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Zufrieden mit dem Verteilungsschlüssel: Christian Seifert, Sprecher des Präsidiums der DFL.
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Zufrieden mit dem Verteilungsschlüssel: Christian Seifert, Sprecher des Präsidiums der DFL.

Deutsche Fußball-Liga

Furcht vor dem Sturm

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der Reformwillen bildet sich bei künftigen Verteilung der Fernsehgelder nur in Nuancen ab. Fanvertreter kritisieren das Ergebnis scharf.

Schon mit einigem Vorlauf surrte die Rolltreppe im Foyer des Messehotels direkt neben der Frankfurter Festhalle. Als der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, mit seinen stellvertretenden Sprechern des Präsidiums Peter Peters, Oliver Leki und Steffen Schneekloth im ersten Stock erschien, um die künftige Verteilung der insgesamt 4,4 Milliarden Euro an Fernsehgeldern vorzustellen, lagen sieben Arbeitssitzungen hinter dem neunköpfigen Gremium. Teilweise seien „die Fetzen geflogen“, gab Seifert zu, der sich überzeugt gab, mit einem Kompromiss einerseits Stabilität in der Corona-Krise, andererseits Solidarität an der Basis garantiert zu haben. Sein Fazit: „Es ist kein spektakulärer, aber ein vernünftiger Beschluss, der das Potenzial hat, die Liga zusammenzuhalten.“

Die aus der DFL-Zentrale gesteuerte virtuelle Mitgliederversammlung nickte nach rund dreieinhalbstündiger Sitzung die komplizierte Verteilung für die nächste vierjährige Rechtperiode ab. In einer Zeit, in der „massive Spuren in die Bilanzen gerissen hat und niemand absehen kann, wann die Pandemie zu Ende ist“, sagte Seifert, „kann man vieles diskutieren, darf aber nicht den Realitätssinn und das Augenmaß verlieren.“

Gewaltige Einbußen

Die Corona-Auswirkungen seien vergangene Saison doch nur „ein laues Lüftchen“ gewesen, „jetzt kommt der Sturm“. Ziel sei es jetzt allein, „dass alle 36 an Bord bleiben“. Und der nie um plakative Formulierungen verlegene Bundesliga-CEO stellte klar: „Mitten im Sturm sollte man nicht versuchen, das Dach zu decken – das geht schief.“ Insgesamt würden die Bundesligen wirtschaftlich durch das Virus „um fünf bis sechs Jahre“ zurückgeworfen.

Wie werden die Gelder nun verteilt? Ab der Saison 2021/2022 greift ein neues Säulen-Modell, das revolutionärer klingt als es eigentlich ist. 53 Prozent aller Erlöse aus dem nationalen Topf (im Schnitt 1,1 Milliarden Euro) werden die nächsten zwei Spielzeiten gleich ausgeschüttet. Jeder Erstligist hat aus der Säule „Gleichverteilung“ rund 25 Millionen Euro sicher, für Zweitligisten sind es knapp sieben Millionen. In die Säule „Leistung“, die sich aus drei verschiedenen Fünfjahreswertungen speist, fließen 42 Prozent der Einnahmen. Ähnlich gestaffelt wird auch die Vergabe die internationalen Erlöse (etwa 180 Millionen), wo ebenfalls ein höherer Sockelbetrag als bisher garantiert wird. Insgesamt beträgt die Spreizung zwischen dem Bundesliga-Ersten und dem Schlusslicht künftig den Faktor 2,9. Für Seifert handelt es sich ohnehin um eine rein „rechnerische Größe“, die gewiss nicht als Begründung tauge, warum der Meister seit acht Jahren immer FC Bayern heißt.

Der Liga drohen zudem ganz andere Gefahren als Langeweile. Allein durch die fehlenden Zuschauereinnahmen summieren sich Fehlbeträge von rund 650 Millionen Euro. Der finanzielle Druck nimmt fast täglich dazu. „Die Risiken sind deutlich größer, als das von Spielern, Beratern oder externen Betrachtern wahrgenommen wird“, stellte Seifert heraus. „An der Spielergehälterfront wird noch zu wenig gemacht.“ Man erwarte diese Saison einem Umsatzrückgang von insgesamt 20 Prozent. Nach den DFL-Berechnungen wird der deutsche Profifußball bis Sommer 2022 rund zwei Milliarden Euro an Umsatz verlieren.

Relevanz wird belohnt

Bei der Fernsehgeldverteilung werden die Neuerungen nur in Nuancen sichtbar: Die Säule „Nachwuchs“ wird von bisher zwei auf drei bzw. ab 2023/2024 dann vier Prozent aufgestockt, wobei auch die Ausbildung belohnt wird. Eine neue Säule „Interesse“ schüttet noch die restlichen zwei bzw. drei Prozent aus. Das von einem Klub generierte Interesse wird als Verteilungskriterium erstmals hinzugenommen, womit die gesellschaftliche Relevanz belohnt werden soll. Grundlage sind aber nicht die Einschaltquoten oder Zuschauerzahlen, sondern eine Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse, bei der repräsentativ rund 23 000 Personen befragt werden. Interessant: Der Hamburger SV ist hier sogar Vierter, Werder Bremen Sechster, Eintracht Frankfurt Achter.

Mit Argusaugen hatten auch die Fanvertreter auf den DFL-Entscheid geschaut. Helen Breit, Vorsitzende der Gruppierung „Unsere Kurve“, teilte im Anschluss der FR mit: „Für uns ist das präsentierte Ergebnis des DFL-Präsidiums absolut enttäuschend. Wir können keine substantiellen Veränderungen erkennen. Das Leistungs- und Vermarktungsprinzip ist weiterhin vorherrschend und bestehende Unterschiede werden zementiert.“ Aus Sicht der in der DFL Task Force „Zukunft Profifußball“ sitzende Fansprecherin vom SC Freiburg sei die Möglichkeit verpasst worden, „den Anfang für richtungsweisende Reformen zu machen“.

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