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Präsident vor Emblem: Fritz Keller und das DFB-Logo.

Neuer DFB-Präsident

Fritz Keller, der Mann mit dem Rucksack

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DFB-Chef Fritz Keller macht sich sogleich bemerkbar in seiner neuen Rolle - und wird bald erkennen müssen, dass die Leute einem DFB-Boss ganz genau auf die Finger schauen.

Fritz Keller weiß jetzt, was es bedeutet, aus dem Refugium Freiburg draußen in der großen Fußballwelt zurechtkommen zu müssen. Am Freitag nach Ende des DFB-Bundestages im Frankfurter Kongresszentrum wurde der kleine Mann von einer Interviewstation zu nächsten bugsiert, musste abwechselnd nach rechts, nach links und geradeaus schauen, um die Fotografen zufriedenzustellen, ehe er das neue Präsidium zur konstituierende Sitzung hinter verschlossenen Türen bat. Er verließ die lange Flure mit einem Rucksack auf dem Rücken. Man kann das durchaus symbolisch interpretieren. Und weil ein neuer, wenn auch de jure mit weniger Kompetenzen ausgestatteter, Chef des Deutschen Fußball-Bundes wissen muss, wo die größte Medienmacht versammelt ist, gab er flugs dem Springerblatt „Bild“ ein erstes Interview.

Keller hatte sein Amt beim SC Freiburg mit der Wahl zum DFB-Präsidenten niedergelegt und wird dort erst einmal nicht unmittelbar ersetzt. Zeitdruck gibt es in dem notorisch entspannten Klub im Breisgau nicht, weil ein Präsident dort im operativen Profigeschäft sowieso nichts mehr zu sagen hat. Im neuen Job ist das anders: Das, was ein DFB-Präsident von sich gibt, entwickelt eine andere Schlagkraft als Beiträge eines Freiburger Vereinsfunktionärs. Und es wird genauer auf inhaltliche Präzision überprüft.

Keller, vor seiner Inthronisierung bereits drei Jahre eher zurückhaltend agierendes Mitglied im DFB-Vorstand, hat in seiner 27-minütigen Rede vor 257 stimmberechtigten Delegierten zum Teil Dinge formuliert, die einer Überprüfung nicht ganz standhalten. So rügte er, es könne nicht angehen, dass Spielverlegungen für kleine Vereine „200 Euro“ kosten würden. Nach FR-Informationen ist dieser Betrag zu hochgegriffen. In der Regel werden in den Landesverbänden 30 bis 50 Euro fällig, wenn Spiele verlegt werden, zum Teil erlassen die Klassenleiter gar die Strafen.

Zumindest kühn mutete auch an, dass Keller die Politik rügte, ehrenamtliche Vereinsmitarbeiter seien zu hohen Haftungsrisiken ausgesetzt, „wenn irgendein Unfall passiert“. Tatsache ist, dass darüber Gerichte zu entscheiden haben und dass schon jetzt eine erhebliche Sorgfaltspflichtverletzung vorliegen muss, damit ein Übungsleiter juristisch in die Pflicht genommen werden kann. Zudem hat jeder Verein eine Pflichtversicherung für Sportunfälle abzuschließen.

Teure DFB-Berater

Interessant auch, dass Keller eine „externe Generalinventur“ zur Voraussetzung für seine Arbeit im DFB macht. Eine solche Inventur hat nämlich vor rund zwei Jahren bereits unter Zuhilfenahme der Unternehmensberater von McKinsey stattgefunden und den derzeit stattfindenden Umbau des Verbands in einen gemeinnützigen e.V., und eine GmbH als wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb initiiert. Der DFB verkündete seinerzeit in Person seines Generalsekretärs Friedrich Curtius stolz eine Neuordnung des ganzen Ladens mitsamt Verschlankung des Direktoriums. Kostenpunkt: rund 1,5 Millionen Euro.

Nimmt man zur Kenntnis, dass der Verband nun schon drei Jahre in Folge Verluste schreibt, allein für Rechtsanwaltskosten und Steuernachzahlungen rund 30 Millionen Euro berappen musste, und nach Auskunft seines kundigen Schatzmeisters Stephan Osnabrügge zum Sparen gezwungen ist, mutet es zumindest verwunderlich an, dass erneut alles auf einen teuren Prüfstand kommen soll. Und: Wie ein Vertrauensbekenntnis in den operativen Chef Curtius hörten sich Kellers Worte („Ich werde reingrätschen, wenn es was zum reingrätschen gibt“) jedenfalls nicht an.

Einen zumindest teilweisen Rückzieher machte der neue Präsident im Zusammenhang mit dem Frauenfußball. Mitte September in Hamburg hatte er noch angekündigt, darauf hinwirken zu wollen, dass alle Bundesligisten per Lizenzauflage auch Frauenabteilungen unterhalten sollten, analog zur seit 2001 bestehenden Verpflichtung für Nachwuchsleistungszenten. Nach dem Bundestag sagte Keller, er setzte dabei zunächst auf Freiwilligkeit der Klubs.

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