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Grigori Surkis (Mitte) soll dafür gesorgt haben, dass die EM 2012 auch in der Ukraine ausgetragen wurde.

Grigori Surkis

Ein Fußballnarr mit wenigen Skrupeln

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Grigori Surkis herrschte lange über die Fußballwelt der Ukraine, nun aber verliert er an Macht.

Die Rolex-Armbanduhr für Reinhard Grindel war keineswegs das einzige ominöse Geschenk, das Grigori Surkis verteilt hat. 1995 berichtete ein spanischer Schiedsrichter, Grigoris Bruder Igor, damals Manager und jetzt Präsident von Dynamo Kiew, habe ihm vor einem Vorrundenspiel der Champions League gegen den griechischen Klub Panathinaikos Athen für einen Sieg der Seinen zwei teure Nerzmäntel und 30 000 Dollar Schmiergeld angeboten. Es war der erste Bestechungsskandal in der Champions League. Und in der Ukraine gilt es als offenes Geheimnis, dass nicht Igor, sondern sein großer Bruder Grigori dahintersteckte.

Grigori Surkis, 69, ukrainischer Geschäftsmann – laut der Zeitschrift Forbes 76 Millionen Dollar reich –, gilt als einer der großen Drahtzieher im ukrainischen Fußball. Der fußballbegeisterte Sohn eines Militärarztes aus Odessa und gelernte Ingenieur gründete nach dem Fall des Sowjetsozialismus 1991 gemeinsam mit seinem Bruder Igor den Industrie- und Finanzkonzern Slawutitsch, kaufte sich parallel bei Dynamo Kiew ein, dem traditionsreichsten ukrainischen Fußballklub. 1993 wurde Grigori Surkis dort Präsident, 2000 auch Präsident der Fußballföderation der Ukraine (FFU). Die Surkis-Brüder machten viele ihrer Geschäfte gemeinsam mit dem Oligarchen Igor Kolomoisky aus Dnjepropetrowsk, dessen Privatbank soll auch Dynamo Kiew finanziert haben.

Dabei gilt Grigori als der mit Abstand klügere der Gebrüder Surkis. Zwar ist Igor jetzt Präsident von Dynamo Kiew, aber nach Einschätzungen von Sportjournalisten fällt sein großer Bruder die Entscheidungen.

Als langjähriger Chef der FFU schaffte es Grigori Surkis bis ins Exekutivkomitee der UEFA, wurde sogar ihr Vizepräsident. Er soll bei der umkämpften Wahl von Michel Platini zum Uefa-Vorsitzenden 2007 die entscheidenden osteuropäischen Stimmen gesammelt haben. Und dass die EM 2012 an Polen und außerdem an die Ukraine ging, gilt ebenfalls als sein Werk. „Grigori Surkis ist sehr klug“, sagt Dmitri Durnjew, Experte für Korruption im ukrainischen Fußball. „Aber seine Geschäftsmethoden sind eher von vorgestern.“

Nachdem Dynamo Kiew im August 2018 Slavia Prag aus der Qualifikation für die Champions League geworfen hatten, protestierten die Tschechen wegen skandalöser Schiedsrichterentscheidungen.

Seit Jahren schwindet Surkis Einfluss, unter Präsident Petro Poroschenko verlor er auch im Fußball an Einfluss. Im Februar musste er sein Amt als Uefa-Vizepräsident abgeben, vorher hatte er alle Hebel in Bewegung gesetzt, um wieder einen Führungsposten im FFU zu bekommen. Nur als solcher hatte er Chancen, sein Uefa-Amt zu retten. Aber Surkis scheiterte am Widerstand Poroschenkos und seiner Umgebung.

Im laufenden Präsidentschaftswahlkampf soll Surkis Poroschenkos Konkurrentin Julia Timoschenko unterstützt haben. „Er hat der Führung des Fußballverbandes wiederholt gedroht, er werde wiederkommen, wenn Timoschenko die Wahl gewinne“, sagt Experte Durnjew. Surkis Favoritin scheiterte nun im ersten Wahlgang. Es ist fraglich, ob der alternde Drahtzieher noch einmal den ukrainischen Fußball lenken wird.

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