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Sascha Graf arbeitet an einer öffentlichen Grundschule.

Femme fatale

Einfach mal schnell den Lehrplan geändert - wegen der Fußball-WM

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Wie ein deutscher Lehrer in Pont-Péan französischen Schülern die Frauen-WM näherbringt.

Das Eingeständnis muss einleitend sein. „Für Frauenfußball habe ich mich vorher nie interessiert!“ Sascha Graf will einem nichts vormachen. Mit seiner sieben Jahre alten Tochter Annouk hatte er sich Anfang der Woche zum Sportplatz begeben, auf dem eigentlich der Verein US Pont-Péan sein Zuhause hatte. Ein eher provinzielles Ambiente mit alten Umkleiden in einer windanfälligen Gegend im Großraum von Rennes. 

Der Rasen ordentlich, aber beileibe nicht so penibel gepflegt wie ein Profifeld einer modernen Fußball-Arena. Das Gelände ist trotzdem offizieller Trainingsplatz für ein Teil jener Mannschaften, die zur Frauen-WM 2019 in der Hauptstadt der Bretagne vorspielen und in südwestlicher Richtung in Bruz in einem Vier-Sterne-Golfresort wohnen. Der zweifache Weltmeister Deutschland (2003 und 2007) macht den Anfang, Weltmeister Japan (2011) folgt.

Als der gebürtige Berliner Graf davon hörte („das ist gar nicht so lange her“), besorgte er sich nicht nur sofort eine Zutrittsberechtigung für das öffentliche Training der deutschen Fußballerinnen – wann hört man einmal Trainerin Martina Voss-Tecklenburg vom Gerüst brüllen und sieht Taktgeberin Dzsenifer Marozsan aufs Tor schießen -, sondern er veränderte auch seinen Lehrplan. Der 39-Jährige arbeitet nämlich an der Ecole primaire publique Lucie Aubrac, der öffentlichen Grundschule. „Und da muss man doch Werbung machen.“

Also hat er, der sich eigentlich mit dem Frauenfußball nicht so richtig auskennt, kurzerhand der jungen Generation vermittelt, was die nächsten Wochen wichtig werden könnte. Wann und wo wird gespielt beispielsweise? Ein Flipchart mit einer Frankreich-Karte steht übrigens auch im Freizeitraum der deutschen Nationalspielerinnen. Der erste Eindruck, den der vor sieben Jahren wegen der Liebe verzogene Wahl-Franzose Graf von den DFB-Frauen hat, ist positiv. „Die machen alle einen sympathischen Eindruck.“

Seine Tochter hat neben einem Teamposter auch einen grünen DFB-Aufkleber abgegriffen. Beides wurde sicherheitshalber von der deutschen Delegation gleich zusammen verteilt. Wobei Sascha Graf noch nicht weiß, ob er mit den Utensilien auch wirklich zu Deutschland halten soll. „Ich habe gesehen, dass die Frauen schon zwei Sterne haben. Frankreich hat noch gar keinen. Vielleicht brauchen die erst mal einen.“

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