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Gianni Infantino.

Fußball-WM

Alles in Infantinos Sinne

Fifa-Präsident Gianni Infantino will bei der Council-Sitzung die Reform der Klub-WM durchboxen. DFB-Chef Grindel bricht ein Interview ab.

Gianni Infantino konnte gelassen in den Flieger Richtung USA steigen. Der in Europa umstrittene Fifa-Präsident will bei der Council-Sitzung am Freitag (14 Uhr) in Miami die Reform der Klub-WM durchboxen und die Aufstockung der WM 2022 auf 48 Teams auf den Weg bringen. Der heftige Widerstand, der vor gut einem Jahr zu tiefen Rissen im Weltfußball geführt hatte, hat sich inzwischen gelegt.

Die Idee der Klub-WM sei „grundsätzlich gut“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel vor dem Vorbereitungstreffen der neun Council-Delegierten der Uefa. Schließlich würde so „das Geld im Kreislauf des Fußballs“ bleiben, anders als bei den kommerziellen Turnieren in den USA und Asien, die inzwischen den Sommer beherrschen. Die Reform sieht neben der Aufstockung auf 24 Mannschaften eine Austragung im Sommer 2021 (17. Juni bis zum 4. Juli) zunächst als Pilotprojekt vor. Aus Europa würden mindestens acht Teams an den Start gehen, wahrscheinlich sogar zwölf. Welche, das würde die Uefa selbst festlegen. Bayern München dürfte in jedem Fall mit einer Einladung rechnen können. „Wir müssen uns die Details der Klub-WM sehr genau anschauen. In welchem zeitlichen Rhythmus soll der Wettbewerb gespielt werden? Wer entscheidet über die Teilnehmer? Wie werden die Einnahmen verteilt?“, sagte Grindel, für den es für eine „abschließende Bewertung“ noch zu früh sei. Die Uefa-Delegierten wollen am Freitag mit einer Stimme sprechen.

Vertagt wird das Thema Global Nations League, das Infantino aus taktischen Gründen zu einem späteren Zeitpunkt vorantreiben will. DFB-Boss Grindel reagierte im Interview mit der Deutschen Welle vor seinem Abflug nach Miami dünnhäutig auf Nachfragen zu dieser heiklen Angelegenheit und brach das Gespräch mit Reporter Florian Bauer schließlich vorzeitig ab, als es um das ominöse 25-Milliarden-Angebot unbekannter Geldgeber an die Fifa ging: „Herr Bauer, das bringt doch jetzt nichts. Sie versuchen mir immer eine Bemerkung in den Mund zu schieben, mit der Sie was machen können, und ich weiche Ihnen seit zehn Minuten aus. Jetzt machen Sie doch vernünftige Fragen, auf die ich vernünftig antworten kann.“ ... „Aber Herr Grindel, ich frage doch offen“ ... „Nein, Sie fragen nicht offen, Sie versuchen mir irgendwas in die Schuhe zu schieben ...“ Kurz darauf heftete sich Grindel das Mikrofon vom Jackett („Herr Bauer, komm, wir lassen es“) und verließ den Raum.

Auch bei der Aufstockung der Katar-WM sind die Chancen, Infantinos Weg zu blockieren, gering. Aber die politische Lage am Golf ist extrem angespannt. Die direkten Nachbarn (Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate) kommen deshalb zumindest derzeit kaum als Co-Ausrichter einiger Spiele einer aufgeblähten WM infrage.

Friedliche Partner in der Region wären aktuell Kuwait und Oman. Den endgültigen Beschluss pro 48er-WM soll der Fifa-Kongress im Juni in Paris treffen. Das Turnier dürfe laut Grindel nicht länger als die geplanten 28 Tage dauern (21. November bis zum 18. Dezember 2022). Es könnte daher bis zu sechs Spiele an einem Tag geben. (sid/fr)

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