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Die Stuttgarter Fans sind unzufrieden - egal wie die Relegation ausgeht.

Kontra

Was taugt die Bundesliga-Relegation? Contra: Ungerecht und unnötig

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Es ist nicht zu verstehen, warum zur Unterhaltung eines nach Dramen lechzenden Publikums der sportliche Wettstreit eines Ligabetriebs ausgehöhlt wird.

Friedhelm Funkel, so viel steht ja nach dieser Saison fest, ist der beliebteste Trainer der Bundesliga. Mit 65 Jahren jung genug, der heutigen Spielergeneration noch Werte zu vermitteln und gleichzeitig gut Fußball spielen zu lassen. An seinen Prinzipien ist nicht zu rütteln (es sei denn, es ist Karneval). Was die Relegation angeht, hat der Mann eine klare Meinung. Gehört abgeschafft. Warum? Weil sie ungerecht ist. Als die Entscheidungsspiele zwischen dem Drittletzten der Bundesliga und Dritten der zweiten Liga 2009 wieder eingeführt wurde, geißelte Funkel sie als „unsäglich“. Weil in acht von zehn Fällen der Erstligist gewänne.

Und siehe da: Der Routinier hatte mal wieder Recht. 2011 scheiterte der von ihm trainierte Zweitligist VfL Bochum an Borussia Mönchengladbach (mit Lucien Favre auf der Trainerbank, mit Marco Reus auf dem Platz), danach die meisten Zweitligakollegen. Nach zehn Jahren steht es? 8:2 für die Erstligisten. Funkel sollte im zweiten Leben Weissager werden. Es ist nicht zu verstehen, warum zur Unterhaltung eines nach Dramen lechzenden Publikums der sportliche Wettstreit eines Ligabetriebs ausgehöhlt wird.

Wer nicht unter die besten 15 kommt, muss raus

Wer unter den 18 Erstligisten zu schlecht ist, auf Platz 15 zu kommen, muss raus. Die Relegation wirkt wie eine verkappte Form der Besitzstandswahrung für die etablierten Vereine mit den großen Namen, großen Stadien und großen Fangruppen. Alles gut fürs Geschäft.

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Lieber Drama als nix

Zweimal hat der Hamburger SV auf diese Weise die Klasse gehalten. Einmal durch einen zweifelhaften Freistoß in der Nachspielzeit im Karlsruher Wildpark. Allein dieser folgenschwere Pfiff zeigte doch, dass an einer einzigen Aktion viel zu viel hängt. Gerade erst hat sich der Karlsruher SC mühsam aus der Dritten Liga aufgerafft. Ohne Relegation. Glücklicherweise.

Dass die Relegationsspiele jetzt auch noch hinter die Bezahlschranke des Eurosport-Players wandern, ist der nächste Treppenwitz. Aber vielleicht verpasst das Publikum auch nicht viel. Weil nun Union Berlin feststellt, dass die Kluft zwischen den beiden Ligen längst zu groß geworden ist. Deswegen gehören die Relegationsspiele wieder abgeschafft. Die Polizei würde es begrüßen. Und die freien Termine könnten genutzt werden, die Bundesliga endlich auf 20 Vereine zu vergrößern. Mit festen Absteigern, die nicht in zwei Spielen noch schnell wie der VfB Stuttgart ein umfassendes Versagen reparieren dürfen. Auch da hat uns die Premier League schon wieder was voraus.

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