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DFB-Schiedsrichter-Obmann Lutz Michael Fröhlich zog ein positives Fazit.

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Von wegen alles gut: Fußball-Schiedsrichter mit Sorgen vorm Saisonstart

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Schiedsrichterchef Lutz-Michael Fröhlich zieht ein rundum positives Fazit des Sommertrainingslager in Grassau. Das verwundert. Ein Kommentar.

Eine knappe Woche lang haben sich Deutschlands beste Schiedsrichter in einem schönen Hotel mit ausreichenden Sitzungssälen und angrenzendem Trainingsplatz in Grassau auf die kommende Spielzeit in den Bundesligen vorbereitet. Grassau ist recht weit ab vom Schuss, viele Reporter verlaufen sich dorthin nicht. Aber der „Bild“-Zeitung mit ihrem Schiedsrichterexperten vor Ort ist nicht verborgen geblieben, dass beim Leistungs-Sprinttest die Topleute Deniz Aytekin, Marco Fritz und Tobias Welz nicht fix genug unterwegs waren, um sechsmal 40 Meter unter sechs Sekunden zu schaffen. Bei der Intervallprüfung über längere Distanzen gab es drei weitere Kameraden aus dem Schiedsrichterwesen, diesmal drei Assistenten von der Linie, die die anspruchsvolle Messlatte rissen.

Weil zudem vier weitere Referees unpässlich waren – unter anderem die recht berühmten Bibiana Steinhaus und Manuel Gräfe – kam es zur Schlagzeile: „Chaos bei den Schiri-Tests“. Man kann über diese Zuspitzung gewiss debattieren. Das rundum erfreuliche Fazit, welches Schiedsrichterchef Lutz-Michael Fröhlich am Sonntag über die Agenturen vermittelte, verwunderte dann aber doch ein wenig. Da war ausschließlich die Rede von „positiver Energie“ für einen „guten Start“, von „Vorfreude und Motivation“.

Mutmaßlich werden die meisten der durchgefallenen Unparteiischen die Nachprüfung am 8. August bestehen, denn es gab den einen (Zehenbruch) oder anderen (Zerrung) nachvollziehbaren Grund für deren Scheitern oder Fehlen bei den Tests in Grassau. Aber einen gewissen Hang zum Schönreden hat die „Bild“ nicht ganz unbegründet festgestellt.

Dabei sind die Schiedsrichter intern auch sehr kritisch mit sich und vielen Situationen umgegangen, was sicher ein guter Ansatz ist. Denn gerade der anhaltende Ärger um den Videobeweis hat dazu geführt, dass das Image der Referees sich in Richtung der gedeckten Farben der Grundausrüstung eines Unparteiischen bewegt hat: grau bis schwarz. Das mag als nicht immer fair wahrgenommen werden, weil die wenigen schlechten die vielen guten Entscheide der Assistenten im Kölner Keller schluckten. Aber gerade die zum Teil hanebüchenen Handspielpfiffe haben dazu geführt, dass Spieler und Trainer die Schiedsrichter und deren neue Technik nicht mehr als Partner, sondern als Ärgernis wahrnehmen – keine gute Entwicklung.

Mit der Auslegung der Handspielregel haben sie sich in Grassau besonders intensiv beschäftigt, das Unbehagen der Klubs und Öffentlichkeit ist den Referees ja nicht verborgen geblieben und treibt sie zudem selbst um. Ob die Fachtagung zu Ergebnissen geführt hat, die einem professionellen Fußballspiel gerecht werden, wird sich ab 26. Juli zeigen. Dann beginnt die Zweitligasaison – erstmals mit Videobeweis. Die fußballferne Auslegung der Handspiele bei der Frauen-WM ließ nichts Gutes erahnen.

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