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Martina Voss-Tecklenburg hat mit ihrem erneuerten Team noch nicht überzeugen können.

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Die Lehren von 2015: Minimalismus kann hilfreich sein

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Die DFB-Fußballerinnen setzen bei der WM 2019 bisher keine Trends. Aber wer weiß, wohin die Reise noch geht, wenn alle wissen, dass mehr geleistet werden muss.

An der Frauen-WM 2015 in Kanada scheiden sich ja irgendwie die Geister. Nein, nicht wegen des gewöhnungsbedürftigen Kunstrasens, der zum Unwillen der Spielerinnen in den Stadien und Trainingsstätten verlegt worden war. Gerade aus deutscher Sicht fiel die Bewertung zwiespältig aus. Klar, die damalige Bundestrainerin Silvia Neid coachte ihre deutlich bekannteren Spielerinnen, anders als jetzt Martina Voss-Tecklenburg, torreich durch die ersten Runden. 10:0 gegen die Elfenbeinküste, 1:1 gegen Norwegen, 4:0 gegen Thailand, als die komplette B-Besetzung spielen durfte. Es folgte ein 4:1 im Achtelfinale gegen ein indisponiertes Schweden.

Die Bundestrainerin hatte bis dahin alles richtig gemacht. Ihre Fehler begannen später, als es im Olympiastadion von Montreal in die Entscheidungsspiele ging. Schon das Viertelfinale gegen die spielstarken Französinnen hätte Deutschland verlieren müssen, so unterlegen schienen Nadine Angerer, Annike Krahn, Simone Laudehr oder Celia Sasic. Doch es zählte zu den Vorzügen dieser Generation, nie aufzugeben. Ausgleich. Elfmeterschießen. Halbfinale. 

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Neid war darüber so glücklich, dass sie damals vor dem Duell gegen die mächtige USA fatale Botschaften sandte. Olympiaqualifikation geschafft, Ziel erreicht. Alles gut. Sie störte sich massiv am überbordenden Selbstbewusstsein, das die US-Girls auf ihrem Kontinent auslebten. Damals wohnten sie zeitweise gemeinsam mit dem deutschen Team in einem Hotel. Neid empfand das als Höchststrafe. Es kam, was kommen musste: Zum Spannungsabfall gesellte sich fehlendes Spielglück, am Spielfeldrand reagierte die Trainerin nicht mehr. Eine weitere Niederlage gegen England im Spiel um Platz drei sorgte für Gegenwind. Neid blieb nach Diskussionen mit der Frauen-Bundesliga im Amt, was vollkommen richtig war, sonst wäre ein Jahr später nicht der Olympiasieg herausgesprungen.

Die WM vor vier Jahren zeigt nur, dass Kantersiege am Anfang nicht immer dienlich sind. Die neue Trainerin Voss-Tecklenburg hat mit ihrem erneuerten Team bei der WM 2019 bisher weder Trends setzen noch fußballerisch ein Millionenpublikum in der Heimat von den Vorzügen des Frauenfußballs überzeugen können. Aber solange eine DFB-Auswahl gewinnt, ist meist alles gut. Wer weiß, wohin die Reise noch geht, wenn alle wissen, dass bei der Frauen-WM 2019 aus deutscher Sicht deutlich mehr geleistet werden muss.

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