Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

DFB-Präsidentin? Katja Kraus, Geschäftsführende Gesellschafterin Jung von Matt/Sports, schließt das nicht aus. Foto: Imago Images
+
DFB-Präsidentin? Katja Kraus, Geschäftsführende Gesellschafterin Jung von Matt/Sports, schließt das nicht aus.

Beteiligung

Fußball: Forderung nach Frauenquote und die „perfekte Kandidatin“

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Neun Fußball-Expertinnen legen ein Positionspapier vor und wollen eine Frauenquote in Verbänden und Klubs. Wird eine von ihnen vielleicht sogar den DFB aus der Krise führen?

Zunächst schickten sie sich nur hin oder wieder Whatsapp-Nachrichten, SMS oder Emails. Der Unmut über fehlende Geschlechtergerechtigkeit oder mangelnde Beteiligung an den Entscheidungsprozessen im kriselnden Profifußball bestand bei neun prominenten Frauen schon länger. Nun konfrontieren sie den deutschen Fußball mit acht Forderungen. Es geht um Gleichheit, die Unterstützung von Frauen im Berufsfeld Fußball und die angemessene Anerkennung Fußball spielender Frauen. Und sie wollen mitreden: Es könne nicht sein, dass immer noch mehr als 90 Prozent der wichtigen Positionen von Männern besetzt sind.

„Die Vielfalt der Spieler:innen auf dem Platz und bei den Menschen, die sich für den Fußball begeistern, spiegelt sich nicht in seinen Führungsgremien wider“, heißt es in einem Positionspapier, das Almuth Schult (Torhüterin beim VfL Wolfsburg), Bibiana Steinhaus (Schiedsrichterin), Claudia Neumann (ZDF-Kommentatorin), Gaby Papenburg (Präsidentschaftskandidatin für den Berliner Fußball-Verband), Helen Breit (Vorsitzende der Fanorganisation „Unsere Kurve“), Jana Bernhard (Geschäftsführerin der Sponsorenvereinigung S20), Katja Kraus (Geschäftsführerin Jung von Matt Sports), Katharina Kiel (Geschäftsführerin talentzone) und Sandra Schwedler (Aufsichtsratsvorsitzende FC St. Pauli) gezeichnet haben.

Kann eine der Expertinnen den DFB aus der Krise führen?

„Der Fußball funktioniert bislang nach eigenen Regeln, und es gibt jetzt erstmals Druck von außen. Den wollen wir erhöhen“, erklärte Katja Kraus in der „Zeit“ den Vorstoß. Die Unternehmerin und Buchautorin, dreifache Mutter und frühere Nationaltorhüterin kritisierte wiederholt die Funktionärsebene im Fußball als „hermetisches System, das sich um sich selbst dreht und auch sich selbst nährt.“ Ist die in Hamburg lebende 50-Jährige vielleicht sogar diejenige, die den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus seiner Krise führt? Sie habe eigentlich „keine Ambitionen“ auf das Amt, würde sich aber genau anschauen, unter „welchen Umständen und vor allem in welchen Konstellationen“ sie Verantwortung übernehmen könnte. Laut Papenburg wäre Kraus „die perfekte Kandidatin“.

Vielleicht will in Wahrheit niemand aus dem Neuner-Zirkel den DFB-Job, aber dass allein diese Drohkulisse für manch einen um seine Pfründe bangenden Funktionär im Raum steht, der sich in heiklen Situationen meist auf seine Männerfreundschaften verlassen konnte, gefällt der Runde der Vorreiterinnen.

Ex DFB-Präsident Fritz Keller forderte zum Abschied Diversität

Der gerade zurückgetretene Präsident Fritz Keller schlug in seiner Abschiedserklärung einen „auf Vertrauen und Zuverlässigkeit aufbauenden Führungsstil, insbesondere unter Einbeziehung von Diversitätsgedanken“ vor. Weil Frauen vermutlich nicht ein solches Ränkespiel aufgeführt hätten wie jene Männer, die sich unter dem DFB-Dach monatelang schlimmer bekämpft haben als halbstarke Jungs auf dem Pausenhof.

Erschreckend empfanden es die Initiatorinnen, dass der Verband der ohnehin nur als Videoassistentin tätigen Bibiana Steinhaus nahegelegt habe, sich doch sehr genau zu überlegen, ob sie Teil einer solchen Initiative sein will. Erstaunlich empfand Katja Kraus diesen Vorgang, „wir sind schließlich keine terroristische Zelle, sondern Frauen, die sich für Geschlechtergerechtigkeit engagieren.“

Expertinnen fordern 30 Prozent Frauen im DFB und in Profi-Fußballvereinen

Ihre Forderung: 30 Prozent Frauen in Präsidium, Vorstand und Geschäftsführung bei Verbänden bis 2024, aber auch in Aufsichtsräten eines jeden Profivereins zu installieren. Jeder Klub soll bis dahin im Vorstand oder in der Geschäftsführung mindestens eine Frau haben. „Mit den von uns angestrebten mindestens 30 Prozent sind wir da noch relativ niedrig rangegangen. Doch selbst 30 Prozent übersteigen die Vorstellungskraft von vielen“, sagt die frühere Moderatorin Gaby Papenburg.

Verlangt werden zudem Programme zur Chancengleichheit, Gehaltstransparenz, bessere Rahmenbedingungen, eine geschlechtergerechte Sprache auf allen Ebenen des Fußballs und eine konsequente Sanktionierung jeder Form von Sexismus und Diskriminierung.

Gleichberechtigung im Sport: Studie spricht von „verheerendem Zustand“

„Der wirtschaftliche und kulturelle Nutzen gemischtgeschlechtlicher Teams ist in der Arbeitswelt hinlänglich nachgewiesen“, heißt es in dem Papier weiter. Einzelne Protagonistinnen wie die DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg, die DFB-Direktorin Heike Ullrich oder die innerhalb der Uefa zur Abteilungsleiterin Frauenfußball aufgestiegene Ex-Nationalspielerin Nadine Keßler würden häufig als Argument genutzt, dass erfolgreiche Karrieren für Frauen durchaus möglich sind. „Aus der Exotik entsteht allerdings keine Kraft. Und auch kein struktureller Unterbau“, warnt die Initiative. Es gebe viele Frauen, „die die Kompetenz, die Erfahrung und die Integrität mitbringen, um Führungspositionen zu übernehmen.“ Ihnen müsste endlich die Chance gegeben werden, sich zu beweisen.

Nach der Studie „Equal Play 2019“ würde die Hälfte der im Sport beschäftigen Frauen aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt. „Das ist ein verheerender Zustand, den es unmittelbar zu verändern gilt“, hält das Positionspapier fest.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare