Joshua Kimmich von den Bayern feiert nachdem er den fünften Treffer seiner Mannschaft erzielt hat.
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Ein Tor, das nur zu einem Prozent ihm gehörte: Joshua Kimmich.

Bayern demontiert Barcelona

Gala für die Geschichtsbücher

  • vonManuel Bonke
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An einem denkwürdigen Abend demütigt der FC Bayern den ruhmreichen FC Barcelona mit sage und schreibe 8:2 und trifft nun auf Lyon. Ein Sonderlob gibt es für Müller und Davies.

Der FC Bayern nimmt Barcelona im Viertelfinale der Champions League durch eine Jahrhundertleistung mit sage und schreibe 8:2 (in Worten: acht zu zwei) auseinander, die Fußballwelt erstarrt vor Ehrfurcht. Und was macht die Mannschaft von Trainer Hansi Flick nach diesem historischen Sieg am vergangenen Freitag? Nichts, nada, niente. Sie fokussierte sich unmittelbar nach der Partie bereits demütig auf das Königsklassen-Halbfinale. „Ich war nach dem Spiel in der Kabine. Da war keine Party, da ist keiner ausgeflippt“, berichtete Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge am Sonntag. Dabei war es ein Auftritt für die Ewigkeit, eine Gala für die Geschichtsbücher, ein denkwürdiger Abend, der womöglich auch die Ära des ruhmreichen FC Barcelona beendet hat.

Als die Bayernstars sich im Bauch des Estadio da Luz von Lissabon auf den nächsten Gegner einschworen, stand der noch nicht fest. Gerechnet hatten die Münchner freilich mit einem Wiedersehen mit Pep Guardiola und Manchester City. Doch mittlerweile ist klar: Olympique Lyon wird nach dem überraschenden 3:1-Triumph gegen City am Mittwoch (21 Uhr/ live bei Sky und Dazn) auf die Bayern treffen (siehe Seite 19). Rummenigge warnt vor dem Außenseiter: „Ich habe den Sieg von Lyon gesehen. Sie haben total verdient gewonnen. Nachdem Lyon im Achtelfinale Juventus Turin mit Cristiano Ronaldo rausgeschmissen hatte, haben sie zum zweiten Mal gezeigt, dass man sie auf keinen Fall unterschätzen darf. Sie können mit ihren schnellen Stürmern dem Gegner Schmerzen bereiten.“

Und wer glaubt, dass der FC Bayern die Franzosen unterschätzen wird, der dürfte sich irren. Denn neben dem unbändigen Mannschaftsgeist hat es Flick durch seine täglich vorgelebte Bodenständigkeit geschafft, seinem Starensemble trotz aller Mia-san-Mia-Mentalität eine gesundes Maß an Bescheidenheit einzutrichtern. Bescheidenheit, die nicht nur zu Schau gestellt, sondern gelebt wird.

„Meine Augen leuchten“

Hansi Flick gibt daher die weitere Marschrichtung folgerichtig vor: „Letztendlich fängt auch das nächste Spiel bei null an. Jetzt geht es darum, das sacken zu lassen. Und uns dann auf das nächste Spiel so vorzubereiten, um das, was wir wollen, auch zu schaffen: ganz oben zu stehen.“

Darauf spekuliert auch der Vorstandschef: „Wir hoffen, dass wir gegen Lyon unser großes Ziel erreichen: das Finale.“ Für Rummenigge nimmt Trainer Flick eine entscheidende Rolle ein: „Er hat die Qualität, die Mannschaft zu führen.“ Auch dank ihm wirken die Bayern-Stars dieser Tage bereit wie nie. Oder wie es Sportvorstand Hasan Salihamidzic formulierte: „Wir sind jetzt so konzentriert und wollen genauso weitermachen, uns nicht von der Höhe des Ergebnisses aus der Konzentration bringen lassen. Wir wollen mehr.“

Und darum beschwor Parade-Bayer Thomas Müller schon mal den Teamgeist für das anstehende Halbfinale: „Wie wir zusammengespielt haben, da geht mir das Herz auf. Wichtig ist, dass jeder bereit ist, sich auf dem Platz zu quälen.“ Müller wurde als Man of the Match ausgezeichnet, zu Recht, und beinahe reflexartig wurde Bundestrainer Joachim Löw von vielen Seiten wieder einmal geraten, diesen Teufelskerl doch wieder in Gnaden in der Nationalelf aufzunehmen. Kein geringerer als Franz Beckenbauer wurde auf dem Boulevard vorstellig und ließ sich so zitieren: „Er ist der absolute Leader. Seine Persönlichkeit würde der Nationalmannschaft bestimmt helfen.“

Coach Flick ist sowieso begeistert von dem Mann, der unter Vorgänger Niko Kovac degradiert und als Notnagel abgestempelt wurde. Müller, sagte Flick unter der Woche, sei „einzigartig, nicht zu kopieren“, und weil er nur ungern einzelne Spieler heraushebt, beließ er es auch diesmal bei wenigen lobenden Worten: „Er war für uns immer wieder Signalgeber für unser Pressing. Das macht er hervorragend.“

Und noch einer stach aus dem ohnehin überragend harmonierenden Team heraus: Alphonso Davies. Mit seinem atemberaubenden Solo nebst Torvorlage hat sich der 19-jährige Außenverteidiger endgültig in andere Sphären katapultiert. „Unglaublich. Ich habe mich fast geschämt, wie ich mich nach dem Tor gefreut habe, weil das natürlich zu 99 Prozent sein Tor war“, sagte Torschütze Joshua Kimmich und adelte die Vorbereitung als „Weltklasse“. Auch bei Altmeistern rief der Auftritt Begeisterung hervor. Real-Star Marcelo, der mit seinem Offensivdrang jahrelang als Maßstab als Linksverteidiger galt, kommentierte ein Bild von Davies: „Meine Augen leuchten, wenn ich Dich spielen sehe, Junge.“

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