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Choreo der Berliner Fans vor dem Spiel in Bochum.

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Was taugt die Bundesliga-Relegation? Pro: Lieber Drama als nix

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Der Profifußball ist ein Unterhaltungsgeschäft. Und zwar eines, das nicht vom Alltäglichen lebt, sondern von Dramen.

Auch wenn man es schon nicht mehr hören mag: Der Profifußball ist ein Unterhaltungsgeschäft. Und zwar eines, das nicht vom Alltäglichen lebt, sondern von Dramen, über die man noch Jahre später spricht. Etwa jenes, das 2015 den Hamburger SV als Sieger hervorbrachte, als ihm in letzter Minute in Karlsruhe noch ein Freistoß geschenkt wurde, der den Hanseaten die Verlängerung, den Klassenerhalt und Bruno Labbadia Heldenstatus bescherte.

Weder das eine (der Klassenerhalt) noch das andere (der Heldenstatus) sind später zu halten gewesen, weshalb irgendwann auch die schönste Relegation der Welt keine Hilfe mehr ist. Man muss nur wissen, wie man sich blöde genug anstellt. Zugegeben, dem KSC hat der verpasste Aufstieg nicht gutgetan. Es ging dann bald ab in die Dritte Liga, nun aber auch wieder hoch. Es fügt sich also langfristig alles, Relegation hin oder her. Warum also auf das Drama verzichten, wenn man es denn haben kann? Man stelle sich nur vor, der VfB Stuttgart hätte dieser Tage gegen den HSV antreten müssen. Es wäre ein spektakuläres Ding zwischen zwei verzwergten Riesen geworden, auf das die ganze Republik geschaut hätte.

Wer so spielt wie Union Berlin, sollte die Relegation als Geschenk betrachten

Und ehrlicherweise muss hinzugefügt werden, dass der jeweils Dritte der zweiten Liga in der Regel schlicht nicht das Zeug zum Aufstieg hat. Denken wir nur mal gemeinsam an 2016 zurück, als der 1.FC Nürnberg im Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt kaum einmal die Mittellinie übertrat. Union Berlin hätte 2019 bloß am letzten Spieltag in Bochum gewinnen müssen und wäre durch gewesen. Hat halt nicht gereicht, und auch in den Wochen zuvor wurden von den Eisernen schon unzählige Chancen verpasst, sich in einer mürben Zweitligasaison gegen Paderborn abzusetzen. Ergo: Kein Grund zur Beschwerde. Wer so spielt wie Union Berlin in den vergangenen Monaten, sollte die Relegation als Geschenk betrachten.

Lesen Sie auch das Contra:

Ungerecht und unnötig 

Wobei es hochgradig bedauerlich ist, dass die beiden Ausscheidungsspiele zum zweiten Mal nach 2018 im Bezahlfernsehen beim Eurosport-Player versteckt werden und so einem sicher interessierten breiteren Publikum verborgen bleiben. Wie man hört, findet die Deutsche Fußball-Liga als Rechteverkäufer das inzwischen selber nicht mehr gut und will die Relegation ab 2021 wieder zurück zu mehr Öffentlichkeit führen. Das ist gut so. Denn Dramen leben auch davon, dass die Leute drüber reden können, weil sie sie selbst gesehen haben.

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