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Geht doch: Cristiano Ronaldo (l.) jubelt.

Cristiano Ronaldo

Der ganz normale Wahnsinn des Cristiano Ronaldo

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Gerade noch rechtzeitig kommt der Superstar ins Laufen und beschert Portugal in einem aufregenden Spiel den Einzug ins Achtelfinale.

Vielleicht war das selbst für Cristiano Ronaldo kein ganz normaler Tag, dieser Mittwoch, der 22. Juni. Okay, er fing ganz normal an, mit einem gemeinsamen Spaziergang am See, kurz unterbrochen von einem aufdringlichen Reporter, dessen hingehaltenes Mikrofon Ronaldo unglaublich lässig im See versenkte. Später sprach dann der Direktor jener portugiesischen Zeitung davon, Ronaldo sei „eine Schande für eine ganze Nation“, kleiner konnte er es nicht machen.

Normal ist auch für einen wie ihn, dass er nach einem Spiel, in dem er einen Elfmeter verschießt und gefühlte 50 Schüsse, links wie rechts, erfolglos aufs gegnerische Tor abgibt, hinterher noch geduldig wartet, bis ein aufs Feld gelaufener Fan die Tastatursperre endlich gelöst hat und sein Selfie knipst. Normal ist auch, dass sein Team, die portugiesische Nationalmannschaft, ewige Pendler zwischen höchster Euphorie und abgrundtiefster Verzweiflung, Ball und Gegner beherrscht, aber nicht gewinnt, meistens sogar nicht mal trifft. Dafür der Gegner, selbst Ungarn. Und das hat den Ronaldo so fuchsteufelswild gemacht, dass er nach dem 3:2 für die Überraschungsmannschaft mit dem Füßen aufgestampft ist wie Rumpelstilzchen. „Es sah dreimal so aus, als ob wir nach Hause fahren müssten“, sagte der 31-Jährige hinterher ins hingehaltene Mikrofon, zum Glück war da gerade kein See in der Nähe.

Rekorde geknackt

Normal ist auch, dass Ronaldo höchstpersönlich alles wieder ins Lot und Portugal ins Achtelfinale bringt; mit einem Traumpass auf Nani (zum 1:1), mit einem Traumhackentor (zum 2:2) und einem wenigstens sehenswerten Kopfball (zum 3:3). Tatsächlich retteten sich die trotz des Remis durchaus sehr ansehnlich Fußball spielenden Iberer als einer von vier besten Dritten ins Achtelfinale und treffen nun auf Kroatien. Daneben hat Ronaldo noch schnell ein paar Rekorde geknackt: Die Partie gegen Ungarn war sein 17. Spiel bei einer Europameisterschaft, er ist jetzt alleiniger Rekordhalter vor dem Franzosen Lillian Thuram und dem niederländischen Torwart Edwin van der Sar, die 16 EM-Spiele auf dem Buckel haben.

Ronaldo ist außerdem der erste Spieler überhaupt, der bei vier EM-Endrunden getroffen hat, erstmals 2004 im eigenen Land, da war er 19. In der ewigen Torschützenliste schob sich Ronaldo, der am meisten polarisierende Spieler dieses Planeten, mit jetzt acht Treffern auf den zweiten Platz vor. Nur Michel Platini, früher mal Uefa-Präsident und noch früher genialer Mittelfeldstratege, hat neunmal getroffen, allerdings genügte ihm dazu ein einziges Turnier, nämlich 1984 in Frankreich, bei acht Mannschaften und nur fünf Spielen.

Schande der Nation, „Sonnenstrahl“ Portugals, zwei Tore, Man of the Match, Achtelfinaleeinzug – viel mehr geht selbst für einen Cristiano Ronaldo nicht, und das alles zusammen (plus ein angeblich vom portugiesischen Verband verhängter Maulkorberlass nach der Wahl zum Man oft the Match), macht eben auch für CR7 diesen 22. Juni zu einem nicht ganz normalen Tag.

Zu toppen wäre er mühelos: Wenn er einen Freistoß verwandelte. Bei Welt- und Europameisterschaften trat er 39 Mal an wie John Wayne. Ein Treffer gelang ihm nie. Nicht normal so was.

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