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Der Fußball-TÜV wird abgeschafft

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DFL zertifiziert Talentschmieden nicht mehr mit Sternen und hofft auf einen Schub.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) will mit einem Paradigmenwechsel ihren Teil dazu beitragen, hierzulande wieder für einen tieferen Talentepool zu sorgen. Dafür sollen sich die 36 Nachwuchsleistungszenten (NLZ) der Ersten und Zweiten Bundesliga künftig einem neuen Qualitätsmanagement unterwerfen. Die seit zwölf Jahren betriebene Zertifizierung der NLZ mit bis zu drei Sternen für die Ausbildungsvereine wird abgeschafft, der alsbald auslaufende Vertrag mit dem belgischen Dienstleister Double Pass nicht verlängert. „Es gab zu wenig Differenzierung“, erläutert Andreas Nagel angesichts von dreiviertel der überprüften Klubs mit Drei-Sterne-Auszeichnung.

„Um die Spitzenposition in der Nachwuchsarbeit zu erhalten, sind Änderungen notwendig“, ergänzt der in der DFL für die Nachwuchsleistungzentren zuständige Daniel Feld. Auf Nachfrage räumt Feld allerdings ein, dass von einer vorgeblichen „Spitzenposition“ des deutschen Nachwuchses tatsächlich nicht mehr mit Überzeugung gesprochen werden kann. England, Frankreich und Spanien sind mindestens gleichauf, bei ehrlicher Betrachtung sogar vorbeigezogen.

Der DFB hat auf die aufkommende Krise mit seiner „Bierhoff-Offensive“ reagiert, Trainerausbildung und Talentförderung sollen individualisiert werden oder sind es schon, für die DFB-Akademie ist der Spatenstich erfolgt, jetzt zieht die DFL nach. Anders als in der Vergangenheit, als alle drei Jahre Prüfer wie Hummeln in die Nachwuchsleistungszentren einfielen und anhand von mehr als 700 starren Testergebnissen ein NLZ-TÜV vollführten, was manche Klubs aufgrund der immer wiederkehrenden Systematik zusehends nervte, will die DFL die Vereine künftig dynamischer, individueller und mehr als Partner denn als Oberaufseher begleiten – und hofft so auf einen Schub. „Es soll ein lernendes System werden“, so Daniel Feld. Die Klubs sollen sich nach seinem Wunsch auch mehr untereinander austauschen, um gemeinsam Entwicklungen zu erkennen und Fehler vermeiden zu können. Die DFL und der DFB haben dazu eine Vergleichsdatenbank aufgebaut.

Zuletzt befanden sich 5588 junge Spieler zwischen elf und 23 Jahren in den Mannschaften der Nachwuchsleistungszentren, 68 davon schafften es in der vergangenen Saison auf zumindest ein Spiel in einer der beiden Bundesligen, die Erfolgsquote liegt im einstelligen Prozentbereich. Führend war im Spieljahr 2018/19 Bayer Leverkusen (9697 Einsatzminuten von eigenen Talenten), Holstein Kiel (9354) und der 1. FC Magdeburg (8273). Die DFL verteilt insgesamt 22 Millionen Euro aus dem TV-Topf für derlei Anstrengungen, Leverkusen, Kiel und Magdeburg kassierten jeweils mehr als eine Million. Die Klubs erlauben es der DFL nicht, eine Gesamtübersicht zu veröffentlichen. Einen der letzten Plätze in dieser Kategorie dürfte Eintracht Frankfurt einnehmen.

Die Eintracht war neben dem FSV Frankfurt, Darmstadt 98 und dem SV Wehen Wiesbaden einer der ersten Klubs, der die eigene U23 bereits vor fünf Jahren ersatzlos abschaffte, weil sie dem Verein seinerzeit zu teuer erschien. DFL-Mann Feld sagte dazu gestern ebenso kritisch wie allgemein, Geldsparen sei als vordringliches Motiv hierfür wenig nachvollziehbar, wenn dahinter kein schlüssiges Konzept der Förderung erkennbar sei. Die Eintracht und Darmstadt sollten sich angesprochen fühlen.

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