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Fußballfest zum Träumen

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Von: Frank Hellmann

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Voller Einsatz: DFB-Kapitänin Alexandra Popp bei einer artistischen Einlage im Länderspiel gegen Frankreich.
Voller Einsatz: DFB-Kapitänin Alexandra Popp bei einer artistischen Einlage im Länderspiel gegen Frankreich. imago images © imago

Die famose Unterstützung für Alexandra Popp und Co. in Dresden gibt den neuen Maßstab vor.

Vermutlich hat sich Alexandra Popp nicht mal bei ihrem Camping-Urlaub in der Lausitz vorstellen können, dass die neuen Bundesländer mal so ein gutes Pflaster für den Fortschritt der deutschen Fußballerinnen werden würde. Die mittlerweile mit Abstand bekannteste Nationalspielerin schien sich ja am Freitagabend in Dresden selbst kneifen zu müssen, welchen Meilenstein die DFB-Frauen in der von so viel Historie geprägten Stadt gesetzt hatten.

Beim ersten Heimauftritt des Vize-Europameisters kam gegen Frankreich eine fast schon kitschig anmutende Wiederholung des EM-Halbfinals zur Aufführung. Wieder 2:1 gewonnen. Erneut dank einer DFB-Kapitänin, die per Kopf und Fuß traf. Die doppelte Popp platzierte ihre Länderspieltore 60 und 61 zur Primetime punktgenau, um den in England erzeugten Hype fortzuführen. Das famose Ambiente nannte die 31-Jährige einen „Riesenmehrwert“, der einfach nur Spaß gemacht habe: „Die Atmosphäre war einfach Wahnsinn.“

26 835 Fans im Rudolf-Harbig-Stadion, rundherum so begeistert, dass die „Oh-wie-ist-das-schön“-Gesänge bis in den Großen Garten dröhnten, sind künftig der Maßstab für Heim-Länderspiele der EM-Heldinnen. Bei der ARD schalteten 3,23 Millionen ein – ein Marktanteil von 12,6 Prozent. Das Verlangen nach dem ehrlichem Fußball dieser Protagonistinnen war an einem goldenen Oktobertag mit Händen zu greifen.

Sogar die sächsische Polizei grinste versonnen, denn endlich hatten sie mal einen entspannten Fußball-Abend – auch das ist an einem Standort möglich, der zuletzt wegen der Gewaltexzesse der Fans von Dynamo Dresden wieder Negativschlagzeilen produzierte. Welch wohltuender Kontrast, dass im K-Block diesmal Eltern mit Kindern, Schüler:innen und Studierende einfach nur Applaus übermittelten.

Hochrangige Gäste der DFB-Sponsoren in den Vip-Logen wünschten sich diesen dankbaren Support auch für die Länderspiele der Männer, die zuletzt im Nations-League-Duell gegen Ungarn in Leipzig vor einer operettenhaften Anhängerschaft gespielt hatten, die kaum einen Mucks von sich gab. Popp und Co. verneigten sich hingegen weit nach Spielende noch vor gut gefüllten Rängen, von denen die Ovationen gar nicht enden wollten.

Klar, dass auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf schwärmte: „Ein wunderbarer Abend. Großartig, mit viel Power und Teamspirit die Spielerinnen zu Werke gehen.“ Der Verband wird nun zusammen mit den Fernsehanstalten abwägen müssen, wie künftig die Heimspiele dieser Sympathieträgerinnen gestaltet werden. Spielorte in der Provinz und Spielzeiten am Nachmittag passen eigentlich nicht mehr.

Zunächst aber steht eine Reise in die USA mit zwei Tests gegen die Weltmeisterinnen (11. und 13. November) in Fort Lauderdale und Harrison an. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg deutete an, dass es für diese Härtetests mitten zwischen den Champions-League-Spielen des VfL Wolfsburg und FC Bayern zwar „nicht der beste Zeitpunkt“ sei, aber an den vertraglichen Verpflichtungen sei eben nicht mehr zu rütteln gewesen.

Gegen wen dann im Frühjahr 2023 zu Hause gespielt wird, hängt maßgeblich davon, wer bei der WM-Auslosung am 22. Oktober im neuseeländischen Auckland als Gegner gezogen wird. Popp regte an, dass über den Gang in noch größere Stadien nachgedacht werden könne, wenn „26 000 Menschen mit uns ein Fußball-Fest abfackeln“.

WM-Teilnahme bleibt offen

Dass die Stimmungskanone auch bei der WM 2023 in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) vorangeht, ist aber keineswegs sicher. Ein vorzeitiges Karriereende im DFB-Dress ist weiterhin nicht abwegig: „Stand jetzt ist der Tenor WM auf meinem Zettel, aber ich lasse es trotzdem weiterhin offen.“ Es sind dem Vernehmen nach sehr private Gründe, weshalb sie diese Hintertür nicht schließen mag.

„Wir brauchen sie – in der Form sowieso. Sie zählt auf der Neuner-Position zu den weltbesten Stürmerinnen“, sagte Voss-Tecklenburg, die in Popps Andeutungen „nicht zu viel reininterpretieren will“. Die 54-Jährige berief sich in dieser Hinsicht auf ein Gespräch nach dem EM-Finale gegen England (1:2 n.V.), als sie der damals unter fast dramatischen Umständen wegen einer Oberschenkelverletzung nicht einsatzbereiten Popp ins Ohr flüsterte: „Wir haben beide ein Finale verloren. Ich finde, so kann man nicht aufhören!“

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