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Dass bei einem Tor nun die Regel Hand ist Hand und Hand ist verboten gilt, wird Lucien Favre wahrscheinlich nicht so recht gefallen.

Fußball

Neue Regeln, alte Sorgen: Mehr Klarheit, mehr Verdruss

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Vom 1. Juni an gelten neue Fußballregeln. Am heftigsten sind dabei die Eingriffe in Sachen Handspiel. Ob’s hilft? ein Kommentar.

Der Fußball hat in seiner langen Geschichte schon Bewegenderes erlebt als jene Regelanpassungen, die vom 1. Juni an gelten (noch nicht allerdings beim Champions-League-Finale zwischen Tottenham und Liverpool). Alles musste erst einmal erfunden werden. Ohne die Cambridge-Regeln von 1848 zum Beispiel wäre Fußball heutzutage noch im Großen und Ganzen Rugby, und ohne die Vorschriften zur Spielbekleidung aus dem Jahre 1864 dürften die Spieler noch immer Mützen ohne Quasten tragen. Mag man sich ja gar nicht vorstellen.

Erst 1893 – die Jenaer Regeln – wurde festgelegt, dass Bäume und Sträucher auf dem Spielfeld verboten sind. Wobei die Frage erlaubt ist, ob jemand dem VfB Stuttgart Bescheid gesagt hat, der zwar im selben Jahr gegründet wurde, in der vergangenen Saison aber spielte, als würden sich die Profis im Training ständig in Johannisbeersträuchern verfangen.

Es kam das Abseits ins Spiel, die Auswechselung, Gelbe Karte, Rote Karte, 1963 wurde in Indien das Barfußspielen verboten, und, wie gesagt, verglichen all damit sind die anstehenden Veränderungen eher milder Natur. Aber bemerken wird man sie dennoch.

Künftig darf kein Tor per Hand/Arm erzielt oder vorbereitet werden

Am heftigsten sind die Eingriffe in Sachen Handspiel, wo die Regelhüter der Ifab (International Football Association Board) unbedingt für mehr Klarheit sorgen, indem sie festlegen: Künftig darf kein Tor per Hand/Arm erzielt oder vorbereitet werden, unabhängig von Absicht oder Armhaltung. Für alle anderen Fälle wird die ominöse „unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche“ in den Regeltext mit aufgenommen, wobei es weiter in der Flächen- und Körperinterpretation des jeweiligen Schiedsrichters liegt, was natürlich ist oder eben nicht.

An dieser Stelle wollen wir Lucien Favre zuschalten, den Trainer von Borussia Dortmund: „Das ist so lächerlich. Die Leute, die diese Regel erfunden haben, können nicht mehr in den Spiegel sehen. Das ist der größte Skandal in der Fußballgeschichte für mich. Das ist eine große Schande für den Fußball.“ Danke, Monsieur Favre.

Der BVB-Coach hat die Sätze Ende April nach dem 2:4 gegen Schalke 04 gesagt, als sein Team Opfer eines umstrittenen Handelfmeters wurde. Der Schweizer war immer schon der Meinung, dass bei Hand zu schnell auf den Punkt gezeigt wird. Dass bei einem Tor nun gar die Regel Hand ist Hand und Hand ist verboten gilt, wird Favre nicht gefallen, der nicht ganz zu Unrecht findet, dass Arm und Hand halt dran sind an so einem Körper. Die Ifab-Neuerung wird definitiv für mehr Klarheit sorgen, gleichzeitig aber auch für mehr Verdruss.

Bemerkenswert am neuen Regelwerk ist ansonsten, dass der Ball beim Abstoß nicht mehr zwingend den Strafraum verlassen muss. Der Satz „Der Schiedsrichter ist Luft“ gilt zudem nicht mehr, denn wenn der Unparteiische den Ball entscheidend ablenkt, wird das Spiel ab jetzt mit Schiedsrichterball fortgesetzt. Und: Spieler sind angehalten, den Platz bei ihrer Auswechselung an der nächstgelegenen Auslinie zu verlassen. So soll Zeitschinderei gemächlich quer über den Platz schleichender Profis vermieden werden. Gute Idee. Aber wenn die Quastenmütze wieder ins Gesicht gerutscht ist, dauert’s halt trotzdem mal länger.

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