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Die ersten Schritte für die Bayern: 80-Millionen-Mann Lucas Hernández (rechts).

Gehälter

Fußball-Gagen und Ablösen: Der Millionen-Wahnsinn

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Die Preisspirale bei Gehältern und Ablösen in der Bundesliga dreht sich immer weiter.

Max Eberl erinnert sich beinahe mit Erheiterung an seine Anfänge als Manager zurück. Bevor der gebürtige Niederbayer vor knapp elf Jahren den Posten des Sportdirektors bei Borussia Mönchengladbach übernahm, hatte Eberl als Nachwuchskoordinator am Niederrhein gearbeitet. Unschätzbare Erfahrungen, wie der 45-Jährige sagt, „alles eine Nummer kleiner – und ein paar Nullen weniger“. Mittlerweile ist Mönchengladbachs Macher nahezu gezwungen, die schwindelerregende Preistreiberei im Profifußball mitzumachen, will die Fohlenelf nicht national und international den Anschluss verpassen.

Eberl stellt gravierende Veränderungen fest. „Die Zahlen sind in den vergangenen fünf, sechs, sieben Jahren viel größer geworden“, sagte er kürzlich bei einer Gesprächsrunde mit dem Fachmagazin „Kicker“. Heutzutage würden die Verhandlungen ganz anders geführt als früher. Ein Beispiel: „Ein Spieler mit noch einem Jahr Vertrag, der könnte fünf Millionen kosten. Der Berater sagt auch: Für fünf müsste man das hinkriegen. Und der abgebende Verein sagt dann: Wir wollen 15 Millionen. Dann sind es statt drei auf einmal zehn Millionen Unterschied.“ Heraus kommt dann, was in der Bundesliga fast schon die Regel geworden ist: eine achtstellige Ablösesumme.

685 Millionen Euro investiert

Aktuell haben allein 20 Spieler mehr als zehn Millionen Euro gekostet. Die Preissteigerungen treiben immer wildere Blüten. Der österreichische Nationalspieler Xaver Schlager kostet den VfL Wolfsburg mal eben 15 Millionen Euro. Eine vergleichbare Summe blätterte Bayer Leverkusen für das französische Talent Moussa Diaby hin. Für den dänischen U21-Nationalspieler Robert Skov bezahlte die TSG Hoffenheim klaglos auch rund zehn Millionen Euro. Wohlgemerkt nicht für die Spieler aus dem oberen Regal des Sortiments.

Die Bundesliga hat nach aktuellem Stand laut dem Portal transfermarkt.de rund 685 Millionen Euro für Einkäufe ausgegeben. Weit mehr als die Hälfte floss davon in internationale Zugänge – so viel wie nie zuvor. Im Gegenzug haben Verkäufe rund 520 Millionen Euro eingebracht. Wohin führt das noch?

Schon vor Jahren warnte Heribert Bruchhagen, damals noch Vorstandschef bei Eintracht Frankfurt, vor einer solchen Entwicklung mit dem prägenden Satz: „Die Flut hebt alle Boote.“ Damit war auch das Boot der Spielergehälter gemeint, da die Marktwerte der Spieler bei einem Transfer erheblich steigen. Von den vor allem über die Medienerlöse generierten Mehr-einnahmen profitieren in erster Linie die Akteure und deren Agenten.

Als die Deutsche Fußball-Liga (DFL) im Frühjahr die Finanzkennzahlen der Bundesliga aus der Saison 2017/2018 beziehungsweise dem Kalenderjahr 2018 offenlegte, waren darin auch die Auszahlungen für Spielerberater enthalten. Summa summarum flossen 205 Millionen Euro an die Vermittlerdienste. Der Jahresumsatz eines gehobenen Erstligisten. Geht’s noch?

Vor sieben Jahren leistete sich die Liga gerade einmal sechs Transfers für einen zweistelligen Millionenbetrag, der einem Verein wie Eintracht Frankfurt als unüberwindbare Schallmauer erschien. Teuerster Deal vor sieben Jahren: Der Wechsel von Javier Martínez zum FC Bayern für 40 Millionen Euro. Damals neue Rekordablöse. Heute gelten die 80 Millionen Euro, die der Branchenführer für Weltmeister Lucas Hernández ausgab, gemessen an internationalen Maßstäben als handelsüblich. Borussia Dortmund blättert dreimal je rund 25 Millionen Euro hin, um sich mit Thorgan Hazard, Nico Schulz und Julian Brandt auf den Flügeln zu verstärken.

Auch Eintracht Frankfurt profitiert

Die Bosse Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern) und Hans-Joachim Watzke (BVB) haben sich das Wehklagen fast abgewöhnt. Im Umkehrschluss profitieren deutsche Vereine bei Verkäufen ja auch von opulenten Summen, die vor allem aus der englischen Premier League in den Markt gepumpt werden. Am Ende der Nahrungskette lauern die Global Player und die meisten englischen Vereine. Nur fressen die Großen die Kleinen jetzt immer schneller. Eintracht Frankfurt hat für seine Torgaranten Luka Jovic und Sebastien Haller daher mehr als 100 Millionen Euro Entschädigung genommen - und spült das meiste Geld umgehend wieder in den Markt.

Transfers sind als Einnahmequelle inzwischen wichtiger als die Eintrittsgelder. Im Vorjahr kosteten die neuen Spieler am Ende 839 Millionen Euro und machten 22,6 Prozent der Ausgaben aus. Gut möglich, dass die Bundesliga bei Transferschluss am 2. September eine Rekordsumme investiert hat.

Eberl hat gerade vom französischen Pokalsieger Stade Rennes den Linksverteidiger Ramy Bensebaini verpflichtet. Der algerische Nationalspieler soll neun Millionen Euro gekostet haben. Fast der normale Anschaffungspreis für einen Profi mit ein bisschen Entwicklungspotenzial.

Die Top-Transfers

Die teuersten Transfers der Bundesliga (Ablöse in Millionen Euro)

1. Lucas Hernández (FC Bayern)

80

2. Benjamin Pavard (FC Bayern)

35

3. Kerem Demirbay (Leverkusen)

32

4. Mats Hummels (Dortmund)

30,5

5. Thorgan Hazard (Dortmund)

25,5

6. Nico Schulz (Dortmund)

25,5

7. Julian Brandt (Dortmund)

25

8. Paco Alcácer (Dortmund)

21

9. Dodi Lukebakio (Hertha BSC)

20

10. Ademola Lookman (RB Leipzig)

18

Quelle: transfermarkt.de

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