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FSV Harmlos 05

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Von: Jan Christian Müller

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Ernüchtert: Die Mainzer Anton Stach, Kevin Stöger und Jean-Paul Boetius.
Ernüchtert: Die Mainzer Anton Stach, Kevin Stöger und Jean-Paul Boetius. © dpa

Mainz bestätigt seine Auswärtsschwäche bei Union Berlin. Trainer Bo Svensson sieht schon wieder Gelb

Die schlechte Laune schien Bo Svensson nach dem 1:3 seines FSV Mainz 05 bei Union Berlin aus allen Poren zu entweichen. Drei Tore kassiert, eins geschossen, als das Spiel schon längst verloren war. Obendrauf die (eher unberechtigte) fünfte Gelbe Karte für Verteidiger Alexander Hack und einen (vollauf berechtigten) Gelb-Roten Karton für Dominik Kohr. Beide fehlen am Sonntag gegen Borussia Dortmund, eine erhebliche Schwächung.

Zu allem Überfluss sah auch noch Svensson seine bereits fünfte Gelbe Karte dieser Saison. Der Lerneffekt aus seiner gerade erst Ende Januar bei der Auswärtsniederlage in Fürth abgesessenen Gelb-Sperre - der ersten dieser Art eines Bundesligatrainers überhaupt - scheint sich in Grenzen zu halten. Dabei hatte Svensson mehrfach selbstkritisch angemerkt, dass er sein Verhalten in der Coachingzone überdenken und so anpassen wolle, dass er nicht in derartiger Regelmäßigkeit verwarnt werde. Worte und Taten stimmen da nicht ganz überein.

Diesmal gab es Gelb, weil dem Mainzer Trainer die Entscheidung zum 0:1-Rückstand missfallen hatte, die nach Begutachtung der Szene durch Schiedsrichter Bastian Dankert vorm Bildschirm noch einmal gegengecheckt worden war. Die Mainzer mokierten sich darüber, dass der Berliner Grischa Prömel bei Unions Führungstor durch Genki Haraguchi direkt vor 05-Torwart Robin Zentner am Boden lag. Im passiven Abseits, so die Interpretation des Unparteiischen. Im aktiven Abseits, so die Ansicht von 05-Sportdirektor Martin Schmidt. „Der Spieler befand sich im Sichtfeld unseres Torwarts.“ Die TV-Bilder legen eher den Eindruck nahe, dass der Schiedsrichter Recht hat.

Svensson reagierte auf Nachfrage mit eher beleidigtem Unterton: „Die Schiris entscheiden die Szenen. Ich nicht.“ Schon unter der Woche hatte er sich über fragwürdige Entscheidungen der Referees in Verbindung mit dem Kölner Videokeller mokiert. Samstag fügte er schmallippig hinzu, er „habe ein bisschen Erfahrung in den letzten Wochen mit dem Videoschiri“ gemacht. „Da hat mir ein bisschen das Fingerspitzengefühl gefehlt.“

Lichtblick Burgzorg

Am Ende, das räumte der Coach ein, sei der Union-Sieg verdient gewesen. Tatsächlich hatte der FSV Harmlos 05 die nächste nicht zufriedenstellende Auswärtspartie hingelegt. Die Nullfünfer konnten nicht an die Leistung vom 1:1 in Freiburg anknüpfen und blieben in der Fremde viel zu harmlos vor des Gegners Tor. Und diesmal obendrauf zu offen in der Verteidigung. Vor dem 0:1 verteidigten sie einen Berliner Einwurf zu nachlässig, vor dem 0:2 durch den starken Sheraldo Becker ließen sie dem Torschützen zu viel Raum zum perfekten Schuss. Das 0:3 durch den Ex-Mainzer Taiwo Awoniyi leitete ein kapitaler Fehlpass ein, als die ganze Mainzer Mannschaft sich in der Vorwärtsbewegung befand.

Immerhin endete das Spiel trotz Unterzahl glimpflich. Der beste Mainzer, Anton Stach, setzte sich kurz vor Schluss kraftvoll im Strafraum durch und brachte sodann Neuzugang Delano Burgzorg in Schussposition. Der niederländische Angreifer nutzte das zu seinem ersten Bundesligator und freute sich entsprechend. Hinterher kritisierte er unverblümt und richtig, „dass wir Union viel zu große Räume gelassen haben, das war unser großer Fehler“, und versprach: „Im nächsten Spiel werden wir viel besser sein, und ich werde wieder ein Tor schießen.“ An Selbstvertrauen mangelt es dem unverbrauchten Kerl jedenfalls nicht. Der 23-Jährige könnte dem auswärts viel zu verzagten FSV Mainz 05 noch gut tun.

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