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Fußballlehrer und Friedensstifter

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Von: Frank Hellmann

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Freude nach dem Auftaktsieg: Der serbische Trainer Mladen Krstajic (links) und Abwehrmann Branislav Ivanovic.
Freude nach dem Auftaktsieg: Der serbische Trainer Mladen Krstajic (links) und Abwehrmann Branislav Ivanovic. © afp

Mladen Krstajic stellt im serbischen Fußball den Einheitsgedanken heraus, was vermutlich vor der wegweisenden Aufgabe gegen die Schweiz der beste Ansatz ist.

In der Stimme von Mladen Krstajic klang leichtes Bedauern mit. „Wir werden es nicht sehen können“, sagte der serbische Nationaltrainer vor der Abreise aus Samara zum Umstand, dass sein auch unter dem Kosenamen „Weiße Adler“ firmierendes Team genau die zweieinhalb Stunden im Flieger nach Kaliningrad sitzen würde, als sich am Sonntag die Gruppengegner Schweiz und Brasilien duellierten. Das 1:1 der Eidgenossen gegen den Rekordweltmeister könnte dem 44-Jährigen gut in den Kram passen. Das Resultat schärft die Sinne, ermöglicht aber nach dem eigenen 1:0 gegen Costa Rica immer noch Historisches: sich mit einem Sieg am Freitag gegen die Schweiz vorzeitig fürs Achtelfinale zu qualifizieren. Dem sich in vielerlei Hinsicht abgehängt fühlenden Sieben-Millionen-Volk auf dem Balkan täte solch ein Erfolg ganz gut.

Gespielt wird in Kaliningrad, der Exklave zwischen Polen und Litauen, in der praktischerweise die serbische Delegation während der WM auch beherbergt ist. Es steht also am Freitag auf der Oktyabrsky-Halbinsel ein Heimspiel an. Schon in der Kosmos-Arena von Samara machte der Großteil der 41 432 Zuschauer aus den Sympathien für Krstajics Kicker keinen Hehl. Serben und Russen stehen sich aus politischen und religiösen Gründen nahe, was spontane Verbrüderungsszenen auf den Tribünen belegten.

Und auch die Pressekonferenz mutierte zu einer Zeremonie der Harmonie, als Matchwinner Aleksandar Kolarov sein siegbringendes Freistoßtor dem serbischen Sportdirektor Goran Bunjevcevic widmete, der kürzlich einen schweren Schlaganfall erlitt. „Wir stehen alle hinter ihm“, versicherte der 32-Jährige, der neuerdings im Nationalteam die Kapitänsbinde trägt. Für den Trainer verkörpert der Linksverteidiger von AS Rom die neue Einigkeit besser als der altgediente Branislav Ivanovic.

„Es gibt keine Grüppchen, keine Kämpfe mehr – wir haben eine gute Atmosphäre. Das gab es lange nicht“, meinte Krstajic, der seine These mit einem breiten Grinsen unterlegte. So als wollte der 243-fache Bundesligaspieler von Werder Bremen und FC Schalke 04 sagen: Schaut mich doch an – Präsident eines bosnischen Erstligisten und Friedensstifter des serbischen Fußballs, das alles geht ohne zu großes Ego.

Von Grüppchenbildung, Cliquenwirtschaft, ja sogar Clanbildung war in Zusammenhang mit dieser Nationalmannschaft zuletzt oft die Rede. Dem Fußballverband (FSS) wurden bis in die jüngere Vergangenheit dubiose Machenschaften vorgeworfen. Die Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen Krstajic-Vorgänger Slavoljub Muslin endete im Herbst vergangenen Jahres, weil dieser sich gegen eine Einmischung von oben verwehrte.

Der Nachfolger richtete das Spielsystem offensiver aus, um vor allem einen festen Platz für Sergej Milinkovic-Savic zu schaffen. Der 23-Jährige steht für all das Potenzial jener serbischen Talente, den die fußballbegeisterte Heimat nach dem Gewinn der U19-EM 2013 und U20-WM 2015 schon rote Teppiche ausrollen wollte. Nur besteht niemals eine Garantie, dass solche Generationen auch die WM-Bühne erobern.

Bei seiner Premiere deutete Serbiens Nummer 20 seine Anlagen an. Zu Spielintelligenz und Raffinesse kommen Präsenz und Explosivität – ein gutes Gemisch für einen modernen Offensivmann. Weil neuerdings sogar Real Madrid an diesem ebenso wuchtigen wie beweglichen Spieler Interesse haben soll, hat Lazio Rom seinem in der Serie A immerhin zwölfmal erfolgreichen 1,92-Meter-Schlaks vorsichtshalber ein dreistelliges Millionen-Preisschild umgehängt. Die Initialen „SMS“ für Sergej Milinkovic-Savic wird man sich möglicherweise auch merken müssen, wenn der serbische Weg bei dieser WM noch ein wenig weiter führt.

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