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Jubel nach dem Finale: Die US-Spielerinnen feiern ihren Sieg.

Fußball-WM 2019

Frauen sollten mehr verdienen und Männer von den Frauen lernen

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Wie realistisch ist es, gleiche Bezahlung von Männer und Frauen zu verlangen, wenn der Markt das (noch) nicht hergibt. Ein Kommentar.

Es konnte am Sonntagabend bei Konfettiregen, Kanonenschlägen und Feuerwerk fast ein bisschen untergehen, dass auch die deutschen Fußballerinnen bei der Verleihung der großen Preise der Frauen-WM 2019 nicht gänzlich leer ausgingen. Mitten im Stars-and-Stripes-Freudentaumel verkündete der Stadionsprecher in Lyon, dass Giulia Gwinn, gerade 20, aus Deutschland beste junge Spielerin geworden ist. 

Eine Weltmeisterin kam ja nicht infrage: Rose Lavelle als das frischeste Gesicht der USA ist ja auch schon 24. Die jetzt vom SC Freiburg zum FC Bayern gewechselte Allrounderin ist also nicht nur neuer Social-Media-Liebling, sondern auch offizielle Hoffnungsträgerin der DFB-Frauen.

Auf ihrer letzten Pressekonferenz in Rennes sagte die Gewinnerin etwas, an das es sich aus aktuellem Anlass zu erinnern lohnt. „Wir stehen für ehrlichen Fußball. Wir stehen schnell auf, wir schauspielern nicht viel, wir diskutieren nicht lange.“ Die damals noch 19-Jährige antwortete ehrlich auf eine Frage zu den Unterschieden gegenüber dem Männerfußball. Nur ist die junge Frau vom Bodensee von der Rolle als Aktivistin im Kampf um Gleichberechtigung eher nicht verdächtig.

Megan Rapinoe fordert Gleichberechtigung

Dennoch kann ihr Beitrag die Forderungen einer Megan Rapinoe ergänzen, die nicht damit zufrieden ist, wenn der Weltverband die nächsten Jahren eine Milliarde Dollar für die Förderung des Frauen- und Mädchenfußballs investieren oder das Preisgeld der nächsten WM auf 60 Millionen erhöhen will. Ihre Forderung nach der gleichen Bezahlung von Männern und Frauen ist bezogen auf Leistungs- und Strahlkraft im US-amerikanischen Fußball zwar nachvollziehbar, aber die globale Transformation wäre töricht, weil dieses Verlangen die Gesetze der Marktwirtschaft aushebelt.

Erst die große Nachfrage nach den vielen Spielen im Männerfußball durch eine weltweit offenbar unersättliche Kundschaft, die für Pay-TV, Tickets, Trikots und neuerdings Wetten wahre Unsummen ausgibt, macht die Millionen-Exzesse in diesem Business möglich. Sollte der europäische Frauenfußball dieser Profitgier nachahmen, die teilweise jede Identifikation der Akteure mit den Klubs unmöglich macht? Wohl kaum.

Frauenfußball sollte besser werden und trotzdem bodenständig bleiben

Viel besser wäre es doch, wenn beide Seiten voneinander lernen würden. Die Frauen würden darauf verweisen, dass ihr Spiel schneller, athletischer und ansehnlicher geworden ist – und sich damit automatisch dem der Männer annähert. Gleichzeitig stellen sie aber noch mehr die Unterschiede heraus, die ihre Interpretation attraktiv gestaltet: durch authentische Akteure, die noch einen Bezug zu allen Mitmenschen haben, weil sie dieselben Sorgen teilen. Weil sie wie die meisten Leistungssportler hierzulande sich bereits während der Karriere Gedanken machen müssen, was später beruflich zu tun ist. 

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Dieses bodenständige Umfeld sollte der Frauenfußball so schnell nicht aufgeben, der an der Basis schon genügend Probleme hat, Mädchen in Vereine und Zuschauer auf die Plätze zu locken. Warum eigentlich? Selbst bei einer WM verliefen Stadionbesuche in den größten Arenen wie bis zum großen Finale im Stade de Lyon völlig stressfrei, weil keine volltrunkenen Vollidioten randalieren oder selbstgerechte Ultras mit Pyrotechnik hantieren. Das hat dann am Ende nur die Fifa für die Übergabe des Weltpokals getan.

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