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Schalker Tristesse. Foto: dpa
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Schalker Tristesse.

Bundesliga

FC Schalke 04: Ganz unten

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Chronik eines angekündigten Abstiegs: Folgerichtig muss der schlechteste Bundesligaklub seit Tasmania Berlin ins Unterhaus.

Als Gerald Asamoah aus Mampong in Ghana vor mehr als 30 Jahren nach Deutschland kam und sich wunderte, dass dieses Land nicht so aussah, wie er es aus dem Otto-Katalog gewohnt war, da spielte Schalke 04 ebenfalls in der zweiten Liga. Das wusste der damals Zwölfjährige natürlich nicht, er hatte andere Sorgen, er musste seinen Weg gehen, der kein leichter werden würde und der ihn sehr bald schon zu diesem ganz besonderen Klub führen würde. Seit 1999 ist der Vize-Weltmeister Schalker, er hat 279 Spiele gemacht für die Knappen, war Co-Trainer, Manager für die U23, und zum Schluss auch Teamkoordinator dieser Profimannschaft, die jetzt nach 30 Jahren wieder abgestiegen ist und die so gar nichts mit den Werten und Überzeugungen zu tun hat, die Gerald Asamoah, 42, verkörpert.

Die Tränen des Asamoah

Hinterher, als nach der 0:1-Pleite bei Aufsteiger Arminia Bielefeld der vierte Abstieg der Vereinsgeschichte feststand, hat „Asa“ mit den Tränen kämpfen müssen. Ihn hat der Gang ins Unterhaus sichtlich bewegt, selbst wenn es nun wirklich keine Überraschung mehr war. Er war auch wütend auf die Profis, ein Hehl hat er nicht daraus gemacht: Vor allem hatte er gedacht, dass nach dem 0:4 in Freiburg, „nach so einem Scheißspiel“, eine Reaktion der Mannschaft komme. Aber: Fehlanzeige.

Schalke-Fans werfen Eier auf die Versager

„Wenn du Tabellenletzter bist und 13 Punkte hast, wenn da einer sagt, er hat alles gegeben ... dann weiß ich nicht, was ich mit dieser Person machen würde“, ärgerte er sich. Andere wussten es: Noch in der Nacht empfingen 500, 600 empörte Anhänger die Absteiger auf dem Stadiongelände in Gelsenkirchen-Buer, beschimpften sie und warfen auch Eier nach den Spielern. „Es sind einige weggerannt“, sagte die Polizei.

Niemand zuvor bettelte so sehr um den Abstieg wie S04

In der langen Bundesliga-Geschichte hat selten eine Mannschaft so sehr um den Abstieg gebettelt und ihn auch so sehr verdient, wie der einst ruhmreiche FC Schalke 04. In den letzten 46 Spielen seit Mitte Januar 2020, als S04 - man glaubt es kaum - auf Champions League-Kurs segelte, gelangen ganze zwei Siege. In dieser Runde haben die Schalker 13 Zähler geholt, bei einem Torverhältnis von 18:76 - das entspricht im Grunde dem Niveau von Tasmania Berlin, der schlechtesten Bundesligamannschaft.

Schon in der vergangen Runde entging Königsblau dem Abstieg nur wegen einer sehr guten Hinrunde. Der Klub verschließ in dieser Saison fünf Trainer, der letzte, Dimitrios Grammozis, soll in der zweiten Liga bleiben, sicher ist das nicht: Auch Grammozis wirkt angeschlagen, und Aufbruchstimmung verbreitet der eher blasse Coach auch nicht unbedingt.

Sportlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich am Boden

Schalke 04 liegt am Boden. Sportlich sowieso, als ein völlig unzureichend zusammengestellter Kader in die Liga geschickt (und im Winter lediglich durch abgetakelte Ex-Stars aufgefrischt) wurde, aber auch gesellschaftlich, seit Clemens Tönnies rassistisch aus der Rolle fiel und das anschließende Krisenmanagement komplett versagte. Finanziell steht das Wasser bis zum Hals, bei Schulden von 217 Millionen Euro können allenfalls kleine Brötchen gebacken werden.

Schalke 04 und ihre Fans haben sich komplett entfremdet

Dramatisch für einen Traditionsklub wie Schalke ist aber die immer größer werdende Entfremdung von der Fanbasis, die entsetzt und ungläubig den Niedergang zur Kenntnis nimmt. Da ist im Binnenklima viel zerbrochen, ist ein Band zerrissen. Vor 30 Jahren beim letzten Abstieg haben verzweifelte Fans laut heulend in den Armen von Urgestein Charly Neumann gelegen, heute schalten sie einfach den Fernseher aus.

Reduzierter Etat bei den Lizenzspielern

Wie geht es weiter? Man wolle, sagt Grammozis tapfer, die restlichen vier Spiele noch halbwegs „würdig“ zu Ende bringen. Der sofortige Wiederaufstieg ist das Ziel, der Etat wird bei knapp 30 Millionen liegen und damit deutlich verringert, mit Spielern, die die zweite Liga kennen - etwa mit Danny Latza, der schon verpflichtet ist - will man die Rückkehr anstreben. Leicht wird das nicht, siehe Hamburger SV, darüber sollten sich die Verantwortlichen um Vorstand Peter Knäbel im Klaren sein.

Im Unterhaus weht ein rauer Wind. „Wir müssen schauen, dass wir Jungs wiedergewinnen für diesen Verein, die auch das Emblem würdig tragen. Dass sie wissen, was Schalke ist“, sagt Grammozis. Diese DNA ist S04 abhanden gekommen.

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