DFL-Abstimmung spaltet Fußball-Deutschland: „Aussichtsloses Rattenrennen“
Mit einer knappen Mehrheit stimmt die DFL für Verhandlungen mit Investoren. Entsprechend fallen die Reaktionen von Gegnern und Befürwortern des Projekts aus.
Frankfurt – Die 36 Fußballclubs haben im zweiten Anlauf den Weg frei gemacht: Mit 24 Ja-Stimmen sicherte sich der Liga-Verband DFL die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit, um ihr Mandat für Verhandlungen mit potenziellen Investoren zu erhalten. Noch im Mai war die Aufnahme solcher Verhandlungen abgelehnt worden, Anpassungen über die Beteiligungshöhe und der Verteilung von Einnahmen sorgten nun jedoch für ein verändertes Abstimmungsverhalten. Die Reaktionen zum „Ja“ fallen ob der Emotionalität des Themas entsprechend unterschiedlich aus.
| Deutsche Fußball-Liga | |
|---|---|
| Gründung: | 19. Dezember 2000 |
| Hauptsitz: | Frankfurt am Main |
| Geschäftsführer: | Dr. Marc Lenz und Dr. Steffen Merkel |
Reaktionen zum Investoren-Einstieg – DFL sieht sich für Verhandlungen gewappnet
„Das ist Demokratie“ gab DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke noch im Mai nach dem negativen Votum zerknirscht zu Protokoll. Noch im selben Jahr wurde dieses demokratische Votum aufgehoben, sehr zur Erleichterung der Befürworter des Investoren-Deals.
Obwohl es sich bei den 24 Stimmen um das knappestmögliche Ergebnis handelt, sehen die Geschäftsführer der DFL hierin eine gute Arbeitsgrundlage: „Mehrheitsfindungen zu langfristigen Themen sind erfahrungsgemäß nicht einfach, weil jeder Klub in seinem eigenen Kontext entscheidet“, wird etwa Liga-Geschäftsführer Marc Lenz vom Kicker zitiert. „Deswegen bildet die Zweidrittelmehrheit per se eine sehr gute Grundlage, um handeln zu können. Letztlich handelt es sich um eine signifikante Mehrheit.“

Nach der Abstimmung über Verhandlungen – Aufatmen bei Eintracht Frankfurt
Weiter war im Vorfeld bereits die positive Haltung von Eintracht Frankfurt zum Thema bekannt. Während der ersten Abstimmung stand Axel Hellmann der Liga noch selbst vor. Noch in der Woche vor der Abstimmung gab er zu Protokoll, den „größeren Deal“ bevorzugt zu haben, sich dem kleineren gemeinsamen Nenner jetzt aber anschließen zu wollen.
Eintracht-Finanzvorstand Oliver Frankenbach hat sich nach Abstimmung am Montag gegenüber dem Hessischen Rundfunk entsprechend zufrieden geäußert. „Wir freuen uns darauf, dass wir das jetzt umsetzen können und die Liga langfristig davon profitieren wird“. Frankenbach schließt sich dabei der Hoffnung an, die Bundesliga mittelfristig finanziell hinter der Premier League platzieren zu können. Zwar sei diese – nicht zuletzt durch ihren zuletzt ausgehandelten Vertrag zu besseren Konditionen – „meilenweit entfernt“, doch wolle man sich mit neuen Investitionen in der medialen Vermarktung den „zweiten Platz“ sichern.
Fan-Bündnis kritisiert Abstimmungsergebnis – „Einzigartigkeit über Bord geworfen“
An der oftmals gepredigten Wettbewerbsfähigkeit entzündet sich auch die Kritik des Fan-Bündnisses „Unsere Kurve“. Der Zusammenschluss mehrerer Fanorganisationen, der auch die Fan- und Förderabteilung von Eintracht Frankfurt angehört, prangert ein „aussichtsloses Rattenrennen mit der Premier League“ an. Dafür würde „die Einzigartigkeit des deutschen Fußballs“ über Bord geworfen.
Um mit dem globalen Marktprimus Schritt halten zu können, hätte sich die DFL zudem einem Modell verschrieben, welches „das obere Drittel der DFL-Ligen stärke, während zwei Drittel der Vereine nur minimale Verbesserungen erwarten dürften.“ Die Folgen dieser Entscheidung würden auf lange Sicht die Chancenungleichheit zugunsten einiger weniger Clubs forcieren. Das stünde zudem im Widerspruch zu einem spannenden Wettbewerb, für dessen Übertragung nationale und internationale TV-Sender viel Geld ausgeben sollen.
