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Neymar bekommen von ihren Arbeitgebern nach Abzug aller Steuern zwischen 63 000 (Griezman) und 82 000 Euro (Neymar) von ihren Arbeitgebern überwiesen.

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Sittenverfall im Fußball: Topstars nutzen ihre Macht

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Das Fußball-Business ist vollkommen absurd überdreht. Die Spieler werden dazu erzogen, sich in einer Parallelwelt umzutreiben, die mit der irdischen rein gar nichts mehr zu tun hat. Ein Kommentar.

Die Unverfrorenheit, mit der Fußballspieler der höchsten Kaste ihre Interessen durchzusetzen versuchen, hat das Maß des Erträglichen längst überwunden. Die ungesunde Machtfülle der Topprofis speist sich sowohl aus ihrem außergewöhnlichen Können als auch aus dem oft ruchlosen Konkurrenzkampf der Spitzenklubs untereinander. 

So kommt es, dass der französische Ausnahmekönner Antoine Griezmann das Training bei Atletico Madrid schwänzt, um Druck auf den gewünschten Transfer zum FC Barcelona auszuüben, und der Brasilianer Neymar sich in vergleichbarer Verhaltensweise nicht zum Übungsauftakt in Paris blicken lässt. 

Auch Neymar will unbedingt nach Barcelona, jenem selben Klub, gegen den er im Zusammenhang mit seinem irrwitzigen 222-Millionen-Euro-Wechsel zu Paris Saint-Germain vor zwei Jahren noch wegen einer ausgebliebenen Bonuszahlung von 26 Millionen Euro Klage erhoben hatte. Fast wäre man geneigt zu sagen: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.

Zur Erinnerung und Einordnung für uns alle: Die Herren Griezmann und Neymar bekommen von ihren Arbeitgebern nach Abzug aller Steuern zwischen 63.000 (Griezmann) und 82.000 Euro (Neymar) von ihren Arbeitgebern überwiesen. Täglich! Sage also niemand, das Business sei nicht vollkommen absurd überdreht. Die Spieler werden sozusagen dazu erzogen, sich in einer Parallelwelt umzutreiben, die mit der irdischen rein gar nichts mehr zu tun hat.

Tut sich Bayern München die Verpflichtung von Dembelé an?

Sonderbar mutet auch der Grad der Verzweiflung an, der den FC Bayern dazu treibt, sich im Fall einer Absage von Leroy Sané womöglich ernsthaft die Verpflichtung von Ousmane Dembelé anzutun. Das ist jener junge Mann, der sich seinerzeit von Borussia Dortmund zum FC Barcelona streikte und nach seinem Wechsel das gemietete Einfamilienhaus vollkommen vermüllt hinterließ. Aber der Brasilianer kann halt recht gut Fußball spielen, da werden die Mindestmaßstäbe an Sozialverhalten schon mal spürbar herabgesetzt. Es ist ein Jammer.

Apropos Sozialverhalten: Die Art und Weise, wie sich der Bayern-Kapitän Manuel Neuer via seines Beraters Thomas Kroth kritisch gegenüber seinem Arbeitgeber artikuliert zu haben scheint, ist mindestens irritierend, um nicht zu sagen: unverschämt. Dass Bayern-Boss Kalle Rummenigge tags darauf verlautbarte, es habe sich dabei keinesfalls um Neuers Meinung gehandelt, sondern ganz privat um die von Kroth, macht die Sache eigentlich nur schlimmer. Darf man in diesem Zusammenhang gar von Volksverdummung sprechen?

Denn es ist schier unvorstellbar, dass Kroth ohne Rücksprache mit seinem Klienten der „Süddeutschen Zeitung“ und dem „Kicker“ mal eben so dahersagt, dass der Klub sich bitte sputen solle beim einkaufen, andernfalls, so der Subtext, könne der Torwart sich überlegen, woanders hinzugehen. Wie man es auch dreht und wendet: Die Stillosigkeit des Vortrags der Partei Neuer/Kroth passt ins allgemeine Bild des Sittenverfalls.

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