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Mit dem Bullenlogo unterwegs: Der gebürtige Münchner Karim Adeyemi.

Bundesliga

RB Leipzig: Der subtile Angriff auf die Spitze der Bundesliga

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RB Leipzig hat sich eine geschickte Taktik zurechtgelegt, den FC Bayern zu ärgern - ein Talent wird zum Symbol der Attacke auf den Branchenführer.

Traumverein FC Bayern? Rückkehr nach München? Als Karim Adeyemi vergangenen Freitag im Besenbinderhof von Hamburg auf der Bühne stand und vor Ehrengästen wie dem designierten DFB-Präsidenten Fritz Keller über seine Zukunft sprechen sollte, druckste der 17-Jährige ein bisschen herum. „Kommt drauf an“, sagte der gerade mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnete Junioren-Nationalspieler, aber er klang keineswegs so, als würde ihn diese Aussicht begeistern. Schließlich hat er schon in der Nachwuchsabteilung des FC Bayern gespielt, die er nach einer disziplinarischen Verfehlung im Alter von zehn Jahren verlassen musste.

Aufnahme fand der Sohn eines nigerianischen Vaters und einer rumänischen Mutter bei der SpVgg Unterhaching, wo sich Präsident Manfred Schwabl persönlich um den Rohdiamanten kümmerte. Vergangenen Sommer buhlte bereits halb Europa um den minderjährigen Kicker, der in Erscheinung und Spielweise an Jadon Sancho (Borussia Dortmund) erinnert. 

Doch nicht der FC Chelsea, Atletico Madrid oder FC Liverpool machten das Rennen, sondern der FC Salzburg. Für drei Millionen Euro Ablöse – Rekord in dieser Kategorie – heuerte das Toptalent in der Red-Bull-Welt an und spielt gerade für das Farm-Team FC Liefering, zweite Liga Österreichs. Der Weg könnte aber sehr schnell nach Leipzig in die deutsche Bundesliga führen. Und somit verkörpert ein hochbegabter Dribbler das Wettrennen, das sich RB Leipzig und Bayern München zum Spitzenspiel am Samstag* (18.30 Uhr) längst hinter den Kulissen liefern.

Leipzig will die Bayern überholen, stapelt aber weiter tief

Es wäre der Coup, würde ein gebürtiger Münchner der nächste Trumpf der Roten Bullen. Den Vorstoß ins diesjährige DFB-Pokalfinale wehrte der Branchenprimus noch sehr kaltschnäuzig ab. Die 0:3-Lehrstunde wurde indes eher als Ansporn verstanden. Dabei kommt die RB-Führungsriege ohne verbale Kraftmeierei aus. Vorstandschef Oliver Mintzlaff äußerte sich erst vor dem Pokal-Endspiel so: „Was Gehälter und Ablösen angeht, werden wir nicht in der nächsten, nicht in der übernächsten Saison und auch nicht in fünf Jahren gleichziehen.“

Doch in anderen Bereichen ist das Überholmanöver längst in vollem Gange. Diesen Sommer wechselten drei ausländische Toptalente an den Cottaweg. Der Engländer Noah Ohio, der Däne Gustav Grubbe und der Spanier Hugo Novoa, alle erst 16 Jahre alt. „Sie sollen hier den nächsten Schritt machen“, erklärt Mintzlaff. Und von den Vorzügen des Trainingszentrums profitieren, das bei der Analyse, bei der Ernährung oder bei der Betreuung Maßstäbe setzt. Als Mastermind Ralf Rangnick durchs hochmoderne Trainingszentrum führte und die wissenschaftlichen Ansätze erklärte, teilte er subtile Spitzen Richtung München aus – wollte aber nicht zitiert werden. Die Strategie scheint eher auf einen Überfall aus dem Hinterhalt ausgerichtet. So wie der Umschaltfußball Markenkern bleiben und von Nagelsmann behutsam um die Komponente Ballbesitz verfeinert werden soll.

Bayern München: Hochachtung und Spitzen in Richtung Leipzig

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sieht in dem vor zehn Jahren aus der Taufe gehobenen RB-Gebilde „grundsätzlich eine Bereicherung für die Bundesliga“. Seine Nationalspieler bezeugten ihre Hochachtung mit feinen Spitzen am Rande der Länderspiele. Serge Gnabry flüsterte in Belfast dem Linksverteidiger Marcel Halstenberg, er werde auch den Leipzigern „einen reinhauen“. Manuel Neuer empfahl Nationalmannschaftskollege Timo Werner, sich im Spitzenspiel „ein bisschen rauszunehmen.“

Der 23-Jährige hatte mit seiner Aussage, in der Bundesliga käme bei einem Wechsel nur ein Klub infrage, selbst die Lunte für eine Luftveränderung gelegt. Aber weil die Bayern offenbar gar nicht um den Torjäger mit den schnellen Beinen buhlten, verlängerte Leipzig den Vertrag langfristig. Als Zeichen, dass der sportliche Wettstreit trotz wirtschaftlicher Unterschiede angenommen wird. Mit ihrem Rekordumsatz von 750 Millionen Euro sind die Bayern in anderen Sphären unterwegs. Leipzig steuert mit der Champions-League-Teilnahme jetzt auf 300 Millionen zu. 2017/2018 lag das gesamte Budget bei 246 Millionen, Größenordnung Bayer Leverkusen.

Aber das Limit setzt sich der Brauseklub schon selbst. Nagelsmann will in seiner Zeit mindestens einen Titel gewinnen. Vielleicht wird auch Adeyemi noch dabei helfen. Sein Traum sei es, sagte er, „eines Tages in einer der besten Ligen der Welt und für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen.“ Er muss sich nur an den früheren Preisträgern seiner Altersklasse orientieren. Neben Werner oder Leon Goretzka steht auch Mario Götze in der Liste der goldenen Gewinner. Auch der würde zum FC Bayern wohl kein zweites Mal wechseln.

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