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Fußball mit Herz von Englands Frauen

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Von: Frank Hellmann

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Englands Spielerinnen jubeln über das Tor zum 4:0.
Englands Spielerinnen jubeln über das Tor zum 4:0. © dpa

Begeisterung auf der Insel über die formidable Leistung der eigenen Mannschaft nach dem Halbfinale gegen Schweden. Ein Kommentar.

Nirgendwo schlägt der Puls des Fußballs so authentisch wie in einem englischen Pub. Insofern ist „The Watermans Arms“ im Londoner Westen, nur eine Viertelstunde Fußweg bis zur Heimstätte des Erstligisten FC Brentford entfernt, ein guter Seismograph für die Stimmung bei dieser Frauen-EM. Dort haben am Dienstagabend die Stammgäste im kleinen Wintergarten gesessen, um sich am Halbfinale der „Three Lionesses“ zu ergötzen.

Am Ende sind alle aufgestanden und haben „Standing Ovations“ gespendet. Für englische Fußballerinnen, die in Sheffield mal eben die Schwedinnen mit 4:0 überrollten. Kann man noch viel besser spielen, als die famose Beth Mead oder die fantastische Lucy Bronze, die ihre Topleistungen im Tollhaus Bramhall Lane mit den Toren zum 1:0 und 2:0 krönten? Kann es einen fabelhafteren Hackentrick geben, als jenen, die die formidable Alessia Russo zum 3:0 aufführte? Dass das 4:0 der fleißigen Fran Kirby einem Fehlgriff der Torhüterin Hedwig Lindahl entsprang? Geschenkt!

Die Mentalität und Qualität des von der Niederländerin Sarina Wiegman so unglaublich zielgerichtet gecoachten Ensembles ist titelreif. Wenn jemand England mit der ersten internationalen Fußballtrophäe seit 1966 beglückt, dann also die Frauen. Sie sollen am Sonntag beim Finale in Wembley, wo sonst bitte, die Krönung vollbringen. Prinz William hat gleich mal eine Danksagung übermittelt. „Das ganze Land ist so stolz auf alles, was ihr erreicht“, schrieb der britische Thronfolger.

Es ist das besondere, dass sich auch viele Menschen mitreißen lassen, die lange nur Männerfußball geschaut haben. So wie eben die älteren Damen und Herren in Brentford, die eine Dauerkarte für die am übernächsten Wochenende beginnende Premier League-Saison besitzen und dafür wieder weit mehr als 1000 Pfund ausgegeben haben. Sie sagen jetzt, dass sich die Männer-Profis endlich was von den EM-Frauen abschauen sollen. Dass man nämlich auch ohne lange Debatten mit dem Referee und leidiges Herumwälzen auf dem Rasen ein Spiel bestreiten kann. Und was sie sich der schrullige Besitzer vom Watermans Arms noch wünscht: Dass beim Gastspiel von Leeds United nicht die trinkfesten Gesellen wieder drohen, das Inventar zu verwüsten, nur weil ihr Lieblingsklub ein Auswärtsmatch verloren hat. Ist doch nur der Fußball. Und der kann wunderschön unterhaltsam und verbindend sein. Bei Männern wie Frauen.

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