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Zwei Fußballtrainer im Podcast-Fieber: die Macher von „Steil-Klatsch“, Maik Rudolf (links) und Metin Yildiz.

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Stürmer, Stars und Stripclubs

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Der neue Fußball-Podcast „Steil-Klatsch“ beleuchtet mehr als nur die Amateurkickerei im Frankfurter Raum und glänzt mit prominenten Gästen.

An den genauen Wochentag kann sich der Profi nicht erinnern, nicht mal mehr an den Monat, liegt ja schließlich alles schon ein paar Jahre zurück, dieser nächtliche Besuch eines Frankfurter Stripclubs. Hoffentlich, sagt er lachend, sei es aber ein Tag gewesen, auf den am darauffolgenden kein Training anstand. „Jaja, das war bestimmt so“, fügt er noch an, „sonst hätten wir es ja auch nicht gemacht. Wir hatten nämlich schon ein bisschen viel getrunken.“ Er prustet los.

Patrick Ochs, ein waschechter Frankfurter Bub, ist gewiss niemand gewesen, der während seiner Karriere als Profifußballer häufig über die Strenge schlug. Durchzechte Nächte waren nicht sein Ding, „aber ab und an gehört es halt auch mal dazu“. Der einstige Eintracht-Spieler erzählte diese Geschichte vor einigen Wochen in dem neu erschaffenen Podcast: „Steil-Klatsch - der Rhein-Main-Fußballtalk“.

Eine knappe Stunde war der 36-Jährige, mittlerweile im Vorstand des Fünftligisten SC Hessen Dreieich tätig, zugeschaltet und da plauderte er über vergangene Tage bei der Eintracht, über seinen einstigen Wolfsburger Teamkollegen und heutigen Weltstar Kevin de Bruyne („Mein bester Mitspieler“) oder auch Webcam-Training für seine Dreieicher Amateurkicker in Corona-Zeiten.

Apropos Corona: Die durch die Pandemie ausgelöste Pause brachte Metin Yildiz, 44, und Maik Rudolf, 39, überhaupt erst auf die Idee, diesen Podcast ins Leben zu rufen. Seit Mitte April sind sie einmal pro Woche auf Sendung und profitieren dabei von ihrem großen Fußball-Netzwerk. So kickten Yildiz und Rudolf zum einen selbst jahrelang im Frankfurter Raum gegen den Ball, ehe sie jeweils wegen Knieverletzungen bereits mit 27, respektive 28 Jahren ihre Amateurlaufbahnen beenden mussten. Trainerjobs folgten prompt, Rudolf heuerte bei Concordia Eschersheim an, prägte später jahrelang die SG Bornheim und coacht mittlerweile den Verbandsligisten JSK Rodgau. Yildiz stieg derweil mit dem FSV Friedrichsdorf von der B-Klasse bis in die Gruppenliga auf, er werkelt in seiner 13. Saison für den Klub. „Wir lieben beide den Fußball“, sagt Yildiz. „Und brauchen“, ergänzt Rudolf, „auch das dumme Gebabbel drumherum.“ Die Idee des Fußball-Podcasts war geboren.

Wenn schon der Ball nicht rollen darf auf den hiesigen Sportplätzen, dann doch wenigstens über das Verbotene sprechen. So waren in den vergangenen Wochen neben Patrick Ochs auch weitere bekannte Fußballer als Interviewgäste zugeschaltet, die sich vor allem regional, aber auch überregional einen Namen gemacht haben.

Niko Arnautis zum Beispiel, der Trainer des Frauen-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt, der über jugendliche Wetten samt Aftershave auf seiner frischrasierten Glatze berichtete („Hoffe, meine Spielerinnen hören das nicht“). Oder Thomas Zampach, ebenfalls eine Eintracht-Größe vergangener Tage, der natürlich nicht an einer Anekdote über seine Nackedei-Ehrenrunde durchs Waldstadion 1998 vorbeikam („Heute würde ich dafür einen Unterhosen-Vertrag angeboten bekommen, wäre gleichzeitig aber vom DFB für ein halbes Jahr gesperrt“).

Demnächst sollen unter anderem Talks mit Thomas Brendel, dem Trainer des FSV Frankfurt, Saskia Matheis, einer Spielerin des 1. FFC, oder Bakary Diakité, Eintracht-Aufstiegsheld von 2003, folgen. „Wichtig ist aber, dass es auch immer um den Amateurfußball geht“, betonen Yildiz und Rudolf unisono, die daher gerne auch langjährige Vereinsbetreuer, Edelfans oder – ganz aktuell – den Vorsitzenden einen Kreissportgerichts zu Wort kommen lassen wollen. „Von Amateuren für Amateure“, lautet ihr Motto.

Der Podcast „Steil-Klatsch“, dessen Namensidee auf eine Passfolge im Fußball basiert, verbunden mit dem Kaffee-Klatsch, schaffte es einmal in den vergangenen Wochen gar unter die 20 meistgehörten Fußball-Podcast der Republik. Beachtlich. „Das war nicht unser Ziel, aber wir freuen uns natürlich, wenn das Feedback positiv ausfällt“, sagt Yildiz: „Ich glaube, wir haben den Zeitgeist getroffen.“

Wie lange die beiden ihren Podcast fortführen werden, wissen Yildiz und Rudolf nicht, schließlich kostet die Produktion auch eine Menge Zeit. Rund fünf Stunden schneidet Rudolf pro Folge das Endprodukt zusammen. Der Plan sei es aber, auch dann weiterzumachen, wenn wieder Zeit für Trainingseinheiten draufgeht, der Amateurfußball also wieder voll am Ball ist. Zumal Yildiz und Rudolf im Sommer 2021 noch ein Benefizspiel im Frankfurter Raum auf die Beine stellen wollen, mit prominenten Spielern. Alle bisherigen Gäste sagten jedenfalls ihre Teilnahme zu.

Übrigens: Den Anstoß für Patrick Ochs‘ Schilderungen des Streifzugs durchs Frankfurter Milieu hatte ein ebenfalls nicht ganz unbekannter Mann geliefert. Die „Granate aus Tschechien“, wie er sich bei einem Einspieler selbst scherzhaft bezeichnete, der frühere Eintracht-Stürmer Martin Fenin. „Wir hatten tolle Tage zusammen in Frankfurt“, sagt er zu Ochs. Und ganz offenbar auch ein paar verrückte Nächte.

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