Adam Szalai von Mainz 05.
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Adam Szalai von Mainz 05.

Bundesliga

Kommentar: Bei Mainz 05 gibt es nach der Eskalation um Adam Szalai nur Verlierer

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Dicke Luft beim FSV Mainz 05: Wegen Adam Szalai sind die Profis des Fußball-Bundesligisten in einen Streik getreten. Ein Kommentar.

Es gehört zum Schicksal eines Nischenklubs wie Mainz 05, dass er medial nur dann überregional wahrgenommen wird, wenn etwas sehr Außergewöhnliches passiert. Außergewöhnlich gut oder außergewöhnlich schlecht. Es war schlecht für den Verein, als etwa bekannt wurde, dass Ex-Präsident Harald Strutz monatlich für sein Ehrenamt 23 000 Euro kassierte. Mainz 05 hatte damit seine Unschuld verloren.

Und es war gut, als Thomas Tuchel ein paar Jahre zuvor mit dem Team sieben Auftaktspiele in Folge gewann. Da erlangten die damaligen „Bruchweg-Boys“ als Tabellenführer einige Berühmtheit. Ironie des Schicksals: Einer der gefeirten Protagonisten war damals, in einer längst vergangenen Zeit, der Stürmer Adam Szalai.

Adam Szalai - an seiner Person wird der tiefe Bruch beim FSV Mainz 05 deutlich

Jetzt ist derselbe Szalai – als aufstrebender Star gegangen, als alternder Nothelfer zurückgekehrt – der Mann, an dessen Person entlang ein tiefer Bruch erkennbar ist. So dermaßen tief ist dieser Bruch, dass die schon in der vergangenen Saison nicht gerade durch großartigen Zusammenhalt auffällige Mainzer Mannschaft das Mittwochtraining boykottierte. Es wurde diskutiert statt trainiert. Für den Mainz-Trainer Achim Beierlorzer kommt das einem schmerzlichen Autoritätsverlust gleich, der sich in den vergangenen Monaten schon angedeutet hatte. Das Kernziel, sich für die neue Spielzeit gemeinsam zusammenzuraufen, wurde so schon mal verfehlt, noch ehe das erste Heimspiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart angepfiffen worden ist.

Für den Verein könnte die Situation kaum unangenehmer sein. Die Coronakrise hat die Fliehkräfte in einer Mannschaft, der es an Klebstoff eines freundschaftlichen Miteinanders mangelt, noch verstärkt. Und sie hat dafür gesorgt, dass das lange Jahre erfolgreiche Geschäftsmodell, Spieler zu entwickeln und teuer zu verkaufen, gerade brachliegt. Eine Folge: Nach dem im vergangenen Herbst beurlaubten Sandro Schwarz kann sich Mainz 05 im Grunde keinen zweiten vorzeitig geschassten Trainer Achim Beierlorzer leisten, der wie Schwarz noch bis Juni 2022 bezahlt werden müsste.

Mainz 05 - Sportchef Rouven Schröder gerät in die Kritik

Dass in der außergewöhnlichen Krisensituation auch Sportchef Rouven Schröder in die Kritik gerät, erscheint wenig verwunderlich. Denn es wäre ja zu kurz gesprungen, die beispiellose Eskalation im Fall Adam Szalai allein am Trainer festzumachen. Schröder hat die Situation jedenfalls so unglücklich gemanagt, dass mindestens die Vorbereitung aufs nächste Spiel nachhaltig gestört ist – eher gar die gesamte Ausrichtung für eine mutmaßlich hochkomplizierte Spielzeit.

Der Druck in Mainz auf alle Beteiligten ist immens. Stärke hat der Klub in seinen besten Zeiten aus dem inneren Zusammenhalt und der familiären Atmosphäre gezogen. Gerade scheint diese Stärke der Vergangenheit die größte Schwäche der Gegenwart geworden zu sein. Die Aussichten für einen wieder zu erwartenden Abnutzungskampf um den Klassenerhalt könnten unangenehmer kaum sein. Wo man dort auch hinsieht: Es gibt gerade nur Verlierer. (Von Jan-Christian Müller)

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