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Küsst den Rasen. Mohamed Salah. Foto: AFP
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Küsst den Rasen. Mohamed Salah.

Konflikt

Fußball und der Nahe Osten

  • VonRonny Blaschke
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Profis in aller Welt beziehen Stellung zum Konflikt zwischen Israel und Palästina - und erhalten Hassnachrichten

Freies Palästina.“ Mit diesem Schriftzug auf ihren T-Shirts wärmten sich am vergangenen Dienstag die Spieler von Fenerbahce Istanbul auf. Mit dabei: der langjährige deutsche Nationalspieler Mesut Özil. Auch in anderen Ländern, in Schottland, Katar oder Chile, zeigten Spieler und Fans palästinensische Symbole. In sozialen Medien solidarisierten sich einige Profis mit den Palästinensern, zum Beispiel der Algerier Riyad Mahrez von Manchester City oder der Franzose Paul Pogba von Manchester United.

Auch Amin Younes von Eintracht Frankfurt äußert sich

Auch Amin Younes von Eintracht Frankfurt, dessen Vater Libanese ist, stellte ein Bild eines Menschen ins Netz, der eine palästinensische Fahne in Händen hält, in Sichtweite einiger israelischer Soldaten. Der 28-Jährige schrieb hinzu: „Möge Allah mit Dir sein.“ Auf Intervention des Klubs erklärte der Mittelfeldspieler später: Es sei eine spontane Meinungsäußerung gewesen, Absicht, eine andere Religion oder Menschen anderen Glaubens zu verletzen, liege im fern. „Im Gegenteil, es war ja gerade der Angriff auf Betende, der mich dazu veranlasste. Für mich ist die Freiheit der Religion von höchstem Wert, und ich wende mich gegen Gewalt jeder Art, egal von welcher Seite.“

Besonders beachtet wurde das Statement von Mohamed Salah, auf Twitter postete der ägyptische Stürmer des FC Liverpool: „Ich rufe alle Staatsoberhäupter der Welt auf, einschließlich des Premierministers des Landes, das in den letzten vier Jahren meine Heimat war, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um sicherzustellen, dass die Gewalt und das Töten von unschuldigen Menschen sofort aufhört. Genug ist genug.“

Der Konflikt wird kontrovers diskutiert - auch unter Profis

Abermals eskaliert der Konflikt im Nahen Osten. Die radikalislamische Hamas haben tausende Raketen aus dem Gaza-Streifen abgefeuert. Israel hat eine Militäroffensive gestartet. Mehr als 200 Menschen sollen getötet worden sein. Der Konflikt wird – wie immer – kontrovers diskutiert. Mit prominenten Unterstützern auf beiden Seiten – auch im Fußball.

Mohamed Salah verzichtete in seinem Statement auf Begriffe wie Israel, Palästina oder Gaza. Stattdessen zeigte er ein älteres Foto von sich vor dem Felsendom, einer heiligen Stätte des Islams in Jerusalem. Hamza Choudhury und Wesley Fofana von Leicester City gingen einen Schritt weiter. Nach ihrem Finalsieg im englischen FA-Cup schwenkten sie am Samstag eine palästinensische Fahne. Husam Zomlot, Vertreter der palästinensischen Gebiete in London, schickte ein Dankschreiben an Leicester. Auch etliche Nationalspieler aus Israel äußerten sich zur Eskalation. Eran Zahavi betonte auf Instagram mehrfach seine Unterstützung für die israelische Armee. Bei seinem Verein PSV Eindhoven soll es deshalb zu Streit mit anderen Spielern gekommen sein. Das Thema wurde auch im Spielerrat diskutiert.

Frederic Kanouté präsentiert ein Gaza-T-Shirt

„Wir sind von dieser Entwicklung nicht überrascht. Nach jeder Eskalation gibt es im Fußball politische Kommentare, manchmal mit heftigen Reaktionen, manchmal nicht“, sagt der israelische Journalist Yossi Medina vom Onlinemedium Babagol. „Der Spieler Frédéric Kanouté hat mal während eines Spiels ein T-Shirt für Gaza präsentiert. Viele Menschen in Israel waren dann ein paar Tage gegen Kanouté eingestellt. Aber schon bald war alles vergessen.“

Viele Fußballer, die sich für oder gegen Israel positionieren, erhalten Hassnachrichten im Netz. Gefährlicher ist die Situation auf den Straßen, wo sich jüdische und arabische Israelis Schlägereien geliefert haben. Eine Rolle sollen nationalistische Ultras des Vereins Beitar Jerusalem gespielt haben, insbesondere die Gruppe La Familia, die arabische Spieler und Fans strikt ablehnt. „La Familia soll für Ausschreitungen gegen arabische Israelis mobilisiert haben“, sagt der Journalist Felix Tamsut, der sich für die Deutsche Welle mit dem Fußball in Israel beschäftigt. „Bei diesen Ausschreitungen hat es mindestens einen Lynchversuch gegeben.“

Makkabi-Chef Meyer: „Es ist schlimmer geworden“

Die Eskalationen im Nahen Osten haben Konsequenzen für die Diaspora. Am Wochenende waren bei zahlreichen Demonstrationen in deutschen Städten antisemitische Aussagen und Symbole zu vernehmen. Diese Entwicklung dürfte auch Folgen für den Sport haben. Die jüdisch geprägten Vereine von Makkabi erleben hierzulande inzwischen weniger Anfeindungen von Neonazis. Stattdessen werden sie mit Kommentaren und Bannern von arabischstämmigen Menschen konfrontiert, wie: „Juden raus aus Palästina“ oder „Nie wieder Israel“.

„Es ist noch aggressiver und schlimmer geworden, unsere Mitglieder bekommen Angst“, sagt Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland. Einige Teams der 39 Ortsvereine von Makkabi haben aus Sicherheitsgründen Trainingseinheiten abgesagt. Meyer: „Wir müssen weiter sensibilisieren, aber das ist ein Schwimmen gegen den Strom.“ Makkabi zählt in Deutschland mehr als 5000 Mitglieder. Der Verband hat gerade eine Bildungskampagne gegen Antisemitismus im Sport gestartet, mit Workshops und Online-Seminaren. Es ist gut möglich, dass die Anfrage dafür bald steigen wird.

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