Taskforce Profifußball

Für mehr Gerechtigkeit – oder so

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die „Taskforce Zukunft Profifußball“ soll für mehr Wettbewerbsbalance und einen neuen Wertekatalog sorgen. In England zeigen sich gerade die Tücken eines solchen Projekts.

In England herrscht gerade helle Aufregung. Ein in aller Hinterzimmerstille federführend von Topklubs FC Liverpool und Manchester United und dem Chef des Zweit-, Dritt- und Viertligaverbands EFL ausbaldowertes Zukunftspapier für den Profifußball klingt oberflächlich betrachtet okay: mehr Geld von oben nach unten in die Ligen zwei bis vier, weg mit dem lästigen Ligapokal, 18 statt 20 Teams in der Premier League, ein fettes Förderprogramm für den Frauenfußball. Bei näherem Hinsehen fällt dann aber auf, dass die ohnehin stinkreichen „Big Six“ im Gegenzug mehr Macht beanspruchen. Mehr Macht bedeutet langfristig dann auch mehr Geld. Jedenfalls fürchten die Mittelstandsklubs, als Verlierer bei solchen Plänen hinterlassen zu werden.

Wie immer man das bis hoch zum Premierminister heiß debattierte „Project Big Picture“ auch beurteilen mag: Das „große Bild“ ist so, wie es vorgestellt wurde, jedenfalls keine vertrauensbildende Maßnahme. Die Veröffentlichung geschah am Sonntag via „Daily Telegraph“.

Die hohen Wellen des Streits auf der Insel schwappen just in der Woche über den Ärmelkanal, da sich in Deutschland erstmals die 35 auserwählten Personen der „Taskforce Zukunft Profifußball“ in drei Arbeitsgruppen zusammenfinden. Nun kann an einiges gegen Arbeitsgruppen einwenden, in diesem Fall ist aber immerhin der Wille erkennbar, dass ein paar Leute mehr mit auf die Reise genommen werden sollen. Fans, Medien, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, die Profis und Trainer selbst. Das ist schon mal eine gute Idee.

DFL-Chef Christian Seifert weckt Hoffnungen, wenn er sagt, dass es einen „so breit gefächerten Dialog über Grundsatzthemen des deutschen Profifußballs noch nie gegeben“ hat. Es geht um Berücksichtigung von Faninteressen, die Förderung des Frauenfußballs, einem neuen Wertekatalog, mehr Wettbewerbsbalance, wirtschaftliche Stabilität sowie weniger opulente Zahlungsflüsse an Berater und für Topgehälter.

Es sind in England wie hierzulande ähnliche Problempunkte, die vor der grassierenden Pandemie zwar regelmäßig anmoderiert, aber nie in ausreichender Tiefe erörtert wurden. Umso mehr darf man gespannt sein, was nun dabei herauskommt.

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