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Frühe Scheidung am Bieberer Berg

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Von: Jörg Moll

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Beschwichtigen half nichts: Alexander Schmidt.
Beschwichtigen half nichts: Alexander Schmidt. © Imago/Beautiful Sports

Die Offenbacher Kickers entlassen Trainer Alexander Schmidt, der stets ein Suchender war. Alfred Kaminski übernimmt vor dem hessischen Krisengipfel bei Hessen Kassel.

Die Offenbacher Kickers haben ihre ursprüngliche Entscheidung, mit Trainer Alexander Schmidt in den hessischen Krisengipfel in der Fußball-Regionalliga Südwest am Samstag (14 Uhr) beim Tabellenletzten KSV Hessen Kassel zu gehen, nach 24 Stunden revidiert. Am Mittwoch teilte der mit elf Punkten aus acht Spielen schwach gestartete Aufstiegskandidat mit, dass Schmidt gehen muss. „Es war keine Entscheidung, die du aus dem Ärmel schüttelst“, räumte Geschäftsführer Matthias Georg ein.

Die Entscheidung werde von allen Gremien des Vereins getragen. „Die sportliche Ausbeute war unbefriedigend“, erklärte Georg. Hinzu kam, dass in Gesprächen mit Schmidt die Überzeugung fehlte, dass der 53-Jährige das Ruder in die richtige Richtung lenken könne. „Wir brauchen einen Schulterschluss mit Trainerteam, Fans, Mannschaft und Verein“, betonte Georg: „Wir müssen wieder eine Einheit werden.“

Gleichwohl räumte Georg ein, dass eine Trainerentlassung zu einem derart frühen Zeitpunkt – Schmidt war gerade mal 83 Tage im Amt – „eine Niederlage für alle ist, das gilt natürlich auch für meine Person“. Letztlich gehe es aber nicht um Personen, sondern nur um das Beste für den Verein. Und genau da waren die Zweifel an Schmidts Qualitäten zu groß geworden.

Stets ein Suchender

Der gebürtige Augsburger hatte das Team am 1. Juli übernommen, blieb aber trotz langer Vorbereitung stets ein Suchender: Er veränderte häufig Taktik, die Aufstellung, vor und während der Partien. Seine Ankündigung, den OFC mit „Vollgasfußball“ um den Titel spielen lassen zu wollen, erwies sich als schwer umsetzbar.

Schon im ersten Spiel bei Aufsteiger Wormatia Worms lernte das neuformierte Offenbacher Gefüge – 12 externe Zugänge und ein neues Trainerteam kamen, 17 Akteure gingen – die ernüchternde Realität der Regionalliga kennen, unterlag gegen einen defensiv eingestellten Aufsteiger 0:1. In vier Auswärtspartien holte der OFC nur zwei Zähler. Kaschiert wurde die Bilanz durch drei Heimsiege, ehe am Samstag das 1:2 gegen den Titelanwärter und Tabellenzweiten FC Homburg folgte. Anschließend hatten viele Fans ihren Unmut lautstark mit „Trainer-raus“-Rufen kommentiert.

„Das habe ich natürlich auch registriert“, räumte Georg ein, die Entscheidung gegen Schmidt sei aber nicht von diesem Moment geprägt gewesen. Allerdings geht es beim OFC nunmehr vorrangig darum, die Negativität im Umfeld zu stoppen und das schlingernde Schiff wieder in ruhigeres Fahrwassser zu bekommen.

„Wir reden nicht mehr von Saisonzielen“, betonte Georg: „Es geht darum, wieder in die Spur zu kommen.“ Das soll interimsweise Alfred Kaminski schaffen. Der Leiter des Leistungszentrums der Kickers leitete am Mittwochnachmittag die erste Trainingseinheit.

„Ich bin mit Unterbrechungen seit viereinhalb Jahren beim OFC, da war es klar, dass ich helfe, wenn Not am Mann ist“, erklärte der 58-Jährige, der 2016 die Stuttgarter Kickers in der Regionalliga und 2018 die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz in der Hessenliga coachte. „Alfred hat Stallgeruch, kennt den Verein“, lobt Georg. Eine Dauerlösung soll er nicht sein. „Wir werden in aller Ruhe nach einer mittelfristigen Trainerlösung suchen“, kündigte Georg an. Eine, die am besten länger Bestand hat als 83 Tage.

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