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Frühstarterin: Lena Sophie Oberdorf steht mit 17 Jahren bereits im WM-Kader.

Fußball-WM der Frauen

Von der Schulbank zur WM: Startet Überfliegerin Lena Oberdorf in Frankreich durch?

Lena Sophie Oberdorf ist Deutschlands bisher jüngste WM-Spielerin – nicht mal Birgit Prinz war bei ihrem Debüt auf dieser Bühne so jung.

An zentralen Sammelpunkten wie dem Place Saint-Anne von Rennes kommt die studentische Prägung der bretonischen Hauptstadt besonders gut zum Vorschein. Vor den windschiefen Fachwerkhäusern, die wie ein Relikt aus dem Mittelalter wirken, bevölkert ein junges Publikum die Cafés und Restaurants an der Basilika St. Aubin. Rund 63.000 Studenten bestimmen den Pulsschlag im Zentrum der Bretagne. Wenn Lena Sophie Oberdorf sich hier zum Zeitvertreib am ersten WM-Spielort der deutschen Frauen-Nationalmannschaft mal umsehen sollte, wäre sie eine unter vielen.

Im Kreise der DFB-Frauen hingegen muss die Fußballerin der SGS Essen manchmal selbst noch schmunzeln, „wie jung ich eigentlich noch bin“. Als sie mit Kapitänin Alexandra Popp kürzlich im Trainingslager in Grassau über beliebte Kindersendungen plauderte und die frühere Tierpflegerin über ihre Vorliebe für „Unsere kleine Farm“ sprach, fragte das Nesthäkchen: „Was ist das denn?“ Die US-Serie aus den 70er- und 80er-Jahren ist in ihrer Generation nicht mehr angesagt. Mit Beginn der WM in Frankreich am 7. Juni wird sie 17 Jahre, fünf Monate und 19 Tage alt sein. Birgit Prinz, Tina Wunderlich und Sandra Smisek reisten zwar auch alle als 17-jährige zur WM 1995 in Schweden, aber niemand war damals noch so jung.

Lena Oberdorf muss keine frechen Sprüche machen, um aufzufallen

„Ihr Alter hat keine Rolle gespielt, sondern in erster Linie ihre Leistungen“, sagt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die sich von Oberdorf genau wie von der 18-jährigen Klara Bühl (SC Freiburg) vor allem „Frische und Unbekümmertheit“ erhofft. „Beides kann ein wichtiger Faktor im Turnierverlauf werden.“ Deutschlands Jüngste muss keine frechen Sprüche machen, um aufzufallen. Ihre Zielsetzung formuliert sie bescheiden: „Erst mal nur reinschnuppern und abwarten. Wenn ich nur reinkomme, bin ich schon glücklich. Mein Ziel ist es, das Team auf und neben dem Platz so gut es geht zu unterstützen.“ Ihr Selbstbewusstsein speist sich ansonsten aus fußballerischem Talent.

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Sie wuchs in Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet in einer sportlichen Familie auf. Schwester und Bruder hätten immer im Garten gekickt, „da habe ich dann mitgemacht“. TuS Ennepetal und TSG Sprockhövel heißen ihre Heimatvereine. Bis zu den B-Junioren hat sie sich hier ausnahmslos mit Jungs gemessen. „Ich würde jedem Mädchen raten, so lange es geht bei den Jungs zu bleiben.“ Akzeptanzprobleme hat sie nie erlebt. „Das lag daran, dass ich von Anfang an dabei war. Mit den meisten war ich in der Schule: Die wussten, das ich was kann.“ Oft hat sie sich in der Schiedsrichterkabine umgezogen und geduscht – und wenn das nicht ging, „haben die Jungs alle vor der Kabine gewartet“.

Lena Oberdorf hat ihren Schulstoff mit zur WM genommen

Seit ihrem Wechsel zum Frauen-Bundesligisten SGS Essen spielen Eltern und Opa viermal die Woche den Fahrdienst, denn von der Führerscheinprüfung hat sie bislang nur den Theorieteil bestanden. Noch geht sie in die 11. Klasse am Gymnasium Gevelsberg. „Wegen der WM muss ich alles nacharbeiten und schreibe auch die Klausuren nach.“ Für ihre Leistungsfächer Englisch und Sport und die Prüfungsfächer Mathe und Pädagogik hat sie den Schulstoff mitgenommen. „Vielleicht lenkt mich das auch ein bisschen ab.“

Denn es könnte noch ein aufregendes Turnier werden: Bei der Generalprobe gegen Chile (2:0) durfte die deutsche Nummer sechs mit ihrer Einwechslung bereits das dritte Länderspiel machen, was als Indiz zu deuten ist, dass die WM schon der Startschuss der internationalen Karriere werden könnte. Ihre Vorbilder verortet sie im eigenen Team: „Ich hätte gerne die Technik von ‚Maro‘ und den Kopfball von Alex.“ Die Mischung aus Spielmacherin Dzsenifer Marozsan und Stürmerin Popp deutet auf ihre flexible Verwendung hin. „Ich kann überall im Zentrum spielen. Und ich denke, dass ich ein gutes Kopfballspiel und eine gute Übersicht habe.“ 

Neun Bundesligatore hat die Überfliegerin überdies erzielt. Mutter Bettina und Vater Frank, der eine Anwaltskanzlei führt, haben einen WM-Besuch vorsichtshalber mal fest eingeplant. Vielleicht geht es gleich in Rennes gemeinsam an jene Plätze, an denen sich Mittvierziger fast schon wie Greise fühlen.

Von Frank Hellmann

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