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Fußball- Bundesligist Borussia Dortmund hat Jeremy Toljan noch kurz vor Ende der Transferperiode ausgeliehen.

Fußball-Transfermarkt

Noch fix durchs Fenster

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Es gehört offenbar zum Geschäft, in den letzten Stunden des Transferfensters noch fix ein wenig Geschäftigkeit zu verbreiten. Ein Kommentar.

Zum Ende des ruhmlosen Monats Januar ist der Transfermarkt nur noch ein wenig heißgelaufen. Irgendwie gehört es offenbar zum Geschäft, in den letzten Stunden des einen Spalt geöffneten Transferfensters noch fix ein wenig Geschäftigkeit zu verbreiten, sich irgendwo leibhaftig oder zumindest virtuell auf dem Globus herumzutreiben und Fußballspieler von A nach B zu verfrachten.

Tief in der Nacht wurde schließlich auch noch der Dortmunder Defensivspieler Jeremy Toljan an den Mann gebracht. Celtic Glasgow griff zu, leihweise, wie das mittlerweile üblich ist. Toljan, im Sommer 2017 für sieben Millionen Euro aus Hoffenheim gekommen, hatte beim BVB diese Saison nicht mehr gespielt. Durchgefallen durch den Rost. Und tschüss. Der Sohn einer Kroatin und eines Afroamerikaners war Stammspieler im deutschen U21-Europameisterteam 2017. Ein Außenverteidiger mit Offensivdrang, recht schnell auf den Beinen, der zudem gute Flanken schlagen kann. Ein Mann mit vermeintlicher Perspektive.

Aber gerade in dieser Kategorie ist es für eine anspruchsvolle Fußball-Unternehmung wie Borussia Dortmund verdammt schwierig, Aufwand und Ertrag zuverlässig in ein akzeptables Verhältnis zu bringen. „Der Zehn-Millionen-Euro-Transfer“, sagt Klubchef Aki Watzke, „ist der viel schwierigere. Wenn du ins höchste Regal greifen kannst, ist das viel einfacher.“ Denn die Stars in den höchsten Regalen sind leistungsmäßig die mit den niedrigsten Ausfallquoten. Aber das Investment ist auch entsprechend hoch, ein Klub wie Dortmund muss sich im Angesicht der noch viel reicheren europäischen Spitzenkonkurrenz weiterhin in Nischen bewegen, wenngleich der BVB längst im Begriff ist, die Zehn-Millionen-Nische Richtung 20 Millionen zu verlassen.

Das manchmal unbehagliche Nischendasein gilt im besonderen Maße auch für Eintracht Frankfurt. Die Hessen gehören zu jenen Klubs, die sich zuletzt auffällig geschickt in den unübersichtlichen internationalen Märkten bewegt haben, auch, weil sie vor einer Hire-and-fire-Mentalität keineswegs zurückschrecken. In Frankfurt sind sie zur präzisen Beobachtung des Weltmarkts an besonders talentierten Fußballspielern verdammt, weil der einst sprudelnde Quell eigener Talente schon seit Jahren versiegt ist.

Es ist das logische Ergebnis einer Politik jahrelanger Nachlässigkeit in der Nachwuchsförderung, die immerhin längst erkannt ist und nicht in die Zukunft überführt werden soll. Im übertragenen Sinne zugespitzt formuliert: Auch für Schweinemastbetriebe ohne eigene Züchtung gehört es zur professionellen Abwicklung, die Preise durch Forwardgeschäfte an den internationalen Warenterminbörsen abzusichern. Sonst kann es plötzlich teuer werden.

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