Vor der Abstimmung – weiteres Fan-Bündnis glaubt nicht an DFL-Versprechen
Im Rahmen des vergangenen Spieltags machten eine Vielzahl von Fanszenen in den Stadien noch einmal mobil für die Abstimmung am vergangenen Montag (11. Dezember). Das Bündnis „Fanszenen Deutschland“, ein informeller Zusammenschluss der aktiven Fan- und Ultragruppierungen, machte bereits vor der Abstimmung klar, dass sie die Beschwichtigungsversuche seitens der DFL nicht für sich gelten lassen wolle.
Dabei ging es vor allem um die „roten Linien“, welche die DFL für Spieltagsansetzungen ziehen will. „Die DFL mag betonen, dass die ‚Hoheit über Spielplanung und Anstoßzeiten‘ auch in Zukunft bei der DFL liegen wird. Eine Ausgleichszahlung an die Vereine für die Mindereinnahmen durch die Beteiligung des Investors an den zukünftigen Medienerlösen ist jedoch nur für die nächsten fünf Jahre einkalkuliert“. Deshalb befürchtet das Bündnis, dass durch den Einnahmedruck diese roten Linien alsbald verschwinden könnten.
„Eine Erklärung dafür, wie man die Medienerlöse kurzfristig signifikant steigern will, auch ohne zusätzliche Anstoßzeiten zu schaffen, liefert die DFL nicht.“, so „Fanszenen Deutschland“ in ihrer Mitteilung. Dadurch verweist das Bündnis indirekt auf mögliche Nachverhandlungen, sollten die gesteckten Erlös-Ziele nicht erreicht werden.
Clubs wollen für Einhaltung der „roten Linien“ sorgen
Doch nicht nur von Seiten der Fans wird die Entscheidung abgelehnt. Wie eingangs erwähnt stimmten auch 10 Clubs gegen das Vorhaben, unter ihnen der FC St. Pauli. Dessen Präsident Oke Göttlich vom Zweitligisten FC St. Pauli betonte gegenüber dem NDR, die demokratische Entscheidung „selbstverständlich respektieren“ zu wollen. Wichtig sei im weiteren Prozess nun eine „faire und sinnvolle Verteilung von Geldern“ sicherzustellen. Im weiteren Umgang mit dem Investor werde sich laut Göttlich zeigen, „wie stark die Gemeinschaft der DFL tatsächlich ist“.
In einen ähnlichen Tenor stimmte der Clubchef von Hansa Rostock ein. Laut Robert Marien wolle, der sich der FC Hansa dafür einsetzten, dass „die gesetzten roten Linien nicht gebrochen werden“. Überhaupt könne Marien die Sorgen der Fans nachvollziehen, auch weil DFL und DFB in den letzten Jahren „nicht mit Glaubwürdigkeit geglänzt“ hätten. Da sich das Geschäft jedoch weiterentwickeln müsse, stimmte auch der Ostseeklub in der Runde am Montag für „Ja“.
Als weiterer prominenter Gegner von Verhandlungen gab sich der 1. FC Köln zu erkennen. Nach der Abstimmung fassten die Domstädter kurz und überaus pragmatisch zusammen: „Der 1. FC Köln akzeptiert und respektiert dieses demokratisch getroffene Votum der DFL-Mitgliederversammlung und wird dieses vollauf mittragen.“
Die DFL nach der Abstimmung: Spagat zwischen Versprechungen und wirtschaftlichem Erfolg
Die DFL steht mit der Entscheidung nun in der Pflicht, zu liefern. Der schnelle Vollzug der Abstimmung legt nahe, dass die Verhandlungen mit einer der Private Equity Gesellschaften bis Ende März abgeschlossen sein soll. Dann wird über die nationalen Medienrechte verhandelt, wofür sich die Liga Rückenwind verspricht.
Auf lange Sicht wird sie zudem bei der Einhaltung der „roten Linien“ beobachtet werden. Alles unter dem Einfluss, diese bei schlecht laufenden Geschäften nicht doch nachträglich verwischen zu müssen. (nki )