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Es hat nicht ganz gereicht für Treainer Stefan Kuntz (Mitte) und seine Spieler.

U21-EM

Klasse schlägt Herz: U21 verliert EM-Finale gegen eiskalte Spanier

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Die deutsche Auswahl begegnet filigranen Spaniern im Finale der U21-EM mit viel Leidenschaft – das ist gut, aber nicht gut genug für die erhoffte Titelverteidigung.

Kurz vor der finalen Prüfung hatten auch die ganz großen Lehrenden der Bundesrepublik ihre Einschätzungen abgegeben, jene die seit Jahren ihren Schützlingen den idealen Umgang mit dem Fußball vermitteln – und das durchaus erfolgreich. Der eine ist Weltmeister geworden vor fünf Jahren, der andere Champions-League-Sieger vor rund einem Monat. Also analysierten Bundestrainer Jogi Löw und Liverpool-Coach Jürgen Klopp den Finaleinzug der deutschen Auswahl bei der U21-Europameisterschaft in Italien voller Begeisterung. „Ich glaube, das war eine sehr gute Visitenkarte für den deutschen Fußball“, sprach Löw vor dem Duell gegen Spanien ins TV-Mikro. Klopp richtete seine Worte via soziale Netzwerke direkt an das kickenden Personal: „Ihr seid die perfekte Mischung aus Herz, einer sensationellen Einstellung, einem fantastischen Teamspirit und riesigem Potenzial.“

Und tatsächlich: Die Mannschaft von Stefan Kuntz, spätestens seit dem Turnier in Italien auch so einer der hoch angesehenen deutschen Fußballlehrer, spielte auch im Endspiel mit viel Herz. Sie rannte und rackerte und verlor doch verdient. Denn bei allem Einsatz, den wollte dem Team nachher nun wirklich niemand absprechen, waren die Spanier fußballerisch einfach zu gut, eine Klasse besser und revanchierten sich mit dem 2:1 (1:0)-Erfolg für die Finalniederlage gegen die DFB-Auswahl vor zwei Jahren.

Die Begegnung vor 23 000 Zuschauern in Udine war dann auch aus deutscher Sicht denkbar schlecht losgegangen. Obwohl Trainer Kuntz sein defensives Mittelfeld mit der etwas überraschenden Hereinnahme des kampfstarken Schalkers Suat Serdar anstelle des technisch wesentlich feineren Gladbachers Florian Neuhaus absichern wollte, marschierten die Spanier schon nach sieben Minuten durch eben dieses Zentrum des Spiels. Fabian Ruiz war es, Stammspieler beim SSC Neapel und bester Akteur des gestrigen Abends, der kurz hinter der Mittellinie losdribbelte, vom deutschen Kapitän Jonathan Tah nicht rechtzeitig attackiert wurde und unbedrängt den Ball aus 20 Metern ins lange Eck schlenzen konnte – 1:0 für die Iberer.

Die Deutschen brauchten einen Moment, um sich von diesem frühen Rückschlag zu erholen. Erst nach 15, 20 Minuten wurden die anfänglich doch arg zittrigen Füße ein wenig geschmeidiger, die Zuspiele dadurch genauer, das Kombinationsspiel besser. Allerdings: Nennenswerte Torchancen erspielte sich das DFB-Team keine.

Amiri-Tor kommt zu spät

Immerhin aber war das Duell bis zur Pause eines auf Augenhöhe. dessen Fluss nur noch einmal länger unterbrochen wurde, als sich in der 33. Minute zwei ehemalige Profis von Eintracht Frankfurt auf dem Feld unsanft begegneten. Der spanische Abwehrchef Jesus Vallejo, mittlerweile wieder bei Real Madrid angestellt, holte den deutschen Torjäger Luca Waldschmidt, noch beim SC Freiburg unter Vertrag, rüde von den Beinen. Nach kurzer Behandlungspause konnten beide weitermachen. Waldschmidt, weil er glücklicherweise nach dem üblen Tritt ans Schienbein keine schwere Verletzung davontrug. Vallejo, weil er nicht nachvollziehbar für sein Foul nur die Gelbe Karte sah.

In der zweiten Hälfte ging es also im Elf gegen Elf weiter, diesmal begannen die Deutschen aber stärker als noch eine Stunde zuvor. Erst schoss der Hoffenheimer Nadiem Amiri etwas zu unplatziert, kurz darauf eiferte ihm Waldschmidt nach. Die unbelohnten Versuche zeigten dennoch Wirkung. Die Kuntz-Schützlinge wurden mutiger, spielten nicht mehr nur Sicherheits-, sondern auch Risikopässe. Spanien stellte sich teils wie eine Handballmannschaft um den eigenen Strafraum auf, um den Ausgleich zu verhindern. Das aber ziemlich gekonnt. Hundertprozentige Möglichkeiten ergaben sich für die Adlerträger nicht. Stattdessen schlugen die Südeuropäer zu.

In der 69. Minute fegte der starke Vallejo im eigenen Strafraum zum wiederholten Mal dazwischen und leitete damit einen Konter der Spanier ein, den 1:0-Schütze Ruiz mit einem Schuss zentral aufs Tor abschloss. Eigentlich sollte das eine leichte Aufgabe für Alexander Nübel im Kasten der Deutschen gewesen sein, die dennoch misslang. Der Torhüter vom FC Schalke ließ den Ball nach vorne abklatschen, Dani Olmo sprintete dazwischen und überlupfte den am Boden kriechenden Nübel zum 2:0. Es war das letztlich entscheidende Tor zum spanischen Triumph, da der deutsche Anschlusstreffer von Amiri in der 88. Minute doch ein wenig zu spät kam.

Wenngleich die finale Prüfung der deutschen U21-Lehrlinge also nicht mit Sternchen bestanden wurde, als Erfolg sollte die Reise nach Italien inklusive Qualifikation für die Olympischen Spiele aber allemal gewertet werden. Oder um es in den Worten von Bundes-Jogi zu sagen: „Es war eine sehr gute Visitenkarte.“

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