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Es ist zum Verzweifeln: Stürmer Timo Werner.

Nationalmannschaft

Fürchterliche Quote

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Das Tor ist für die DFB-Elf wie vernagelt - und es ist eine Frage der Qualität im deutschen Angriff.

Der Ball muss ins Tor! So heißt das 2012 im Finanzbuchverlag erschienene Buch, das den Zusammenhang zwischen Fußball- und Aktiengeschäft vertieft. Die These: Der Ball ist die Strategie und das Tor die Börse. Das Werk dürfte eher nicht im Bücherregal des Fußball-Ästheten Joachim Löw stehen. Wobei sich der Bundestrainer zuletzt ganz ähnlich wie die Autorin Beate Sander anhörte, die eine Reihe von Ratgebern zur Geldanlage herausgegeben hat. „Man muss sagen, dass unsere mangelhafte Chancenverwertung ein Problem ist. Wir erzielen keine Tore. Und dann wird es für die gesamte Mannschaft schwierig.“

Die Diagnose klang in etwa so fürchterlich wie das Statement eines Börsianers, der gerade den größten Teil seines Kapitals ins falsche Aktiendepot gesteckt hat. Ertrag gleich null. Für den Offensivliebhaber Löw, der schon in seiner aktiven Karriere den Blick lieber nach vorne statt zurück richtete – also aufs gegnerische Tor – ist das fatal. Seiner Philosophie wird damit die Grundlage entzogen. Löws Klassensprecher Mats Hummels findet die aktuelle Phase fußballerisch nämlich gar nicht so schlecht. „Wir haben seit der WM kein schlechtes Spiel gemacht, aber die fehlende Abschlussqualität und das Pech sind das Problem.“

Übergreifend hat die in ihrer Historie eigentlich immer für ihren Torreichtum gerühmte DFB-Auswahl im vergangenen Dutzend an Länderspielen karge zehn Treffer erzielt. Weniger als einen pro Spiel. Sechsmal stand die Null aus deutscher Sicht auf der falschen Seite. Hummels findet, die Torarmut habe mit der Verkettung vieler Umstände zu tun. Seine Empfehlung: „Wir müssten auch mal einen Abstauber reinmachen oder das Glück erzwingen.“ Und konkret für den richtungsweisenden Auftritt beim Weltmeister Frankreich (Dienstag 20.45 Uhr/ ARD) erteilte der Abwehrchef den Rat: „Vielleicht müssen wir bei einem Standard einfach mal neun Mann vorne reinwerfen.“

Dummerweise ist diese der Verzweiflung geschuldete Maßnahme schon im letzten WM-Gruppenspiel gegen Südkorea – Endresultat 0:2 – schiefgegangen. Notstürmer Hummels bekam den Ball nach einer von Mesut Özil (!) geschlagenen Flanke nämlich nur auf die Schulter statt auf den Kopf. Und wieder war es nichts mit einem Tor. Dass übrigens gegnerische Torwächter immer dann zur absoluten Hochform auflaufen, wenn die Deutschen sie belagern, tut ein Übriges. Es scheint, als habe sich jener Teufelskreis längst in Gang gesetzt, bei dem Ursache und Wirkung nicht mehr auseinanderzuhalten sind. Gehäuse sind in der Regel für jene Teams vernagelt, die aus irgendwelchen Gründen auf Abwegen sind.

Das reine Datenmaterial entlastet die deutsche Elf zunächst vom Vorwurf, zu uninspiriert, zu tempoarm zu spielen. Immerhin gibt es noch genügend Chancen. Aus der Nations League gegen Frankreich (0:0) und die Niederlande (0:3) sind 39 Torschüsse notiert, was ungefähr die Bilanz wiedergibt, mit der Deutschland bei der WM erstaunte: Damals waren aus der Vorrunde rekordreife 67 Versuche gelistet, von denen zwar 20 aufs Tor, aber nur zwei ins Tor gingen. Eine fürchterliche Quote, die folgerichtig im vorzeitigen Turnierausschluss mündete.

Löw hat bislang kein Gegenmittel gefunden, die Abschlussschwäche abzustellen. Im Training würden die Seinen nach Belieben treffen. Im Wettkampf war es auch kein guter Einfall des 58-Jährigen, zuletzt sofort den Angreifer Mark Uth in Amsterdam einzusetzen. Der Neu-Schalker ist in der Bundesliga nämlich auch noch ein Null-Tore-Stürmer.

Wenn Deutschland ein Erfolgserlebnis brauchte, dann waren eigentlich immer seine Torjäger gefragt, die häufig genug aus dem Nichts (oder per Kopf) zuschlugen. Aber da ist derzeit niemand, der mit solchen Instinkten auffällt.

Bei Timo Werner, der aus 21 Länderspielen immerhin auf acht Treffer verweisen kann, wirkt es im DFB-Dress neuerdings so, als befalle ihn in letzter Instanz die Flatter. Ähnlich sieht es bei den Hoffnungsträgern Julian Brandt und Leroy Sané aus, wobei Letzterer gegen die Niederlande die allerbeste Chance vergab. Frei vor Torwart Jasper Cillessen, hätte der Profi von Manchester City eigentlich fragen können, in welche Ecke er den Ball haben wolle. Aber der 22-Jährige zielte überhastet vorbei. In seiner Länderspielbilanz stehen weiterhin: null Tore. Joachim Löw sah in der Szene übrigens ein Fallbeispiel, was seinen jungen Kräften alles noch fehlt.

Vielleicht sollte es der Bundestrainer morgen mal mit Serge Gnabry versuchen. Der 23-Jährige hat im Nationalteam eine Torquote, die besser ist als die von Gerd Müller oder Miroslav Klose. Zwei Länderspiele, drei Tore.

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