schwiegervater hat bei den ersten Sendungen darauf verzichtet, die Spiele live zu sehen, weil er mich erleben wollte. Zu Hause wird das natürlich verfolgt und dann auch oft weiter diskutiert, was ich gesagt habe.

Ist für Sie vorstellbar, ähnlich wie der Moderator Thomas Helmer ganz in die Medienbranche zu wechseln?
Dieses Bestreben habe ich nicht. Aber ich denke mir, dass die Teilnahme an einer Live-Diskussion mit Leuten, die stark ihre Meinungen vertreten, für alle Lebensbereiche helfen kann. Aber in welche Richtung das mal gehen wird, kann ich heute nicht sagen.

Im Sommer findet die Frauen-WM in Frankreich statt. Werden Sie auch vor Ort sein?
Ich habe für die WM jetzt keine Funktion, werde sicher mal vor Ort sein, weil ich ja bekanntlich einen besonderen Bezug zu dem Land und der Sprache habe (ihre Mutter ist Französin, Anm. d. Red.). Ich bin total gespannt. Ich möchte miterleben, wie sich unsere Mädels machen, wie die Franzosen diese WM aufziehen.

Kommt dann vielleicht noch mal Wehmut auf, mit erst 27 Jahren nach der WM in Kanada 2015 aufgehört zu haben?
Nein, ich habe ja ganz bewusst so entschieden und auch auf die Olympischen Spiele 2016 verzichtet. Natürlich erinnere ich mich an große Spiele einer WM zurück, aber ich habe seitdem viele tolle Dinge erlebt, die ich sonst nicht so erfahren hätte.

Interview: Frank Hellmann

Frauen in Expertenrunde

Seit dieser Saison hat Celia Sasic die Expertenriege des Sportsenders Sport1 verstärkt und analysiert im „Fantalk“ regelmäßig Männer-Spiele. Die 30-Jährige gilt als Pionierin auf diesem Gebiet. Die 111-fache Nationalspielerin bespricht am Mittwoch mit Mario Basler, Peter Neururer und Oliver Pocher aus einem Münchner Hotel das Champions-League-Achtelfinale FC Bayern – FC Liverpool.

Seitdem die Königsklasse im Pay-TV verschwunden ist, läuft zeitgleich bei Sky Sport News HD ein ähnliches Format („Champions Corner“), an dem die französischen Sportjournalistin Margot Dumont teilnimmt. Sport1 erzielt mit dem „Fantalk“ inzwischen beachtliche Quoten. Topwert in dieser Saison waren 500 000 Zuschauer im Schnitt (27. November), in der Spitze 950 000. (hel)

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