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Familie Elsig in Valenciennes.

Kolumne

Die Familientour der Elsigs

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Wie die Elsigs aus Düren die Weltmeisterschaft in Frankreich erleben und eine deutsche Nationalspielerin unterstützen.

Ein gängiges Vorurteil im Frauenfußball geht so: Auf den Tribünen verirren sich überwiegend Freunde und Familienangehörige. Was bei der WM in Frankreich nicht stimmen kann, weil rund eine Million Tickets verkauft sind. Dass Spiele der deutschen Nationalmannschaft stets mit einer Familienzusammenführung verbunden sind, stimmt definitiv. Auf die Holzbänke am Kreisel bei der Einmündung zum Stade du Hainaut in Valenciennes hatte sich vor dem zweiten WM-Gruppenspiel gegen Spanien (1:0) auch die Familie der Nationalspielerin Johanna Elsig gesetzt. Vollzählig.

Bruder Andreas drückte seine Verbundenheit zum deutschen Team mit einem grünen Deutschland-Trikot aus, seine Lebensgefährtin Saskia trug ein weißes Jersey und schwarz-rot-goldene Schminke auf den Wangen, Mutter Vera und Vater Robert genügte die Zivilkleidung zur Unterstützung. Schwester Christine hatte den Fahrdienst für das Quintett übernommen. Die Elsigs wohnen in Düren, passenderweise die Partnerstadt des zweiten deutschen WM-Spielortes. Und 250 Kilometer bis zur belgischen Grenze kann man schon mal an einem Tag hin und zurück fahren, wo doch Johanna in der familieneigenen WhatsApp-Gruppe so viel Positives über die WM berichtet hat.

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„Wir würden sie natürlich gerne bei der WM mal spielen sehen“, sagt Andreas über seine bislang noch nicht eingesetzte Schwester. Er hat als Aktiver von der Nationalmannschaft nur träumen können; immerhin war der ehemalige Nationalspieler Wilfried Hannes beim Verbandsligisten Borussia Freialdenhoven mal sein Trainer. Inzwischen hat der 33-Jährige aufgehört. Er macht sich auch seine Gedanken, wie der Frauenfußball gefördert werden kann. Den Werbespot beispielsweise fand er klasse, um die Bekanntheit der Nationalspielerinnen zu erhöhen.

Wobei: Es kommt schon mal vor, dass Saskia beim Joggen am Nordrand der Eifel ein langgezogenes „Eeelsig“ zugerufen bekommt. Wegen Johanna Elsig, die sei in der Kleinstadt schon bekannt. Die 26-Jährige kommt bislang auf ein Dutzend Einsätze für die DFB-Frauen, spielt seit 2012 für Turbine Potsdam, aber ihre fußballerischen Wurzeln liegen im Kölner Großraum. Ihr Bruder nahm sie früher auf den Sportplatz des FC Düren-Niederau 08 mit, bis seine Schwester selbst mitkickte. Ihr Werdegang ist typisch für eine Nationalspielerin: Erst bei den Jungs behauptet, dann bei den Frauen durchgesetzt.

Die Elsigs sehen beim Nationalteam natürlich noch Luft nach oben und wollen das Turnier erst einmal wieder aus der Heimat verfolgen. „Zum Endspiel kommen wir auf jeden Fall“, sagt Familien-Oberhaupt Robert und lacht. Aber bereits beim nächsten WM-Gruppenspiel in Montpellier gegen Südafrika muss Johanna Elsig auf Beistand aus der Verwandtschaft nicht verzichten: Dann kommt die in Frankreich lebende Tante Birgit mit ihrer ganzen Familie zu Besuch.

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