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Jugendlicher Esprit bei Borussia Dortmund.

Volltreffer

Führungstreffer aus dem Jungbrunnen

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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  • Peter Schwennecker
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Zwei 17-Jährige machen den „Haufen guter Fußballer“ von Borussia Dortmund froh – doch Manager Michael Zorc mahnt zur Zurückhaltung.

Das Lob kam von dem, der sich auch selbst dafür durchaus loben dürfte: Michael Zorc, Baumeister der Dortmunder Borussen, wurde nach dem 3:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach natürlich auch nach den beiden Jungs gefragt, die für den Führungstreffer in perfekter Zusammenarbeit verantwortlich waren. „Beide sind extrem weit für ihr Alter, das habe ich selten so gesehen“, sagte Zorc, was aus dem Munde des notorisch zurückhaltenden Sportchefs einem Ritterschlag gleichkam.

Ein Ritterschlag für Jude Bellingham (mit seiner perfekten Vorlage) und Giovanni Reyna (mit einem nicht minder starken Abschluss). Das Besondere am ersten BVB-Treffer der neuen Bundesligasaison: Es hatte ein 17-Jähriger nach Vorarbeit eines 17-Jährigen erzielt. Ein Novum im deutschen Fußball-Oberhaus, das der hiesigen Nationalmannschaft allerdings nicht zugute kommen wird: Bellingham ist Engländer, Reyna US-Amerikaner.

Für Bellingham, diesen Sommer für 26,5 Millionen Euro von Birmingham City nach Dortmund gekommen, war es die erste Vorlage im ersten Bundesligaspiel, für Reyna in seinem 15. Spiel sein erster Bundesligatreffer. Teamkollege Erling Haaland spricht angesichts dessen Fähigkeiten von einem „amerikanischen Traum“.

Reyna selbst präsentierte sich sehr abgeklärt und selbstbewusst: „Es macht so viel Spaß mit den Jungs in meinem Alter – wie Jude, Jadon oder Erling. Das gibt viel Energie und viel Spannung. Ich bin bereit, eine größere Rolle zu spielen. Ich glaube, ich kann der Mannschaft helfen und Tore schießen.“

Das können auch Jadon Sancho und Haaland, beide gerade mal 20 Jahre alt, deren gemeinsamer Konter zum 3:0 eine Augenweide war. Bei der Vielzahl an Hochbegabten im Dortmunder Kader gerät auch Routinier Mats Hummels ins Schwärmen. „Die Mischung aus verschiedenen Typen, die Altersstruktur, was Trainingsarbeit und Professionalität, da haben wir eine sehr gute Balance im Kader und viele Stärken, die wir auf den Platz bringen können. Und die sind besser als in der vergangenen Saison“, betonte Hummels. „Wir haben einen Haufen guter Fußballer. Wenn wir das in die richtige Form bringen, dann sind wir eine Top-Mannschaft.“ Aktuell sei der BVB, so Hummels, aber noch weit weg vom Maximum. Das habe die Partie deutlich gezeigt. „Wir wissen aber, dass wir in der Offensive immer unsere Chancen bekommen und Tore machen können. Dementsprechend haben wir dann auch agiert.“

Der Pool an Hochbegabten in Dortmund führt dazu, dass einer wie der eingewechselte Nationalspieler Julian Brandt, mit 24 fast schon ein Routinier, derzeit nur Ersatzmann ist, ebenso wie Thomas Delaney, dem der schmächtige Bellingham vorerst die Position im Mittelfeld abgenommen hat.

Dass sie in ihrer Entwicklung längst nicht am Ende sind, spricht auf Dauer sicherlich für die Dortmunder. Wenn es gelingt, die hochbegabten Nachwuchskicker über eine längere Distanz zu halten, könnte der BVB sogar zu einer europäischen Topmannschaft heranreifen. Michael Zorc hat am Samstagabend schnell zur Zurückhaltung zurückgefunden: „Das war nicht fürchterlich spektakulär, aber es war in Ordnung.“ Die Botschaft dahinter ist klar: Die Jungen sollen bloß nicht abheben.

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