1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Fundamentalkritik aus Wiesbaden an Silke Sinning

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jan Christian Müller

Kommentare

Gegenwind aus dem hessischen Heimatverband: Silke Sinning.
Gegenwind aus dem hessischen Heimatverband: Silke Sinning. © dpa

Kreisfußballwart Dieter Elsenbast: „Arbeit an der Basis völlig vernachlässigt“. In Bayern formiert sich offenbar Widerstand gegen Rainer Koch.

Die bereits zugesagte Teilnahme in seiner Funktion als bayerischer Verbandschef beim Würzburger Fußballkreistag in der Rottendorfer Erasmus-Neustetter-Halle am Montag hat Rainer Koch kurzfristig abgesagt. Der spektakulär abgewählte Ex-Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes muss sich offenbar noch sammeln. Im zusammenfassenden Video des Bonner Bundestags vom vergangenen Freitag im DFB-TV-Kanal blieb sein krachendes Scheitern unerwähnt.

Das große Schweigen? Ganz so ist es natürlich nicht. Der „Fall Koch“ ist Thema nicht nur in Bayern. Dort finden noch in diesem Jahr Wahlen zum Landesverbands-Präsidenten statt. Eine Opposition aus Niederbayern will den 63-Jährigen laut des Portals fupa.net stürzen. Die Würzburger „Mainpost“ schreibt, Koch habe sich mit seinem bizarren Demokratieverständnis für das Amt des bayerischen Fußballbosses und als deutsches Mitglied im Uefa-Exekutivkomitee disqualifiziert. Er solle deshalb von sich aus zurücktreten.

Bemerkenswert ist im Rückblick auf die Geschehnisse im Bonner World Conference Center auch, dass im Vorfeld der Wahlen ein von den Landesverbandspräsidenten aus dem Süden unterschriebenes Schreiben herumging, in dem dazu aufgefordert wurde, unbedingt Koch und keinesfalls dessen Gegenkandidatin Silke Sinning zu wählen.

Die 52-jährige Nordhessin siegte dann dennoch mit überwältigender Mehrheit. Aus dem Hessischen Fußball-Verband (HFV), dessen Präsidium im Januar sowohl Sinning als auch Schatzmeister Ralf Viktora zum Rücktritt aufgefordert hatte, weil diese sich dem missliebigen Koch-Kontrahenten Peter Peters angeschlossen hatten, meldete sich jetzt der Wiesbadener Kreisfußballwart Dieter Elsenbast zu Wort.

Rainer Koch „nicht mehr tragbar“

Einer Wachablösung im DFB habe es „dringend bedurft“. Rainer Koch sei „für viele nicht mehr tragbar“ gewesen. Dafür habe allerdings nicht Sinning gesorgt, sondern Koch „ganz alleine selbst“ aufgrund seiner „katastrophalen Vorstellungsrede“.

„Mannschaften brechen weg“

Elsenbast kritisiert im Nachgang nun vor allem die Sportwissenschaftlerin Sinning. Die habe als seit 2008 amtierende Vorsitzende des Mädchen- und Frauenausschusses im HFV „nicht viel“ vorzuweisen, ihr gehe es „weniger um Inhalte“, als „vielmehr mehr um Posten“. Die Situation im Frauen – und Mädchenbereich habe sich derart verschlechtert, dass „unsere Mädchen- und Frauenmannschaften in Runden mit Einfachfahrten bis zu 70 Kilometern“ spielten. „Die Mannschaften brechen uns weg,“ Sinning habe „die Arbeit an der Basis, auf die sie stets verweist, völlig vernachlässigt“.

Dem ist entgegenzuhalten: Die zuständige Sinning hat auf die Probleme im weiblichen Nachwuchs ihrerseits mehrfach hingewiesen, zuletzt im FR-Interview an diesem Montag. Und: Die Zahlen der Frauen- und Mädchenteams in Hessen sind laut offizieller DFB-Statistiken in ihrer Entwicklung immer noch besser als in den allermeisten anderen Landesverbänden.

„Porzellan zerbrochen“

Nicht nachvollziehen kann es der Wiesbadener Rechtsanwalt Elsenbast, dass ursprünglich weder Sinning noch Schatzmeister Ralf Viktora dem Präsidiumsentscheid des HFV widersprochen hätten, Koch als Vertreter des Süddeutschen Regionalverbandes für das DFB-Präsidium zu unterstützen. „Die beiden haben mit ihrer Entscheidung, sich im Team Peters einzubringen, die mit getroffenen Entscheidungen des HFV ad absurdum geführt, Hier wurde sehr viel Porzellan zerbrochen.“

Der langjährige Funktionär Elsenbast weiter: Von beiden hätte man im Vorstand des Süddeutschen Regionalverbandes „nicht einen kritischen Beitrag hinsichtlich der Arbeitsweise von Rainer Koch“ gehört. Sinning sei von Koch „zur Ausschussvorsitzenden des Süddeutschen Mädchen – und Frauenausschuss promotet“ worden. Noch im September 2021 sei auf dem Verbandstag des HFV „das beste Einvernehmen sowohl von Silke Sinning wie auch von Ralf Viktora mit Rainer Koch festzustellen“ gewesen.

Ralf Viktora macht als Schatzmeister weiter

Viktora und Sinning wundern sich über diese Vorhaltungen nicht zum ersten Mal. Sie hätten das HFV-Präsidium zeitnah informiert, sobald sie ihre Entscheidungen fürs „Team Peters“ getroffen hatten. Danach haben sie in der Tat in diversen Interviews (unter anderem in der FR) sehr deutlich Stellung bezogen. Zudem hätten sie vielfach aus Kreisen und Vereinen ausdrücklich Rückendeckung erfahren.

Viktora sagte der Frankfurter Rundschau auf Nachfrage, er werde als HFV-Schatzmeister weiter zur Verfügung stehen. Die neue DFB-Vizepräsidentin Sinning sagte, sie habe ohnehin vorgehabt, aus dem HFV-Präsidium auszuscheiden. Entsprechende Vorgespräche seien bereits angelaufen.

Kritisiert die neue DFB-Vizepräsidentin: Dieter Elsenbast.
Kritisiert die neue DFB-Vizepräsidentin: Dieter Elsenbast. © privat

Auch interessant

Kommentare