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Fußball-Bundesliga: Schluss mit dem Dümpeln

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Von: Jan Christian Müller

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Die Spiele beginnen: An diesem Wochenende startet die Fußball-Bundesliga - und das gleich mit mehreren Highlights.
Die Spiele beginnen: An diesem Wochenende startet die Fußball-Bundesliga - und das gleich mit mehreren Highlights. © IMAGO/Sven Simon

Die Fußball-Bundesliga will im Weltmarkt wieder mehr Geld verdienen - die neue Chefin Donata Hopfen soll liefern, aber auch die Klubs selbst sind gefordert.

Der Ball in der Fußball-Bundesliga rollt wieder. Und gleich das erste Wochenende bietet nach dem Auftakt von Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern weitere Spannungselemente: Die designierten Bayern-Verfolger Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund treffen am Samstagabend (18.30 Uhr) zum Topspiel aufeinander, vorher geht schon das zumindest in der Hauptstadt mit Hochspannung erwartete Derby Union Berlin gegen Hertha BSC über die Bühne.

Unter besonderer Beobachtung stehen auch die beiden wegen ihrer Popularität und mithin medialen Präsenz im Oberhaus hochwillkommenen Rückkehrer Schalke 04 (Sonntag beim 1.FC Köln) und Werder Bremen (Samstag in Wolfsburg). In der vergangenen Saison hatte die deutsche Eliteklasse erkennbar darunter gelitten, dass allenfalls lokal abstrahlende Marken wie Augsburg, Fürth, Bielefeld, Bochum, Hoffenheim, Wolfsburg und Mainz kaum überregionale, geschweige denn internationale Wahrnehmung erbrachten.

Gerade in der globalen Vermarktung verspricht sich die Bundesliga endlich wieder Steigerung, nachdem die Erlöse zuletzt um rund 20 Prozent eingebrochen waren. Aber um mehr Geld zu verdienen, müsste auch etwas passieren. „Nur zwei Top-Mannschaften sind zu wenig“, sagt Alexander Wehrle, Vorstandschef beim VfB Stuttgart. „Je spannender und ausgeglichener die Bundesliga sich präsentiert, desto mehr Interesse weckt sie in Deutschland und international.“

Die Bundesliga bekommt aus den nationalen Medienerlösen im Vergleich zur Premier League in England nur etwas mehr als die Hälfte ausgezahlt: 1,1 zu 2,05 Milliarden Euro. International kassiert die deutsche Eliteklasse kaum ein Zehntel jener 2,1 Milliarden Euro, die die Premier League im Ausland erwirtschaftet.

„Wir müssen die Erlöse, die derzeit bei unter 200 Millionen Euro dümpeln, dringend und signifikant steigern, wenn wir weiter im Konzert der großen Ligen in Europa mitspielen wollen“, sagt Bayer Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro. Die Forderung geht vor allem an die neue Ligachefin Donata Hopfen, die eine Digitalisierungsoffensive angekündigt hat. Die Bundesliga habe „noch gar nicht richtig angefangen, unser Potenzial richtig auszuschöpfen“, so der Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Hans-Joachim Watzke im „Kicker“.

Der Boss von Borussia Dortmund führt aus: „Wenn wir unsere Auslandserlöse in einem nennenswerten Umfang erhöhen wollen, dann kommen wir nicht darum herum, Präsenz zu zeigen. Zu Ende gedacht bedeutet das, dass jeder Bundesligist und zahlreiche Zweitligisten eingeladen sind, raus in die Kernmärkte zu gehen. In die USA, nach Asien, irgendwann vielleicht auch mal nach Australien, so wie es jetzt der FC Liverpool gemacht hat.“

Das wiederum widerspricht ein wenig der zuletzt von Eintracht Frankfurt ausgerufenen Kampagne „Eintracht in der Region“. Unter dem von Eintracht-Vorstandssprecher, dem künftigen DFL-Präsidiumsmitglied Axel Hellmann ausgerufenen Motto „Wetterau statt Asien“ stärkt der Champions League-Teilnehmer seine Verbindung zur Heimat und zeigt dort Präsenz.

Playoffs? Eher nicht!

Um mehr Spannung zu erzeugen, hat die neue DFL-Chefin Donata Hopfen Playoffs nicht von vorneherein ausgeschlossen. Christian Heidel, Sportvorstand von Mainz 05, tut sich „schwer damit“. Denn: „Es kann nicht sein, dass wir den Bayern etwas wegnehmen, das sie sich erarbeitet haben. Die Denkweise dahinter ist: Wie macht man die schlechter? Und nicht: Wie machen wir uns selbst besser?“

Der Stuttgarter Wehrle plädiert zur Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit „dafür, einen Schlüssel zu finden, um vor allem die in den europäischen Wettbewerben generierten Medienerlöse einiger weniger Klubs solidarischer zu verteilen.“ Denn: „Die Schere geht zu weit auseinander. Wir haben dadurch in der Champions League praktisch einen geschlossenen Kreis.“ Zur Erklärung: In der Königsklasse nehmen die Bayern allein aus Uefa-Ausschüttungen rund 90 Millionen Euro pro Saison ein, mehr als die Hälfte der Bundesligisten dagegen keinen einzigen Cent.

Heidel sieht es genauso wie Kollege Wehrle: „Das Problem der wirtschaftlichen Ungleichheit ist der europäische Fußball. Ob wir aus der Vermarktung der Bundesliga fünf Millionen Euro mehr TV-Geld bekommen und Bayern fünf Millionen. Euro weniger, wird doch überhaupt nichts verändern. Ich finde, dass in der Königsklasse im Vergleich zur Europa League viel zu viel Geld bezahlt wird. Ich wäre eher dafür, die Europa League total aufzuwerten.“

Das ist ein interessanter Gedanke. Heidel würde es begrüßen, „dass der Vierte nicht mehr in der Champions League spielt, sondern in einer viel besser dotierten Europa League. Wenn dort bessere Teams antreten, die sich auch besser vermarkten lassen, würde ich bei der Champions League eine Milliarde wegnehmen und sie stattdessen in die Europa League stecken. Das hätte den Effekt, dass auch der Tabellenfünfte der Bundesliga nicht so viel weniger verdient als der Tabellendritte. Das ist aktuell einfach nicht gut verteilt.“

Wahr ist aber auch, dass national Optimierungsbedarf herrscht: In der Bundesliga bekommt der Erste aus der Vermarktung der DFL das Dreifache des Letzten: 95 Millionen gegenüber 33 Millionen. In der Premier League geht es solidarischer zu: Da wird dem Ersten nur etwa das 1,6 fache des Letzten überwiesen: dem Ersten umgerechnet 200 Millionen Euro, dem Letzten 125 Millionen, fast das Vierfache des Schlusslichts in der Bundesliga!

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