Eigentlich hätte dieser Tage die Fußball-EM starten sollen.
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Eigentlich hätte dieser Tage die Fußball-EM starten sollen.

Fußball-EM

Wege um Rom herum

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die Verlegung der Fußball-EM ins nächste Jahr birgt große Probleme für Spielorte und Europäische Fußball-Union.

Das Olimpico, wie die Bewohner Roms ihre weitläufige Betonschüssel nennen, mag in die Jahre gekommen sein, doch auf die Idee, das seit der Eröffnung 1953 mehrfach renovierte Olympiastadion auf die Schnelle abzureißen, wie es mit dem berühmten San Siro in Mailand passieren soll, ist trotzdem noch keiner gekommen. Zu viel Fußballgeschichte ist mit diesem Schauplatz verwoben. Das nächste Kapitel hätte an diesem Freitag mit dem Eröffnungsspiel der Europameisterschaft 2020 aufgeschlagen werden sollen. Denn eigentlich war vorgesehen, dass Italien gegen Türkei um 21 Uhr Ortszeit die paneuropäische Premiere startet.

Eine interessante Konstellation für das gewagte Versuchsprojekt, ein inzwischen auf 24 Teilnehmer aufgestocktes Event gleich über zwölf Spielorte zu verteilen. Von Baku über Bukarest bis Bilbao, von München über Kopenhagen bis St. Petersburg sollte es gehen, ehe die Finalwoche in London den nächsten Europameister ermittelt. So zumindest war alles geplant, ehe das Coronavirus kam. Aber: Das Turnier, selbst wenn es in nur einem Land veranstaltet worden wäre, hätte angesichts der Ansteckungsgefahr so oder so nicht stattfinden können.

Gibt es weniger Spielstätten?

Am Mittwoch und Donnerstag kommender Woche tagt nun auf virtuellem Wege das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (Uefa), und neben den drängenden Fragen, wann und wo es mit den unterbrochenen Vereinswettbewerben in Champions League und Europa League weitergeht, wird vor allem besprochen, ob die 16. EM-Auflage mit 51 Spielen wirklich eins zu eins vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 nachgeholt werden kann. Mit denselben Teilnehmern, denselben Gruppen, das schon, aber es zeichnet sich ab, dass es nicht dieselben Spielorte sein werden.

Während München schnell die Zusage für die drei Gruppenspiele plus Viertelfinale gab – dort hätte die deutsche Nationalmannschaft in der Vorrunde gegen Frankreich, Portugal und den noch nicht ermittelten Playoffsieger gespielt –, wackeln andere Kandidaten. Vor allem aus Bilbao und Baku, aber auch aus Rom kommen keine klaren Signale, wie sie beispielsweise Städte wie Glasgow, Amsterdam oder Kopenhagen bereits entsandt haben.

Die Uefa hält sich in der Kommunikation sehr stark zurück, doch Präsident Aleksander Ceferin deutete an, dass eine Reduzierung sehr wahrscheinlich wird. „Prinzipiell ist die Idee, dass wir bei den gleichen Städten bleiben. Mit neun Städten ist alles geregelt. Bei drei Städten haben wir einige Probleme, daher werden wir weiter diskutieren“, sagte der Slowene kürzlich, der von Anfang an mit der Philosophie von einer über den Kontinent verteilten Veranstaltung nie richtig glücklich wirkte. Großer logistischer Aufwand, niedriger finanzieller Ertrag. Vier Zeitzonen, zehn Sprachen und sieben Währungen machen vieles kompliziert. Von der Klimaschädigung eingedenk der Reisebewegungen Zehntausender ganz zu schweigen.

Ob das uneingeschränkte Städte-Hopping nicht nur für die Mannschaften, sondern auch für die Massen an Fans im nächsten Sommer wirklich möglich ist und Zuschauer uneingeschränkt auf den Tribünen Platz finden – das alles weiß niemand so genau. Die Pandemie bringt die Probleme wie unter einem Brennglas hervor. Viele Anhänger, Journalisten und auch Volunteers hatten vorausschauend viele Flüge und Unterkünfte gebucht und bezahlt – und bleiben nun wohl auf den Kosten hängen. Gerade Billig-Airlines weigern sich bei den Rückerstattungen beharrlich. Apartment-Besitzer in Budapest – dem zweiten Spielort der Gruppe – schreiben zurück, dass sie aus Kulanz gerade noch eine Umbuchung für denselben Zeitraum ins nächste Jahr akzeptieren könnten. Geld gibt es jedoch keinesfalls zurück. Vorteil könnte sein, dass Austragungsorte wie die ungarische Hauptstadt nun nicht mehr nur mit vier Partien beteiligt werden, sondern sogar noch auf eine fünfte oder sechste Paarung hoffen können. Wenn nämlich Rom eingedenk der immer noch unsicheren Corona-Entwicklung beim neuen Anlauf 2021 nicht mehr mitspielen will.

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