Der übriggebliebene Rest: Bundestrainer Joachim Löw und seine Jungs.
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Der übriggebliebene Rest: Bundestrainer Joachim Löw und seine Jungs.

DFB

Frustabbau am DFB-Team

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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In den sozialen Netzwerken gibt es reichlich Saures für den DFB-Direktor Bierhoff und dessen trübsinnige Bestandsaufnahme, die eigentlich das Gegenteil bewirken sollte. Ein Kommentar.

Der DFB hat vor dem Spiel am Mittwochabend gegen Tschechien vier Nationalspieler digital mit vier Reportern zusammengebracht. Es waren nicht die berühmten Stars aus der ersten Reihe, nicht Neuer, Kroos, Goretzka oder Sané, sondern diejenigen, die gerade nur deshalb auf den Platz dürfen, weil es Irrsinn wäre, würde der Bundestrainer in drei Spielen binnen sieben Tagen dreimal die Topelf aufstellen. Wenn man Benjamin Henrichs, Luca Waldschmidt, Nadiem Amiri und Florian Neuhaus auf dem Laptop-Bildschirm zuhörte, konnte man erspüren, dass diese jungen Männer mächtig stolz darauf sind, für ihr Land spielen zu dürfen.

Die Diskrepanz zwischen deren persönlichem Hochgefühl und der eher abschätzigen öffentlichen Wahrnehmung ist gerade so groß wie nie. Die Leute pennen beim Geisterspielgucken auf der Couch ein und beschweren sich hinterher lieber über die Abwehrfehler, als sich über gelungene Torabschlüsse zu freuen. Das Grundrauschen ist negativ. Oliver Bierhoff hat das dieser Tage mit seinem „dunkle Wolken über der Nationalmannschaft“-Vergleich meteorologisch präzise angesprochen.

Die Entfremdung ist mitunter so weit fortgeschritten, dass Fans außer Dienst dem DFB-Team nur das Schlechteste wünschen. Die Zuständigen für die „Mannschaft“, Bundestrainer Löw und Manager Bierhoff, und der Verband mit seinem unseligen Führungsstreit haben furchtbar viel Vertrauen verspielt. Es ist schlicht unmöglich, diese Zuneigung im Corona-Herbst wieder einzuspielen. Dafür ist die Stimmung zu mau im ganzen Land, manche Menschen haben in der Nationalmannschaft, vor allem in deren prominentesten Vertretern Bierhoff und Löw, eine Projektionsfläche für Frustabbau gefunden. In den sozialen Netzwerken gibt es reichlich Saures für den DFB-Direktor und dessen trübsinnige Bestandsaufnahme, die ja eigentlich das Gegenteil bewirken sollte.

Die Akzeptanz schrumpft unaufhörlich. Benjamin Henrichs, Luca Waldschmidt, Nadiem Amiri und Florian Neuhaus aber werden heute Abend wieder ein bisschen wachsen.

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