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Bundestrainer erklärt sich

Joachim Löw und der DFB: Der Bundestrainer bricht sein Schweigen

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Ein Bundestrainer im Kampfmodus verteidigt sein Projekt und kritisiert die DFB-Führung in aller Deutlichkeit. Über eine Rückholaktion der drei Weltmeister redet Joachim Löw nicht.

  • Nach der 0:6-Pleite gegen Spanien nimmt Joachim Löw erstmals öffentlich Stellung.
  • Der Bundestrainer kritisiert in deiner Pressekonfernz den DFB.
  • Löw stellt das Projekt nicht grundsätzlich in Frage.

Schon die Farbe des Rollkragenpullovers, der sich bald auch die Wangen anpassten, gab die Botschaft vor: Joachim Löw hatte in seiner 61 Minuten währenden Pressekonferenz in den Selbstverteidigungsmodus geschaltet. Jeder soll sehen: Derselbe Fußball-Bundestrainer, der im Herbst noch grau und schlapp gewirkt hatte, geht kampfbereit in das EM-Jahr 2021.

Joachim Löw: Klare Kante gegen die Verbandsführung

Den Knockdown vor knapp drei Wochen beim 0:6 in Spanien hat der 60-Jährige nicht nur unversehrt überstanden. Die Tonlage des Südbadeners klang deutlich klarer, deutlich hochdeutscher zudem, als noch in der Länderspielphase. Kein „irgendwie“, kein „irgendwo“, kein „eigentlich“ schlich sich ins Vokabular, stattdessen: klare Kante. Es schaut verdächtig danach aus, als sei ein neues Kraftfeld in Joachim Löw erwachsen: der Löwe in Löw.

Kämpferisch: Joachim Löw.

Der Mann lässt sich so schnell nicht unterkriegen. Nicht von den Demoskopen, nicht vom eigenen, schauderhaft zerrissenen Verband, und auch nicht von desaströsen Niederlagen. Es dauert halt nur traditionell ein bisschen länger, bis das einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wird. Montag, unmittelbar vor der WM-Qualifikationsauslosung, war es dann endlich so weit.

Joachim Löw hat sich „wahnsinnig geärgert“

Löw saß gemeinsam mit Pressesprecher Jens Grittner vor einer Werbewand mit den DFB-Sponsoren, 35 Medien waren per Zoom-Konferenz zugeschaltet, die Fragen gerieten von einfühlsam bis kritisch, und der ewige Bundes-Jogi ging keiner aus dem Weg. Besonders deutlich wurde er in seiner Kritik an den Vorgesetzten im Verband. Dass in den vergangenen Wochen immer wieder Interna an die Presse durchgesteckt worden waren, habe ihn „wahnsinnig geärgert“ und „maßlos enttäuscht“. Mit Präsident Fritz Keller hat er deshalb ein klärendes persönliches Telefongespräch geführt, nachdem er bereits im Präsidium seinen Unmut sehr deutlich kundgetan hatte.

Denn der Machtkampf in der Führungsspitze zwischen Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius hatte sich ja nun auch unmittelbar auf den Bundestrainer ausgewirkt. Löw fühlte sich nicht ausreichend geschützt. „Ich erwarte ein klares Bekenntnis oder eben nicht. Kein ,Vielleicht`, das hat mich gestört.“ Die DFB-Pressemitteilung, er benötige „emotionale Distanz“, sei für ihn „unverständlich“ gewesen. „Ich hatte gesagt, ,gebt mir einen Tag, dann bin ich zu jeglichem Gespräch bereit.“

Liga-Boss Christian Seifert: Mahnung an den DFB

Umso irritierter hatte die Gemengelage im Verband Löw zurückgelassen: „Ich wünsche mir Geschlossenheit und Vertrauen.“ Diesen Wunsch äußerte fast zeitgleich auch der Chef der Deutschen Fußball-Liga, Christian Seifert. Der mächtigste Mann im deutschen Fußball schloss die Pressekonferenz zur Verteilung der künftigen TV-Erlöse mit einer unmissverständlichen Botschaft an die Kollegen im Dachverband: „Generell wünsche ich dem DFB, dass er aus sich heraus zur Ruhe findet und das unwürdige Schauspiel an Illoyalität eine Ende findet.“ Er befindet sich dabei sehr nah an der generellen Linie des Bundestrainers: „Es herrscht Explosionsgefahr in mir, wenn Dinge nach draußen gehen, die nicht nach draußen gehören. Ich bin damit großgeworden, dass Dinge, die intern sind, auch intern bleiben.“

Das 0:6 in Sevilla dagegen war eine sehr externe Angelegenheit. Löw stellt das Projekt deshalb nicht grundsätzlich in Frage, dabei bleibt er: „Wir sind vom Umbruch absolut überzeugt“, wiewohl „die Entwicklung 2020 ein bisschen stehengeblieben“ sei. Das Vertrauen in seine Auserwählten sei „absolut vorhanden“, auch wenn die Wut über die Blamage in Spanien „immer noch persönlich in mir brodelt“.

Joachim Löw: Corona-Blase „bedrückend“

Die beunruhigende Art und Weise der Niederlage, ließ Löw durchklingen, könnte auch im Zusammenhang mit der nervlichen Situation zu tun gehabt haben. Beim vorherigen Gegner Ukraine waren diverse Corona-Erkrankungen nachgewiesen worden, der ständige Abstand in der „Blase“ dazu dann die Reise ins Hochrisikogebiet, „es war nicht einfach, jeder von uns hatte großen Respekt und auch Angst“, die Situation sei „bedrückend“ gewesen. „Das hat die Spieler massiv beschäftigt.“

Interpretationen, er sei zuletzt zusehends amtsmüde geworden, wies Löw zurück: „Ein Trainer ist immer in der Lage zu kämpfen, er habe seine Motivation nie verloren, er spüre, dass er die Mannschaft nach wie vor erreiche.

Am vielkritisierten Mittelfeldspieler Kroos bestehe kein Zweifel: „Über seine Qualität müssen wir hier nicht reden.“ Es seien ausreichend Spieler im Kader, die Führung übernehmen können. Löw erwähnte neben Kroos und Kapitän Manuel Neuer konkret den zuletzt verletzt fehlenden Joshua Kimmich, zudem Leon Goretzka und Ilkay Gündogan. Zu einer möglichen Rückkehr der im Frühjahr 2019 aussortierten Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller stellte er fest: Wenn er bei der Nominierung im kommenden Mai zu dem Schluss komme, die Mannschaft brauche Energie, werde er „im Sinne des Erfolges alles Erdenkliche tun“. Im Moment sehe er dazu „keinen Anlass“.

Rubriklistenbild: © Thomas Boecker/DFB/dpa

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