Sah auch schon mal glücklicher aus: Bayern-Trainer Hans Flick nach dem Remis gegen Werder.
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Sah auch schon mal glücklicher aus: Bayern-Trainer Hans Flick nach dem Remis gegen Werder.

München – Bremen 1:1

Ganz schön zähe Angelegenheit

  • vonHanna Raif
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Der FC Bayern München müht sich zu einem 1:1 gegen Werder Bremen und hat noch ein knackiges Programm bis Weihnachten vor sich.

Der Blick auf die Uhr gehört dazu, wenn ein Spiel eng ist. Aber diesmal, als der Zeiger immer weiter in Richtung 17.15 Uhr rückte und sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt näherten, machte Hansi Flick kaum etwas anderes mehr. Er schaute zu seinem rechten Handgelenk, als er mit Hasan Salihamidzic auf der Bank diskutierte. Als Eric Maxim Choupo-Moting die Großchance zum Sieg vergab. Als Manuel Neuer gegen Josh Sargent rettete. Als die Nachspielzeit angezeigt wurde. Und schließlich, als es zu spät war. Abpfiff, 1:1 gegen Werder – sein 50. Spiel als Bayern-Trainer hatte er sich freilich anders vorgestellt.

Drei Niederlagen und – seit Samstag – zwei Remis stehen nun in der Bilanz. Daran allerdings lag es nicht, dass Flick das Fazit zog: „Wir gehen verärgert aus dem Spiel.“ Es war kein komplett gebrauchter Nachmittag, obwohl Bremens Geschäftsführer Frank Baumann nicht ohne Grund davon sprach, dass „wir drei Punkte hätten mitnehmen können“. Aber es war der erste Punktverlust nach neun Siegen in Folge. Eiskalt erwischt wurden die Bayern zum Winterstart – und der Bibber-Nachmittag ließ erahnen, dass der Endspurt bis Weihnachten zäh werden könnte.

Keinen einzigen Torschuss gab der Triple-Sieger in „einer unserer schlechtesten ersten Halbzeiten der Saison“ (Thomas Müller) ab, erst in der 52. Minute flog ein Ball in Richtung Bremer Kasten. Die Führung durch Maximilian Eggestein noch vor der Pause war verdient (Müller: „Billiges Gegentor“), genau wie aber auch der Ausgleich, den Kingsley Coman nach einer wunderbaren Flanke des eingewechselten Leon Goretzka besorgte.

Das Spiel war offen bis zum Schluss, „in der zweiten Halbzeit hat meine Mannschaft alles versucht“, sagte Flick, aber es half nichts. Die Gäste aus Bremen – die nach 22 Pleiten endlich gegen Bayern punkteten – waren dem Sieg näher, weil sie clever verteidigten und immer wieder mutig und schnell nach vorne kamen. Der Dank der Münchner ging am Ende an Neuer, der laut Flick „seine Klasse unter Beweis gestellt hat“.

Nationalspieler erst draußen

Der Nationalkeeper war tatsächlich der einzige der DFB-Akteure, den Flick vier Tage nach dem 0:6 gegen Spanien von Beginn an auflaufen ließ. Ein wenig Pause wollte er den frustrierten Köpfen gönnen, der Plan aber ging nicht auf. Goretzka musste schnell kommen, weil Lucas Hernandez auf die Hüfte knallte, Leroy Sané und Serge Gnabry sollten in der letzten halben Stunde für Offensivgefahr sorgen. Lediglich Niklas Süle („Trainingsrückstand“) saß auf der Tribüne – und sah, wie die B-Elf es nicht schaffte, sich „freizuspielen“ (Flick).

Der Coach war mit der Aufstellung Risiko gegangen, wollte sie aber nicht als Ausrede gelten lassen. „Es sind noch acht Spiele in vier Wochen“, rechnete er vor. „Da ist es ganz klar, dass wir die Belastung der Spieler steuern müssen.“ Anders als bis Anfang Oktober, wo der Kader dünn war, will er nun die neue Breite ausnutzen. Im Fokus steht für Flick nicht die Quantität, „wir haben auch Qualität“, sagte er – und meinte damit nicht nur die erste Elf, sondern „auch die, die heute angefangen haben“. Eigentlich.

Salzburg, Stuttgart, Atletico, Leipzig, Moskau, Union, Wolfsburg, Leverkusen. Ab sofort zählen die Bayern rückwärts, und Flick will sich „nicht einreden lassen, dass es jetzt zu viel des Guten ist“. Köpfe und Beine schaffen das noch, sagte er, „es kommen auch wieder andere Spiele“. Kurz stockte er: „Das hoffe ich zumindest.“ Blick auf die Uhr. 18.21 Uhr. Feierabend.

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