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Sorgen am Spieltag in Bremen für Sicherheit: Berittene Polizei auf dem Osterdeich. imago images

DFL

Furcht vor dem Standortnachteil

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Am Dienstag könnte die Liga-Versammlung beschließen, dass die Polizeikosten bei Hochrisikospielen allein von den Vereinen zu tragen sind. Neben dem SV Werder Bremen könnte bald auch der FSV Mainz 05 betroffen sein.

Auch wenn die Zeiten längst passé sind, dass die deutsche Nationalmannschaft im Gravenbrucher Hotel in Neu-Isenburg ihr Quartier bezieht, taugt das Domizil vor den Toren Frankfurts immer noch dafür, wegweisende Beschlüsse für den deutschen Fußball auf den Weg zu bringen. Am Dienstag findet in dem ehemaligen Jagdsitz die nächste Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL), auf der ein brisantes Thema besprochen werden muss: Wie ist mit der Beteiligung des Profifußballs an zusätzlichen Polizeikosten bei Hochrisikospielen zu verfahren?

Und hier könnte sich das Novum ergeben, dass sich 35 Klubs gegen einen stellen. Denn bislang ist nur der SV Werder betroffen, nachdem der Bremer Senat vom Leipziger Bundesverwaltungsgericht Recht bekam, die Gebührenbescheide von der DFL erstatten zu lassen. Die hat inzwischen die ersten Überweisungen für vier Partien an das Land Bremen getätigt. Insgesamt geht es um 2,3 Millionen Euro, die von der Liga-Versammlung nun zu 100 Prozent dem SV Werder aufgebürdet werden sollen. Ein entsprechender Antrag ist formuliert. In den Teilversammlungen der Bundesliga und zweiten Liga war das Votum eindeutig, diese Kosten nicht solidarisch umzulegen.

Der SV Werder hat jüngst auf seiner Mitgliederversammlung eine Klage gegen den Liga-Verband angekündigt. Notfalls würde juristisch geprüft, ob die DFL nicht ein Mitveranstalter sei, der zu einer Kostenbeteiligung verpflichtet werden kann. Die Grün-Weißen fühlen sich alleingelassen und werden mit einem eigenen Antrag wohl gegen Windmühlen kämpfen. „Wenn Werder 100 Prozent der Kosten zahlen muss, wird das Verursacherprinzip außer Kraft gesetzt“, sagt Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Sein Vorschlag: die Kosten zwischen dem SV Werder, der DFL als Mitveranstalter und dem jeweiligen Gastverein zu dritteln. Beim Thema würde ja keine spezielle Front zwischen der DFL und Werder Bremen existieren, heißt es in der Antragsbegründung, „sondern vielmehr eine grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen dem Profifußball und der politischen Führung des Landes Bremen. Es ist kein Konflikt, den Werder Bremen durch unsolidarisches Fehlverhalten heraufbeschworen hat, sondern einer, der von außen an den gesamten deutschen Profifußball herangetragen wurde.“

Die Liga pochte im Frühjahr vor dem Bundesverwaltungsgericht vergeblich darauf, dass das Polizeimonopol wie bei jedem Stadtfest oder Rockkonzert beim Staat läge. Und dafür würde der Profifußball genug zahlen: Im Wirtschaftsreport 2018 ist hinterlegt, dass der deutsche Profifußball bei einem Rekordumsatz von 4,42 Milliarden Euro auch 1,28 Milliarden an Steuern und Abgaben entrichtet hat. Das Meinungsbild ist nicht mal innerhalb der Parteien einhellig: Während Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) die Weitergabe der Mehrkosten bei Polizeieinsätzen grundsätzlich für systemwidrig hält, hat der hochverschuldete Stadtstaat Bremen mit seinem streitlustigen Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) einen Präzedenzfall geschaffen, bei der vor allem der Sportverein Werder jetzt zwischen allen Stühlen zu sitzen scheint. Der sozial und gesellschaftlich vorbildlich engagierte Leuchtturm der Hansestadt fühlt sich inzwischen mehrfach missverstanden.

Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald brachte ins Spiel, den Mehraufwand bei Hochrisikospielen – in der Vergangenheit die Nordderbys gegen den Hamburger SV oder Hannover 96, aber auch Spiele gegen Eintracht Frankfurt oder Borussia Mönchengladbach – in Zukunft zu vermeiden, indem möglicherweise das Kartenkontingent für Gästefans reduziert wird. „Das zeigt, dass es nicht ein reines Problem von Werder ist, sondern auch andere Vereine betrifft.“

Diese Einschätzung trifft insofern zu, dass die Bremer bald gar nicht mehr so allein stehen könnten. Wie das Fachmagazin „Kicker“ berichtet, plant auch das Land Rheinland-Pfalz die Polizeimehrkosten direkt bei seinen Profivereinen zu vereinnahmen: Innenminister Roger Lewentz (SPD) will offenbar im nächsten Jahr eine entsprechende Gebührenregelung erlassen. Betroffen ist damit der FSV Mainz 05, der die Erhebung von Gebühren ebenfalls kategorisch ablehnt. „In der Konsequenz könnte das bedeuten, dass dadurch unter dem Aspekt des Wettbewerbs und der Chancengleichheit einzelne Klubs benachteiligt werden“, teilte der Vorstandsvorsitzende Stefan Hofmann mit.

Und auch für den Zweitligisten Hamburger SV könnte ein gravierender Standortnachteil entstehen, wenn die Hamburger Politik dem Bremer Beispiel folgt. Die Parteigenossen Lewentz und Mäurer wollen das Thema bereits am Mittwoch vor der Innenministerkonferenz (IMK) in Lübeck vorbringen und schlagen neben einem von der DFL gebildeten Fonds gleich eine Mustergebührenordnung vor. Eine Mehrheit wird sich auf dieser Ebene zwar so schnell nicht organisieren lassen, aber es zeichnet sich bereits ab, dass sich die Problematik schon bald nicht mehr als isoliertes Problem des kleinsten deutschen Bundeslandes betrachten lässt.

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