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Hier wird erst einmal nicht gespielt: Das Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden.

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Fußball-Bundesliga: Knockdown für die DFL

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Die gesamte Mannschaft von Zweitligist Dynamo Dresden muss in Quarantäne. Das Projekt Re-Start der Ersten und Zweiten Bundesliga droht zu scheitern, bevor es überhaupt begonnen hat. Der Kommentar.

Die Verordnung einer zweiwöchigen Quarantäne für den gesamten Kader des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden hat dem Gesundheitskonzept der Deutschen Fußball-Liga einen Knockdown zugefügt. Die Fortführung der Saison unter fairen Wettkampfbedingungen für alle Klubs wäre nun nur noch gewährleistet, wenn die gesamte zweite deutsche Fußballliga wartet, bis die Profis von Dynamo Dresden nicht nur ihren zweiwöchigen Hausarrest beendet hätten, sondern daran anschließend adäquat Zeit zur Vorbereitung im Mannschaftstraining eingeräumt bekämen. Alles andere wäre mit Blick auf eine angemessene Verletzungsprophylaxe der Dresdner Spieler unverantwortlich.

Verzicht auf Gruppenquarantäne zu rechtfertigen, war primäres Ziel des DFL-Konzepts

Hinter der Idee eines „engmaschigen medizinischen Monitoring“ im DFL-Leitfaden stand das primäre Ziel, somit einen „Verzicht auf eine Gruppenquarantäne“ nach Auftreten eines positiven Falles „zu rechtfertigen“. Das hat anfangs funktioniert. Die Gesundheitsämter in Köln, Aue, Mönchengladbach und zunächst auch in Dresden sahen davon ab, nach Bekanntwerden positiver Fälle langfristige Gruppen-Quarantänemaßnahmen zu verordnen. Stattdessen wurden die Betroffenen separiert und alle anderen weiter im Trainingsbetrieb belassen. Genau das sollte die Voraussetzung dafür sein, dass die Teams spielfähig bleiben und die Saison fortgeführt werden könnte.

An den Entscheidungen der Gesundheitsämter hängt die Zukunft des deutschen Profifußballs

Den Behörden in Dresden war die Sache nach wiederholt positiven Laborbefunden nicht mehr geheuer. Man kann sich ausmalen, welch ungeheurer Druck auf den Gesundheitsämtern liegt. An ihren Entscheidungen – Gruppen-Quarantäne ja oder nein – kann die Zukunft des deutschen Berufsfußballs hängen. Das ist ehrlicherweise zu viel der Verantwortung auf zu schmalen Schultern. Von dieser Verantwortung sollten die Ämter befreit werden. Es braucht einen Kompass, der für alle Klubs gleichermaßen gilt. Ein Kompass, der auch ausschließt, das Amtsleiter durch Druck aus der örtlichen Politik, der DFL oder dem betroffenen Verein so oder so entscheiden. Momentan versteht kein Mensch, welche Messlatte in Dresden angelegt wurde, welche in Aue, welche in Köln oder Gladbach.

Es ist ohnehin schon viel zu viel Vertrauen in die Profifußballbranche verloren gegangen. Die DFL hat sich unter größter Kraftanstrengung bemüht, den Re-Start zu organisieren. Wenn die Funktionäre ehrlich zueinander wären, müssten sie einräumen: Der Knockdown droht zum K.O. zu werden.

Von Jan Christian Müller

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