+
Schaut noch ein bisschen skeptisch: Schalkes neuer Millionenmann aus England: Rechtsaußen Rabbi Matondo.

Transfers

Panini-Bildchen für Millionen

Die meisten Klubs haben sich auf dem Transfermarkt im Winter zurückgehalten

Auf dem winterlichen Transfermarkt ging es im Januar deutlich weniger heiß her als in den vergangenen Jahren. Vor allem die millionenschweren Klubs aus der Premier League hielten sich zurück und gaben laut der BBC mit rund 205 Millionen Euro nicht einmal die Hälfte der Summe aus, die noch vor zwölf Monaten investiert worden war (464 Millionen) – bei Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund klingelte trotzdem die Kasse.

Der Transfer des US-Amerikaners Christian Pulisic für 64 Millionen zum FC Chelsea blieb auch am letzten Tag der Rekordtransfer im Winter. Dabei wird der Wechsel erst im Sommer vollzogen, da die Londoner den 20-Jährigen, der in Dortmund noch einen Vertrag bis 2020 besessen hatte, direkt wieder an den BVB verliehen. „Vor diesem Hintergrund haben wir uns dafür entschieden, ein – angesichts der geringen Vertragsrestlaufzeit – außerordentlich lukratives Angebot des FC Chelsea nun anzunehmen“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc über den teuersten Wintertransfer der Bundesligageschichte. Bereits im vergangenen Jahr hatte Dortmund mit dem Verkauf von Pierre-Emerick Aubameyang für 63,7 Millionen an den FC Arsenal ordentlich Gewinn gemacht.

Dafür hat sich der FC Schalke 04 in Rabbi Matondo ein weiteres Juwel aus de Talenteschmiede von Manchester City geangelt und für den 18-Jährigen Rechtsaußen neun Millionen Euro bezahlt. City-Trainer Pep Guardiola soll darüber gar nicht erfreut gewesen sein. Wenn die jungen Leute keine Geduld aufbrächten, zürnte der Spanier, „dann sollen sie halt gehen“. Schon Jadon Sancho (Borussia Dortmund), Javairo Dilrosun (Hertha) und Brahim Diaz (Real Madrid) verließen City. Ansonsten haben die Engländer ihre Spieler aus der zweiten Reihe zeitweise wie Sauerbier angeboten, um sie von der Gehaltsliste zu bekommen: „Das Telefon hat nicht stillgestanden, uns wurden stündlich Spieler aus England angeboten“, sagte Eintracht-Vorstand Fredi Bobic auf der Messe Spobis. „Die Engländer kaufen mittlerweile den ganzen Jugendmarkt auf, aber die Spieler können dann nicht spielen, weil der Kader viel zu groß ist.“

Von Pulisic abgesehen wurden europaweit im Vergleich eher geringe Summen ausgegeben und eingenommen. Der Brasilianer Paulinho wechselte für 42 Millionen vom FC Barcelona zum chinesischen Spitzenklub Guangzhou Evergrande, Leandro Paredes (Argentinien) für 47 Millionen von Zenit St. Petersburg zu Paris St. Germain. Der AC Mailand überwies rund 40 Millionen für Lucas Paqueta (Brasilien) an Flamengo Rio de Janeiro. „Grundsätzlich stellt man fest, dass es sich etwas beruhigt hat“, sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, dem es nicht gelungen war, selbst für viel Geld das englische Talent Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea zu bekommen.

Die 18 Bundesligisten gaben im Januar insgesamt 72,8 Millionen Euro aus (Quelle: Transfermarkt.de), RB Leipzig investierte mit den 19 Millionen für Amadou Haidara (Mali) vom Schwesternklub in Salzburg am meisten Geld in einen einzelnen Spieler. Der BVB gab 15,5 Millionen für den Argentinier Leonardo Balerdi von den Boca Juniors aus. International waren die vielen Leihgeschäfte in diesem Jahr auffällig. „Das hat auch viel mit der Problematik beim Financial Fair Play zu tun“, sagte Bobic: „Viele Vereine können nur in Leihen investieren. Ich vergleiche das gerne mit meiner Jugendzeit und dem Tausch von Panini-Bildern. Das passiert gerade auf dem englischen und italienischen Markt.“ (sid/FR)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion