Kontrastprogramm in Hamburg: Holland freut sich, DFB-Keeper Manuel Neuer grmät sich. Bild: Reuters

EM-Qualifikation

Rückschlag auf dem Weg zur EM: Deutschland verliert gegen die Niederlande

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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kassiert in Hamburg einen Dämpfer: Beim 2:4 hat die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw der niederländischen Klasse nach der Pause wenig entgegenzusetzen.

Es ist ja nicht verkehrt, wenn die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft eine ähnlich langfristige Zielsetzung verfolgen wie der Bundestrainer. Joachim Löw hatte gerade erst den Blick bis zur EM 2024 schweifen lassen, nun hing im Volksparkstadion an der Hintertortribüne eine Botschaft, die Bezug auf die EM 2020 nahm: „Von Hamburg über München bis nach London“. Doch der Weg bis dahin ist vielleicht doch weiter als gedacht. Die DFB-Auswahl hat mit einer nicht unverdienten 2:4 (1:0)-Niederlage gegen die Niederlande den ersten Dämpfer in der EM-Qualifikation erhalten.

Nach dem früheren Führungstor von Serge Gnabry (10.) drehten Frenkie de Jong (59.) und ein Eigentor von Jonathan Tah (66.) die Partie. Toni Kroos glich mit einem umstrittenen Handelfmeter zwar aus (73.), doch der eingewechselte Donyell Malen (79.) und Georginio Wijnaldum (90.+1) nutzten die spielerische Überlegenheit zur Entscheidung an einem wieder mal unterhaltsamen Fußballabend. Deutschland scheint unter dem Strich von der Weltspitze aber vielleicht doch noch weiter entfernt als sich viele nach dem 3:2-Erfolg gegen den Erzrivalen in Amsterdam erhofft hatten.

DFB-Auswahl postiert sich tiefer als gewohnt

Bundestrainer Joachim Löw hatte die erwartete Formation im 44. Klassiker gegen die Oranjes aufgeboten: Vor einer Dreierkette mit Jonathan Tah, Matthias Ginter und Niklas Süle besetzten Lukas Klostermann und Nico Schulz die Außenbahnen, Joshua Kimmich und Toni Kroos das zentrale Mittelfeld, während der Dreiersturm mit Timo Werner, Marco Reus und Gnabry alle Freiheiten genießen sollte. Neu war insofern, dass Löws Ensemble gegen einen früh pressenden Gegner gar nicht darauf erpicht war, die Kontrolle auszuüben. Die DFB-Elf postierte sich tiefer als gewohnt, um dann im hohen Tempo umzuschalten.

Gleich mit dem ersten Angriff konnte die neue Tor-Jingle von „Kernkraft 400“ – ein Dancefloor-Stampfer von vor 20 Jahren – eingespielt werden: Kimmich hatte eine Klassepass auf Klostermann geschlagen, der mit der unverhofften Möglichkeit erst wenig anfangen konnte, doch den Abpraller brachte Gnabry gekonnt im Tor unter. Als wollte der 24 Jahre alte Offensivallrounder vom FC Bayern beweisen, warum ihm der Bundestrainer tags zuvor eine Einsatzgarantie („Gnabry spielt immer“) ausgestellt hatte.

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Mit der 1:0-Führung verfestigte sich das Konzept der Deutschen: Vor einer massierten Fünferkette sollten die restlichen Feldspieler vor allem die Räume zulaufen. Und eher unüblich auch, dass Heißsporn Kimmich mit einem überflüssigen und mit Gelb geahndeten Check an Matthijs de Ligt ein Gerangel wie in den Hochzeiten der deutsch-holländischen Rivalität initiierte (35.). Als sich die Gemüter beruhigt hatten, vergab Reus die große Chance aufs 2:0, denn Cillessen reagierte stark (42.).

Holland dreht nach der Pause richtig auf

Auf deutscher Seite garantierte in erster Linie Irrwisch Gnabry für Wirbel. So auch bei seinem Schrägschuss, den de Ligt in höchster Not klären musste (50.). Die Niederländer antworteten mit ihrer besten Chance, als Georginio Wijnaldum in Neuer seinen Meister fand (58.). Löws Gegenüber Ronald Koeman versuchte mit der Hereinnahme von Davy Pröpper und Donyell Malen neue Impulse zu setzen, was prompt gelang: Nach Flanke des starken Ryan Babel verfehlte erst Tah die Kugel, dann reagierte Schulz zu spät – und de Jong bedankte sich mit dem 1:1.

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Löw wechselte daraufhin Ilkay Gündogan und Kai Havertz für Werner und Reus ein, womit sein Ensemble wieder mehr Stabilität erlangen sollte. Doch zunächst gingen die Niederländer in Front, als Neuer zwar den Kopfball von van Dijk noch abwehrte, dann aber Tah ein unglückliches Eigentor unterlief. Sollte der Nachbar damit auf der Siegerstraße sein? Der Ausgleich fiel eher zufällig, weil de Jong gar nicht sehen konnte, wie ein hoher Ball von seinem Körper an die Hand prallte. Fragwürdig, dass Schiedsrichter Artur Soares Dias auf den Elfmeterpunkt zeigte. Kroos ließ sich die Gelegenheit zum 2:2 nicht nehmen. Doch noch einmal schlugen die spielstarken Niederländer zurück: Eine tolle Stafette über den überragenden Memphis Depay und Wijnaldum schloss Joker Malen ab. Wijnaldum setzte den Schlusspunkt.

Der freie Samstag kommt zum Luftholen in der Elbmetropole vielleicht genau richtig. Dann setzt sich der DFB-Tross am Sonntagmorgen in den Charter nach Belfast. Die Aufgabe in Nordirland am Montag (20.45 Uhr/RTL) gilt allein deshalb als wegweisend, weil der Gastgeber mit seinen vier Pflichtsiegen gegen Estland und Weißrussland noch eine weiße Weste aufweist. Die DFB-Auswahl würde also mit einem Sieg im Windsor Park einen Meilenstein auf dem Weg bis nach London setzen.

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