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Für Hütter wird’s eng

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Von: Ingo Durstewitz

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Ratlos am Niederrhein: Adi Hütter. Foto: imago images
Ratlos am Niederrhein: Adi Hütter. © Ulrich Hufnagel/Imago

Ex-Eintracht-Trainer Adi Hütter hat die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach verloren. Ihn bewahrt nur noch eines vorm Rausschmiss. Ein Kommentar.

Sebastian Kerk aus Bad Wurzach hat ein bisschen was erlebt in seiner Karriere; 50 Bundesliga- und 123 Zweitligapartien hat er auf dem Buckel, absolvierte vier Relegationsspiele und war fünfmal im Europapokal dabei, kickte in Nürnberg, Osnabrück, Kaiserslautern und Freiburg. Der Offensivspieler ist bald 28, verdingt sich zurzeit bei Hannover 96 in Liga zwo. Doch Spiele wie am Mittwoch sind dem erfahrenen Profi noch nicht so oft untergekommen, sein ungläubiges Staunen über die desolate Verfassung des Kontrahenten konnte er kaum kaschieren: „Wir waren überrascht, wie wenig Gegenwehr sie uns entgegengebracht haben. Wir hätten ihnen noch mehr Tore einschenken können.“ Am Ende waren die Hannoveraner gnädig und fertigten den Bundesligisten aus Mönchengladbach nur mit 3:0 ab. Für die Borussia ist, frei nach Rudi Völler, der tiefste Tiefpunkt aller Tiefpunkte erreicht. Es ist nicht mehr weit bis zum Abgrund.

Das Pokalaus im Achtelfinale passt in eine verhunzte Saison, die 0:3-Schlappe steht stellvertretend für den Gesamtzustand der Borussia, sie offenbarte alle Schwächen in kompakten 90 Minuten: Harmlosigkeit im Angriff, fehlendes Tempo im Mittelfeld, erschreckende Zweikampfwerte, löchrige Abwehr, Lethargie und Leblosigkeit in allen Bereichen. Das Kuriose: Seit Wochen schon ist Torwart Yann Sommer in bestechender Form und der einzige Borusse in Normalform: In Hannover verhinderte er mit etlichen Paraden ein Schützenfest des Außenseiters. Das sagt viel über den Zustand der Mannschaft aus.

Am Niederrhein geht nichts mehr zusammen. Trainer Adi Hütter wirkt ohnmächtig und hilflos, er ist schwer angeschlagen. Er ist im Grunde schon jetzt gescheitert, hat es nicht geschafft, ein gewachsenes, zusammengebliebenes und sündhaft teures Ensemble so zu orchestrieren, dass es europäische Träume erschaffen kann.

Im Gegenteil: Aus im Pokal, in der Liga Platz zwölf mit neun Niederlagen, Abstiegskampf. In den letzten acht Pflichtspielen kassierte die Borussia sechs Pleiten und 24 Gegentore, insgesamt hat sie 35 Treffer schlucken müssen, nur bei Hertha (38) und Fürth (51) schlug es häufiger ein. Das ist nicht neu. Coach Hütter schaffte es schon in Frankfurt nicht, die Defensive zu stärken. Da stand er aber zumindest für begeisternden Offensivfußball – in Gladbach ist davon nichts zu sehen.

Hütter, und das ist das Alarmierende, scheint die Mannschaft verloren zu haben, da scheint etwas zerbrochen zu sein. Denn so in etwa sehen Spiele aus, wenn eine Mannschaft gegen ihren Trainer spielt. Und es ist gewiss keine verwegene These zu behaupten: Hätte Hütter nicht die Rekordsumme von 7,5 Millionen Euro gekostet, er wäre kein Chefcoach mehr – obwohl Manager Max Eberl bekannt dafür ist, in Nibelungentreue zu seinen Trainern zu stehen.

Die Borussia übrigens hat eine große Möglichkeit verpasst, die Saison vielleicht über den Pokal zu retten, denn Bayern, Dortmund, Leverkusen – alle Großkaliber sind schon raus. Dafür sind vier Zweitligisten dabei, das gab es zuletzt vor fast 20 Jahren. Womöglich stimmt die These mit dem stärksten Unterhaus aller Zeiten ja doch. Und vielleicht bekommt es ab Sommer prominenten Zuwachs: Borussias Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang: vier Pünktchen.

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